Weltreise

Eine komplett andere Welt und das erste grosse Ziel ist erreicht ?

16.08. – 12.09.2019

Nachdem wir auf dem Camp des Camel Park noch kleinere Reparaturen am MANni erledigt haben (wie üblich ist improvisieren angesagt …), ist die Zeit reif, das südlichste Land von Afrika zu erkunden – Südafrika, wir kommen ? …

Am Morgen des 17. August füllen wir in Tsabong unsere Vorräte auf und gönnen auch MANni seinen benötigten «Reiseproviant» – in Südafrika soll alles noch teurer sein als hier in Botswana ☹! Auf den letzten Kilometern zur Grenze bei Bokspits ändert sich die Landschaft abermals … plötzlich fahren wir entlang eines relativ tiefen, trockenen Tals, immer wieder taucht die Strasse in dieses hinab, um bald danach wieder steil den Rand zu erklimmen. Auch die Vegetation ändert sich zusehends – Bäume werden seltener, Buschland und hohes Gras prägen das Bild.

Die Formalitäten an der kleinen Grenzstation in Bokspits sind zügig und einfach erledigt – wir sind uns da ganz anderes gewöhnt! Bei der Einreise nach Südafrika werden wir vom Beamten sogar darauf hingewiesen, dass wir, wenn wir das Land vor den 90 Tagen (welche man als Europäer in einem Jahr ohne kostenpflichtige Verlängerung hier verbringen darf) verlassen sollten, bei einer eventuellen Wiedereinreise nur noch 7 Tage bewilligt erhalten … somit müssen wir uns gut überlegen, wann wir Lesotho besuchen, denn dieses kleine Königreich ist gänzlich von Südafrika umschlossen.

Kaum sind wir in dieses südlichste Afrikanische Land eingereist, befinden wir uns in einer total anderen Welt – werden in Namibia und Botswana schon viele Strassen links und rechts durch Zäune eingerahmt, hier sehen wir, wohin wir auch blicken – Zäune! Oft sind diese gar mit hässlichem «Rasiermesserdraht» «getoppt» – dies vor allem bei Firmen und Privathäusern. Dann fällt uns weiter auf, dass ein grosser Teil der hügeligen und erstaunlich grünen Landschaft bewirtschaftet wird – Mais- und Getreidefelder wechseln sich mit Rebbau oder Weideland ab. Dann wird es wieder flacher und immer wieder tauchen kleine Salzseen auf – danke, wir verzichten freiwillig auf das Vergnügen, über eine der weissen Ebenen zu fahren ? … Ausserdem haben wir, seit wir die Schweiz im Juni verlassen haben, nie mehr so viele Bleichgesichter gesehen …

Es ist unmöglich (ausser vielleicht auf der anderen Seite eines Salzsees ?), auf der Strecke nach Upington ein Bushcamp zu finden. Schlussendlich landen wir auf einem Campingplatz kurz vor der Stadt und müssen wieder einmal den Hintereingang benützen – MANni passt ganz, ganz knapp nicht unter dem riesigen Strohdach hindurch! Obwohl es hier nicht gerade wunderschön ist, bleiben wir noch einen Tag … unser Reisetempo hat sich merklich verlangsamt …

Unser nächstes Ziel heisst Springbok, eine kleinere Ortschaft in einem der Gebiete, wo im Frühling Wildblumen die Landschaft in ein blühendes Meer verwandeln sollen – wenn denn der Regen und die wärmeren Temperaturen fahrplanmässig eintreffen … (Apropos Frühling im August – wer es vergessen haben sollte: hier auf der südlichen Halbkugel sind die Jahreszeiten gegenüber denen in Europa um sechs Monate verschoben.)

Auf dem Weg hierhin kann sich das Auge an endlosen Rebbergen, riesigen Ackerflächen, bis an den Horizont reichenden Rinder- und Schafweiden, dann wieder an trockenen Hügellandschaften und weiten wüstenähnlichen Flächen erfreuen – optische Langeweile ausgeschlossen ?! Erst kurz vor Springbock ändert sich das Bild radikal – plötzlich, fast von einem Kilometer zum anderen, wird es steinig und bergig und vielversprechend leuchten uns die ersten grösseren Ansammlungen gelber, weisser und oranger Blumen vom Strassenrand entgegen ?.

Auf dem kleinen Campground des Geogap Nature Reserve bei Springbok sind wir gut und ruhig untergebracht und erhalten zum ersten Mal – Rentnerrabatt ?! Der wird hier in Südafrika manchmal auch Nichtsüdafrikanern, welche über 60 Jahre alt sind, auf Nachfrage gewährt …

Das Naturreservat ist ein geologisch interessantes Gebiet und hat eine aussergewöhnlich reiche Flora – unter den hier wachsenden 600 Pflanzen sind viele Sukkulentenarten, so auch der bizarre Köcherbaum. Das 7000 Hektar grosse Gelände bietet zudem 45 Säugetieren und 94 Vogelarten eine Heimat und kann mit einem Permit auf verschiedenen 4×4 Strecken erkundet werden. Die nette Dame beim Eingang zeigt uns auf dem Plan, welche Strecken für uns machbar sind – sehr viele sind das aber nicht! Nachdem wir am nächsten Tag die empfohlenen Routen abgefahren sind und den von ihr als eher schwierig eingestuften Pass überwunden haben, sind wir uns jedoch sicher, dass wir gut beraten wurden … Leider sind die Wildblumen in diesem Jahr in diesem Gebiet rar – nicht immer blühen sie am selben Ort und die klimatischen Bedingungen waren leider nicht eben ideal.

Als wir am Mittag eine kleine Rast einlegen, bemerkt Armin von Weitem, dass die Abdeckung des Küchenabzugs fehlt und als er aufs Dach steigt, sieht er, dass der Rollokasten dahinter stark eingedrückt und eines der Sonnenpanels abgerissen ist … offensichtlich sind wir irgendwo unter einem tiefhängenden, dicken Ast hindurchgefahren, ohne zu merken, dass dieser Schaden anrichtet ☹ … Zum Glück sind die Anschlusskabel des Panels noch an Ort und Stelle. Somit ist klar, mit was wir uns am Nachmittag beschäftigen und dank Armin’s Einfallsreichtum, seinem handwerklichem Geschick und verschiedenstem Material, welches wir für etwaige Fälle mit uns herumkutschieren, ist das Panel schon bald wieder sicher befestigt ? … alte PET-Flaschen sind ebenfalls praktisch, um Gefässe oder Abdeckungen zu basteln und so ist auch das obere Ende des Abluftrohrs schnell, einfach und provisorisch wieder staub- und wasserdicht abgedeckt …

Das Tourismusbüro in Springbok gibt immer wieder die aktuellen Gebiete bekannt, wo die Wildblumen blühen, so momentan auch im Namaqua Nationalpark. Passt gut – dieser Park liegt auf unserer geplanten Strecke an den Atlantik. Denn es ist genau zwei Monate her, dass wir das letzte Mal am Meer waren und dorthin zieht es uns nun wieder …

Die gut ausgebaute Piste schlängelt sich über Berge und durch Täler, führt steil hinauf und spektakulär am Abgrund entlang wieder in die Tiefe …  bis wir die weite Ebene jenseits der Berge erreichen, kommen wir nur langsam voran. Leider erwarten uns auch hier keine grossen Blütenteppiche, aber kleinere Flächen mit farbintensiven Blumen gibt es immer wieder und auch am Rand der Piste leuchtet es gelb, weiss, rot und orange …

Nahe Hondeklipbaai finden wir für die nächsten zwei Nächte einen wunderschönen Stellplatz bei einem vor sich hin rostenden Schiffswrack – inklusive vieler bunt blühender Pflanzen, welche im Sand der Dünen wachsen …

Wenn wir schon zur richtigen Jahreszeit in der richtigen Gegend sind möchte ich jetzt aber wirklich mal einen der berühmten Blütenteppiche sehen – weiter südlich, in Nieuwoudville, im Inland, nördlich der Cederberge …

Nach einer Fahrt durch eine weitgehend unberührte Landschaft und nachdem MANni auf 8 km Länge den 550 m hohen Vanrhyns Pass erklommen hat, finden wir neben einer kleineren Piste einen wunderbaren Platz für die Nacht. Die Gegend hier erinnert uns mit den Tannen und dem steinigen Grund ans Jura … Um zu diesem Platz zu gelangen haben wir ein Tor passiert und befinden uns somit auf einem privaten Grundstück. Zu Fuss spazieren wir zum Haus, um den Besitzer um Erlaubnis zu fragen. Wir dürfen gerne über Nacht bleiben und schnell sind wir in ein interessantes Gespräch, vor allem über die momentane politische Situation hier in Südafrika, verwickelt. Uns fällt auf, dass der Farmer, ein ehemaliger Polizist, wie er erzählt, offen an seinem Gürtel ein Halfter mit einer Pistole befestigt hat. Dies sei zu seiner Sicherheit, denn die vielen arbeitslosen und deshalb verarmten schwarzen Bürger stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar … ob wir zu unserer Sicherheit ebenfalls eine Waffe dabei haben? Nachdenklich machen wir uns auf den Rückweg zum MANni …

Am nächsten Morgen sind wir schnell im kleinen Ort – hier leuchten uns wirklich grössere orange und gelbe Felder entgegen, aber irgendwie ist das angesichts des bisher gesehenen bunten Frühlingerwachens plötzlich nicht mehr so wichtig für mich … wir überlassen die Blumenteppiche den in Reisebussen herangekarrten Touristenmassen und steuern MANni durch eine abwechslungsreiche, wellige und mit Blumen gespickte Landschaft nach Clanwilliam …

Halt, halt, nicht so schnell … auf dem Weg nach Clanwilliam legen wir bei «Traveller’s Rest» noch einen Zwischenstopp ein. Einerseits, da es hier ein gutes Beizli gibt (unter Anderem isst man hier ausgezeichnete Pizza), andererseits, weil von hier aus eine schöne Wanderung zu gut erhaltenen und zum Teil aussergewöhnlichen Felsmalereien unternommen werden kann. Natürlich geniessen wir die beiden Attraktionen dieses kleinen und feinen Fleckleins …

Seit wir in Südafrika sind, werden wir immer wieder auf unser Fahrzeug und unsere Reise angesprochen – die Südafrikaner sind interessiert und scheuen sich nicht, auf uns zuzugehen und Fragen zu stellen – diese Offenheit gefällt uns und wir geben gerne Auskunft ?. Hier beim Traveller’s Rest würden sie uns am Liebsten unseren MANni unter dem A…. weg abkaufen (es sind nicht die Ersten, die das wollen) … gerne dürfen wir ihn auch hier abstellen, wenn wir ihn nicht mehr wollen oder brauchen ? … können wir machen, könnte aber länger dauern ? …

Die Cederberge, ein von Eisenoxyd orange gefärbtes, felsiges Gebirge, benannt nach den hier heimischen, seltenen Clanwilliam-Zedern, hat einiges zu bieten: das Gebiet kann zu Fuss oder mit dem Mountainbike erkundet werden, spektakuläre Felsformationen ragen in den oft wolkenverhangenen Himmel, Felsmalereien können bewundert werden und das höchstgelegene Weingut im Western Cape auf gut 1000 m Höhe lädt zum Verkosten der edlen Tropfen ein …

Schwer zu erraten – letzteres ist für uns natürlich ein Muss und wir werden nicht enttäuscht … der Chenin Blanc, im Eichenfass ausgebaut, mundet ganz hervorragend … eine der drei gekauften Flaschen wird wenige Tage später an meinem Geburtstag geopfert …

Nach einer extrem kalten Nacht auf dem nahegelegenen Camping, während der die Aussentemperatur gegen 0°C fällt, machen wir uns zum «Malteserkreuz» auf, eine kürzere Wanderung zu einem der speziellen Felsformationen. Steil geht es den Berg hinauf und schon bald merken wir, dass es nicht schaden würde, etwas mehr für unsere Kondition zu unternehmen … alles in allem sind wir aber doch erstaunt, dass wir nicht noch mehr ausser Atem geraten und uns am nächsten Tag ohne schmerzende Beinmuskeln bewegen können ? … Die Vegetation auf dieser Höhe und zu dieser Jahreszeit kann mit dem Bergfrühling in den Alpen verglichen werden – immer wieder erspähen wir einen blühenden Busch, eine kleine Blume, auf der die Wassertropfen in den wenigen Sonnenstrahlen wie Diamanten glitzern – aber auch der fröhlich über die Steine plätschernde Bergbach mit kristallklarem Wasser oder das filigrane, mit Tautropfen übersäte Spinnennetz in der Felsritze zieht unseren Blick auf sich und erinnert uns an unsere Heimat … Nach gut drei Stunden sind wir, trotz der kühlen und feuchten Witterung (immer wieder nieselt es aus den tiefhängenden Wolken), wieder bei unserem auf uns wartenden MANni und verlassen diesen schönen Fleck Erde auf demselben Weg, den wir gestern schon gekommen sind …

Und wieder ruft das grosse Wasser – wir möchten in den nächsten Tagen gemütlich entlang der Küste nach Kapstadt fahren. Dort soll MANni zwei neue Reifen sowie eine Wellnesskur erhalten – nach all den Strapazen des letzten Jahres hat er das redlich verdient ?.

Da wir schon relativ nahe bei Kapstadt sind, ist es nicht ratsam, sich irgendwo wild hinzustellen. Ausserdem hat es genügend Campingplätze und zu dieser Jahreszeit sind diese auch ziemlich leer. Wie wir jedoch feststellen müssen, ist das Sicherheitsbedürfnis von Campern unterschiedlich gross – bis jetzt sind wir noch nie auf einem Platz gestanden, der von einem hohen Metallzaun komplett umschlossen ist und nur durch ein gut bewachtes Tor erreicht werden kann …  In Lamberts Bay kommen wir in diesen zweifelhaften Genuss und fühlen uns, direkt an den Strand grenzend, wie in einem Gefängnis.

Es ist kühler geworden und an manchen Tagen weht ein kräftiger, richtig kalter Wind … die kurzen Hosen können eine Ruhepause einlegen und das langärmlige T-Shirt kommt zum Einsatz – seit wir die Schweiz im Juni verlassen haben, hatten wir tagsüber nicht mehr so kalt!

Kurz vor Kapstadt legen wir in Yzerfontein einen Tag Rast ein – es ist Wochenende. Der schöne und gepflegte Ort an der von einem weissen Sandstrand gesäumten Bucht ist wirklich einen Besuch wert – nicht nur, dass man hier am längsten Strand im Western Cape spazieren oder auf den Wellen surfen kann – ganz in der Nähe des Caravan Parks befindet sich eine Bäckerei, welche unter anderem ein supergutes Sauerteigbrot bäckt und sogar Pasteïs de Nata im Angebot hat, die kleine und feine Gebäckspezialität aus Portugal ? …

Am Mittag des 2. September erreichen wir den Aussenbezirk von Kapstadt, wo sich die Reifenfirma befindet, welche uns die neuen Reifen bestellt hat und diese nun montieren soll. Aber wo ist denn die gesuchte Firma? An der angegebenen Adresse, 20 Montreal Drive, befindet sich auf jeden Fall keine Reifenbude … also am Ende der Strasse wenden, langsam zurück … dort, in dieser Nebenstrasse, eine Reifenfirma – heisst zwar anders und ist anstatt mit Michelin mit Goodyear angeschrieben … wird demnach nicht die gesuchte sein … nochmals wenden, nochmals langsam … Fehlanzeige, die gesuchte Firma ist definitiv nicht hier! Eine gewisse Gereiztheit macht sich beim Fahrer bemerkbar und die Beifahrerin versucht mittels Maps.me und Adresse verzweifelt, den Ort doch noch zu finden, bevor irgendjemand explodiert … es muss doch irgendwo hier sein! Auch ein Telefonat in die Firma bringt nicht wirklich mehr Licht in die Sache und so beschliesse ich kurzerhand, in einer der Reifenbuden einen der Mitarbeiter um Hilfe zu bitten – prompt kann er mir genau sagen, wo wir fündig werden … nun ist alles klar – es gibt eine Montreal Drive und als Fortsetzung eine Montreal Drive Extension auf unseren Karten … die Leute hier sagen aber der gesamten Strasse einfachheitshalber Montreal Drive … die Firma ist sich offensichtlich dessen nicht bewusst, denn mit dem «falschen» Strassenamen wird sie ein Ortsunkundiger nie finden …

Ende gut, alles gut – oder doch nicht?

Endlich stehen wir vor der Firma und werden herzlich begrüsst. Kein Problem, sobald ein Mechaniker frei ist, werden unsere beiden fast zu Slicks abgefahrenen Vorderreifen gegen die vorbestellten, neuen getauscht … Zu früh gefreut – etwas zerknirscht eröffnet uns der Werkstattchef, dass die beiden Reifen, letzte Woche von ihm für uns reservierten, vom Lager weg jemand anderem verkauft worden sind … somit konnten sie heute Morgen nicht ausgeliefert werden und in ganz Südafrika gibt es momentan keine solchen Reifen mehr an Lager ☹! Die nächste Bestellung von Michelin Reifen soll Ende Oktober eintreffen und für die XZL+, welche wir benötigen, sind schon 50 Vorbestellungen pendent, obwohl nur 15 davon bei der Lieferung dabei sind … weitere Lieferungen dann ev. im Januar 2020 … Der anstelle des Michelin vorgeschlagene Pirelli findet bei Armin keine Gnade, die Qualität ist bei Weitem nicht vergleichbar … was nun???

Nicht sehr glücklich entscheiden wir uns, die noch besseren beiden Ersatzreifen auf die vorderen Räder montieren zu lassen und unsere Slicks als Ersatz mitzunehmen – wir hoffen schwer, dass wir sie nie brauchen werden … Nun wird es noch schwieriger, neue Reifen zu organisieren, denn auch die Hinteren müssen irgendwann gewechselt werden. Das heisst, in nicht allzu weiter Zukunft brauchen wir vier davon …

Nicht eben in bester Stimmung fahren wir zum nahen African Overlanders Camp – und auch dieses mag uns nicht aufzuheitern – ein mit eingestellten und/oder zum Verschiffen wartenden Reisemobilen und Allradfahrzeugen vollgestopfter Hof, ein paar kleine Häuser und dahinter einige nicht allzu grosse Rasenflächen, welche als Campingsites herhalten. Das ganze umgeben von einem nicht eben vertrauenswürdig scheinenden Zaun und mit Blick auf eines der wuchernden Townships von Kapstadt … na ja, obwohl wir nicht heikel sind und keine Luxuscamps brauchen und/oder erwarten – das hier erscheint uns doch gar unfreundlich, aber für eine Nacht geht es … vielleicht trägt aber auch unser Befinden dazu bei, dass wir es nicht eben begeistert sind … Freundlich sind hingegen Eli und Duncan, die Besitzer des Camps. Duncan macht seine Geschäfte mit dem Verschiffen von Fahrzeugen und Ersatzteilen … eventuell sind wir mal froh um seine Hilfe.

Am Dienstag beginnen MANni’s Wellnesstage – zwei davon braucht es, bis alles kontrolliert, er äusserlich wieder grau und glänzend ist und seine Öle und die diversen Filter gewechselt sind … netterweise dürfen wir auf dem Firmengelände übernachten und sind deshalb gut bewacht ?.

Technisch ist alles in Ordnung (ausser den Reifen) – gerne hätten wir dies auch schriftlich bestätigt. Da MAN keine eigene Bremsprüfanlage besitzt, werden wir kurzerhand zur DEKRA, einer staatlichen Prüfstelle, geleitet – nun haben wir die Bestätigung, dass MANni gut in Schwung und für die nächsten Abenteuer gerüstet ist ? …

I-Overlander – das App ist immer wieder für einen guten Tipp zu gebrauchen. Auch wenn es etwas komisch anmutet, der bewachte Parkplatz beim Victoria Wharf Shopping Centre an der Waterfront, mitten in Kapstadt, ist ein solcher Supertipp ?! Zwar ist es hier kostenpflichtig und es liegt direkt an der Strasse zum Heliport sowie an der Einfahrt zu einem Luxushotel, aber in der Nacht wird es ruhig, niemand behelligt uns und wir können MANni tagsüber, auch am Wochenende, ohne Probleme oder ein ungutes Gefühl dort stehen lassen.

Auf dem Weg zu diesem Superplatz machen wir noch einen kleineren Umweg – das Display von Armin’s i-Pad ist schon seit Namibia, nach einem Sturz von seinen Knien, zersplittert und hier gibt es ein Geschäft, wo es vielleicht ersetzt werden kann. Wie befürchtet können wir in den kleineren Strassen nicht parkieren – wir werden es also eventuell in den nächsten Tagen mit dem Bus oder einem Taxi versuchen. Zurück auf der Hauptstrasse sehe ich in einigen hundert Metern Entfernung die Blinklichter von Polizeifahrzeugen und eine schwarz gekleidete Menschenmenge, welche sich langsam auf diese zubewegt – hier ist offensichtlich eine Demonstration im Gang und bekanntlich soll man solchen möglichst aus dem Weg gehen … Gesagt, versucht – die «Ausweichstrecke» bring uns aber schon bald genau in eine weitere Gruppe Demonstranten, welche beginnen, den Verkehr an einer Kreuzung mit einer Sitzblockade lahm zu legen … Türen verriegeln, die rote Ampel ignorieren und über das Trottoir fahren, um die auf der Strasse sitzenden Studenten nicht zu gefährden … diese merken jedoch offensichtlich, dass sie gegen unseren MANni keine Chance haben und stehen schnell wieder auf … ich muss gestehen, dass mir in der Situation doch etwas mulmig zumute ist …

Übrigens: das i-Pad kann in ganz Kapstadt nicht repariert oder ausgetauscht werden – ganz einfach, da es hier keinen einzigen Apple Shop gibt! Und die sogenannten Reseller dürfen nur neue Geräte verkaufen … schwer zu erraten, dass Armin nun zwei i-Pads sein eigen nennt ? …

Ganze vier Tage bleiben wir auf dem Parkplatz bei der Waterfront, geniessen das Ambiente und den Flair dieser wunderbaren Stadt, besuchen Robben Island, wo Nelson Mandela 18 Jahre seiner 27 Jahre der Gefangenschaft verbracht hat, nehmen den City Sightseeing Bus, fahren damit die zwei angebotenen Strecken ab, erfahren dabei viel Interessantes, spazieren durch die Waterfront, schlendern durch die Craftshops, essen fangfrischen Fisch und mehr, kosten diverse exzellente Südafrikanische Weine und geben viel zu viel Geld aus (auch dank i-Pad ?) … und am Schluss bezahlen wir anstatt der erwarteten 440 Rand Parkgebühren (110 pro 24h) nur deren 230 ? … Rabatt für Langzeitparkende?

Am Montag sehen wir am nahen Signal Hill Gleitschirme fliegen – schon bald steht MANni zwischen den vielen Autos auf dem Parkplatz und wir neben dem Startplatz … Es geht nicht lange und wir werden auf Schweizerdeutsch angesprochen – Carolina ist Schweizerin, lebt jedoch schon seit vielen Jahre in Südafrika. Sie ist Tandempilotin und besitzt mit ihrem Mann Steve zusammen eine Flugschule hier in Kapstadt. Somit verbringen wir, unterbrochen durch einige Flüge, welche sie absolviert, einen netten und kurzweiligen Tag und erhalten gute Tipps, bei wem wir uns melden können, so dass wir eventuell schon bald wieder einmal den Boden unter den Füssen verlieren werden … Ausserdem schenkt sie uns zwei weitere Maskottchen – zwei aus alten Getränkebüchsen gefertigte Gleitschirme – einen Soloschirm, welcher von seiner Pilotin Carolina ab sofort den im Fahrerhaus auftretenden Turbulenzen trotzt und einen Tandemschirm, pilotiert von Adam mit seiner Passagierin Eva, welche mit unserem Hugo im Aufbau um die Wette fliegen ?… nochmals ganz herzlichen Dank!

Kapstadt hat uns fasziniert und nach Porto in Europa und Fes im arabischen Raum ist es ab sofort unsere Lieblingsstadt in Afrika ?! Dieses Highlight beenden wir hoch über dem Häusermeer – nicht auf dem Tafelberg, sondern an seiner Flanke, auf halber Höhe. In einer Parkbucht an der Tafelberg Road finden wir einen ruhigen Stellplatz mit wunderschöner Sicht auf die in der Dunkelheit glitzernden Lichter unter uns ?.

Und wer nun meint, nur wer auf dem Tafelberg war, hat Kapstadt wirklich besucht, der irrt sich – wir haben diese Stadt auch ohne dieses Touristenhighlight voll und ganz erlebt und genossen und diese Tage werden in unserer Erinnerung unvergesslich bleiben – auch ohne «Top of Cape Town»!

Ja, wohin geht man denn, wenn man schon mal hier ist? Blöde Frage – natürlich ans Kap der guten Hoffnung ?! Und genau das machen wir auch – natürlich nehmen wir den Weg über die spektakuläre Strasse über den Chapman’s Peak – nicht eben billig mit MANni, aber es hat sich gelohnt.

Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem er die Schweiz verlassen hat, steht MANni am südwestlichsten Punkt von Afrika – das erste ganz grosse Ziel ist erreicht ?, hipp, hipp hurra!!! Nun fehlt nur noch der südlichste Punkt, das Kap Agulhas … dann haben wir den gesamten Kontinent, nicht ganz vom nördlichsten Punkt, jedoch von einem der nördlichsten Länder, bis zum südlichsten Ende durchfahren ?!

Schon an den östlichen Stränden von Kapstadt ist uns aufgefallen, dass sich die Farbe des Meeres geändert, respektive das Meer in Ufernähe flacher sein muss – an manchen Buchten ist das Wasser bis weit hinaus wunderbar türkisfarben … genauso wie auf der Ostseite der Kaphalbinsel, wo weisse Sandstrände und das seichte Wasser zum Baden einladen … beinahe Karibikstimmung! Keine Ahnung, ob das Wasser auch so warm ist wie in der Karibik, wir haben es nicht versucht … die Luft ist es aber definitiv nicht!

Heute, am 12. September 2019 ist es genau ein Jahr her, dass wir zu unserem dritten Versuch, Afrika overland zu erfahren, aufgebrochen sind. Wir stehen auf der Campingwiese eines von Deutschen geführten Guesthouses in der Nähe von Stellenbosch, in der Nacht hat es zu regnen begonnen, es ist windig und kühl … es ist übrigens der erste Regen seit wir wieder in Afrika sind.

Auf dem Weg vom Kap hierhin haben wir noch den Afrikanischen Pinguinen bei Boulders Beach einen Besuch abgestattet (auch wir kommen manchmal nicht um die touristischen Highlights herum ?) und in den nächsten Tagen möchten wir noch das eine oder andere Weingut besuchen … Prost!

 

 

Goodby, rafiki yetu! Kwaheri kwa sasa …

 

Gesamtstrecke: 2266.87 km

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