Weltreise

Marokko Reise 2016

Eine Reise nach Marokko wird bereits geplant und wird im Sommer, Herbst 2016 stattfinden. MANni wird dann zum ersten Mal richtig Sand unter seine Räder kriegen und wir müssen uns bestimmt auch daran gewöhnen. 🙂 Aber es wird sicher interessant und spannend.

16.05.2016 Der Herbst rückt immer näher und die Vorbereitungen werden intensiviert.
5. September 2016

Marokko – nur schon dieser Name weckt die Sehnsucht nach Sonne, Wärme, unbekannten Gebirgen, weiten Wüsten, Sand, geheimnisvollen Städten und kulturellen Höhepunkten in einem unbekannten Land! In uns weckt dieser Name noch eine weitere Sehnsucht: dieses Land, in Sichtweite der südlichen Spitze Europas, gilt als Eintrittstor nach Afrika, dem Kontinent, den wir ab Sommer 2017 mit MANni intensiv und über längere Zeit bereisen möchten. Diese Reise nach Marokko sehen wir als Generalprobe für unsere weiteren Entscheidungen in Sachen Ausrüstung, Anpassung an unbekannte Kulturen und Umgang mit unbekannten Situationen.  Ausserdem werden wir unsere fahrerischen Fähigkeiten verbessern können und werden Erfahrungen mit Pisten, Wellblech und Sand sammeln. Und wer weiss, vielleicht kommen auch die schaufeln und Sandbleche zu ihrem ersten Einsatz ;-)?

Während und nach diesen Wochen werden wir uns dann definitiv entscheiden, ob wir unseren Plan, den afrikanischen Kontinent auf der Westroute von Nord nach Süd zu durchfahren, auch weiterhin verfolgen oder ob wir einem Alternativplan den Vorrang geben müssen.
Die Vorbereitungen für dieses Abenteuer laufen schon seit etlichen Wochen auf Hochtouren, die Zeit zerrinnt wie Eis an der Sommersonne (oder gar noch schneller) und am 9. September nehmen wir die Fahrt in Richtung Süden unter die Räder und kurven mit MANni über das Wallis nach Ligurien und von da der Küste entlang nach Spanien. Wie wir es schaffen sollen, bis dann noch alles im Haus und im Garten zu erledigen, die notwendigen Anweisungen dafür den entsprechenden Personen zu vermitteln, alles nötige zu packen und zu verstauen, die Moskitonetze und Sonnenabdeckungen der Dachluken fertig zu nähen und und und … weiss ich noch nicht, aber irgendwie geht es immer!

Und damit ich nicht noch mehr Zeit mit dem Schreiben dieses Blogs verliere, müssen diese Zeilen für dieses Mal reichen. Wir werden versuchen, uns bis zu unserer Rückkehr im November regelmässig hier zu melden und unsere interessantesten, spannendsten, lustigsten und auch frustrierendsten Momente und Erlebnisse mit dem interessierten Publikum zu teilen.

In dem Sinn bis bald und geniesst den momentan zwar regnerischen, aber hoffentlich schon bald wieder sonnigen und warmen Spätsommer!

Auf dem Weg nach Marokko, 9. – 18. September 2016

Seit einer Woche sind wir nun unterwegs, Zeit, uns auf dem Blog mal zu melden.

Am Freitag, dem 9.9. fahren wir kurz nach dem Mittag in Aeugst ab, und zwar in Richtung Wallis. Ja, richtig, wir wollen uns noch ein letztes Mal in unserer “Stammbeiz”, der Gommerstuba in Niederernen, verwöhnen lassen und uns von dem uns lieb gewonnenen Wirtepaar verabschieden. Was uns ganz besonders freut ist, dass Martin und Sabrina mit den beiden Kindern Joel und Elina auch da sind und wir unsere beiden Enkel noch einmal sehen, bevor es für 10 Wochen ab in die Ferne geht!

Am Samstag dann der richtige Start – über die italienischen und französischen Westalpen resp. einige deren Pässe kurven wir langsam, aber sicher in Richtung Spanien. Unterwegs finden wir den einen oder anderen schönen und einsamen Übernachtungsplatz, dann sind wir wieder in guter Gesellschaft anderer fahrbarer Untersätze und deren Passagieren.

 

Col de l’Iseran

Der schönste Platz unterwegs ist sicherlich derjenige kurz nach der spanischen Grenze, welche wir am  Dienstag erreichen. Wie so oft suchen wir auf der Strassenkarte nach kleineren, abgelegenen Strassen, welche in die Berge oder an einen See führen, wo die Chance, einen Stellplatz zu finden, nach unserer Erfahrung recht gut ist. So auch hier, ein etwas von der Autobahn entfernter Stausee. Eine enge, kurvenreiche Strasse führt durch den Wald in Richtung See, hier finden wir sicher keinen geeigneten Platz. Dann sehen wir aber einen Weg links abzweigen, über einen Teerabbruch, welcher mit Steinen zum besseren Befahren aufgefüllt ist, danach eine sandige Piste, die direkt zum resp. in den nur halb gefüllten See führt. Unser Platz! Laut Karte mitten in einem Stausee. Und als besonderer Leckerbissen, v.a. für Penny, können wir hier auch noch baden! Was wollen wir noch mehr?

Pantà de Boadella

Die nächsten 3 Tage sind reine Fahrtage, wir möchten uns nicht allzu lange aufhalten, sondern recht zügig bis nach Andalusien gelangen. Und so bleibt Barcelona wieder einmal rechts liegen – na ja, dieses Mal eigentlich nicht ganz: wir fahren auf der “Ronda Litoral del Porto”, oft durch Tunnels, am Meer entlang durch die Stadt. Kurz hatten wir in Betracht gezogen, MANni ausserhalb auf einem Campingplatz abzustellen und der Stadt doch noch endlich unsere Aufwartung zu machen, aber eben … es zieht uns nach Süden und aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Somit haben wir noch eine Destination, welche wir dann nach unserer Rückkehr von der Weltreise besuchen können!

Am Freitag, genau eine Woche nach unserem Aufbruch, haben wir unser erstes Etappenziel erreicht, das Naturschutzgebiet “Cabo de Gata” in Andalusien. Hier waren wir schon während unseren beiden Spanienreisen 2009 und 2013 und es ist ein Gebiet, in das wir uns schon fast ein wenig verliebt haben. Die Gegend ist eine Halbwüste, es ist sehr trocken, aber so trocken und staubig wie dieses Jahr hatte ich es nicht in Erinnerung. Vielleicht liegt es daran, dass wir dieses Mal einen Monat früher hier sind?

Leider (oder zum Glück?) ist auch hier die Zeit nicht stehen geblieben. Wo wir vor 7 Jahren  mit unserem Hymer direkt am Strand stehen konnten, ist die Zufahrt nun abgeriegelt und eine Tafel verbietet das Campieren. Na ja, früher waren hier so viele Wohnmobile und VW-Busse, dass wir damals in der 2. Reihe stehen mussten. Also doch eine nicht so schlechte Entwicklung, zumal es hier ein Schutzgebiet ist?

Wir entschliessen uns, an einen Strand zu fahren, wo wir bei unseren beiden Besuchen immer für mindestens 2 Nächte stehen konnten und wo wir wissen, dass es im nahe gelegenen Dorf guten und frischen Fisch zu essen gibt. Aber so weit kommen wir nicht, unterwegs winkt der Wegweiser zum “Playa de Playazo”, hier hat es uns früher auch gut gefallen. Uns so stehen wir nun auch heute Sonntag noch hier und geniessen die Sonne, das Meer, etwas Ferienstimmung … auf die lästigen Quallen, auch wenn es nicht so viele sind wie vor 3 Jahren, könnten wir aber gerne verzichten!

Nachdem sich der Strand am Samstagabend geleert hat und es schon dunkel wird, geniessen wir dann noch ein Candellightdinner auf dem sandigen Sitzplatz vor MANni. Und können von hier aus einem für uns seltenen Schauspiel zuschauen: der Vollmond steigt innerhalb von ca. 2 Minuten aus dem Meer auf und zieht ein goldig glitzerndes Band bis an den Strand. So romantisch ist ein Tag selten zu Ende gegangen!

Fast Vollmond am Strand

Auf dem Weg nach Marokko, 18. – 25. September 2016

Der Sonntag ist mit lesen, blogschreiben (der letzte Blog ist dann entstanden und online gegangen) sowie mit dem Fotografieren einiger Seiten eines von einem an unserem MANni interessierten spanischen Paar mit Wohnmobil ausgeliehenen Campingführers von Marokko schnell vorbei. Bevor wir dieses schöne und gemütliche Flecklein Erde verlassen, wird am Nachmittag noch ein kurzes Bad im Meer genossen. Und erfreulicherweise sichten wir nur 2 Quallen und haben keine schmerzhaften Begegnungen mit diesen Viecher, wie es am Samstag vor allem Armin gehabt hat!

Am späteren Nachmittag dislozieren wir an den übernächsten Strand, La Isleta, an denjenigen, welcher wir schon vor 2 Tagen anfahren wollten. Hier freuen wir uns auf das uns schon bekannte Restaurant mit dem guten Fisch, den wir am Abend auf der Terrasse direkt am Meer geniessen. Endlich mal nicht selber kochen, herrlich!

Nun wird sich vielleicht mancher fragen, warum ein kleiner, nicht allzu attraktiver Strand, dann noch neben einem Dorf gelegen, gut von “Weissware” besucht, zu unseren Lieblingsstränden gehört. Wir, die ja sonst lieber für uns alleine, an einsamen, nur für 4×4 zugänglichen Stellen stehen. Es gibt hier zwei gute Gründe: erstens das schon erwähnte, vorzügliche Fischrestaurant, dann aber noch die an einem Ende des Strandes eingelassene Süsswasserdusche, wo sich nicht nur das Salzwasser abspülen, sondern auch bei spärlicher Besetzung der Liegefläche durch sonnenhungrige Spanier und Touristen daneben der sich angesammelte Dreck aus den Poren und den Haaren waschen lässt!

Dieses Mal hat dieser Strand noch einen nicht unwesentlichen Vorteil gegenüber dem letzten: ES HAT HIER KEINE QUALLEN!!!

La Isleta

Auch hier bleiben wir für 2 Nächte, uns der Gefahr bewusst, dass wir wie schon vor 3 Jahren am Montagabend von der Parkwache verscheucht werden könnten! Wohin in einem solchen Fall, wissen wir unterdessen, also nur kein Stress. Am Nachmittag fährt die Guardia Civil langsam von einem WoMo zum andern, ein Spanier kommt bei allen vorbei und verteilt das Flugblatt eines neuen, nahe gelegenen Stallplatzes und einigen scheint dies schon zu verdächtig zu sein, sie räumen freiwillig das Feld. Aber es bleibt heute ruhig, niemand wird des Platzes verwiesen und wir geniessen den weiteren schönen Abend.

Am Dienstag machen wir uns wieder auf die Räder, unser nächstes Etappenziel ist Algodonales auf der westlichen Seite Andalusiens, wo wir vor 7 Jahren schon waren und unsere Gleitschirme ausgelüftet hatten. Da uns die Landschaft in den Alpujarras, den südlichen Ausläufern der Sierra Nevada, so gut gefallen hat, nehmen wir nicht die direkte Route über Malaga und Ronda, sondern eine weiter nördliche. Und auch hier, vieles kennen wir schon, an manchen Orten heisst es “weisch no …”, oder eben auch einmal: “weisch no, i dem Dorf det sind mer doch fascht stecke blibe mit em Hymer”!

Hier dem unwissendem Leser die Vorgeschichte dazu: als wir das erste Mal in Spanien unterwegs waren, suchten wir an einem Nachmittag wieder einmal einen Übernachtungsplatz, mit dem Hymer manchmal doch etwas schwieriger zu bewerkstelligen als mit MANni. Eine verlockende und vielversprechende Schotterstrasse biegt irgendwo in die Berge ab, also versuchten wir es. Nach ein paar wenigen Kilometern wurde es leider zu steil und steinig für unser Wohnmobil und wir entschlossen uns, doch lieber zu wenden und unser Glück woanders zu versuchen. Halbwegs wieder unten auf der Teerstrasse kam an einer Pistenkreuzung ein Auto von links, also dort hinunter, eine Abkürzung, dann stossen wir sicher auch wieder auf die Strasse … ja, das dann schon, aber dazwischen liegt ein andalusisches weisses Dorf, malerisch an den Hang geklebt mit engen, verwinkelten Gassen! Und hier passt unser Hymer grade mal eben zwischen den Häusern hindurch, bis wir uns an einem Platz befinden, wo eine Betonstrasse spitzwinklig und steil nach rechts hinten weiter ins Dorf hinunter taucht! Also mal aussteigen und sich unter den neugierigen Blicken der Dorfbewohner schlau machen, ob es hier weitergeht … denn wenden oder rückwärts wieder zum Dorf heraus – keine Chance! Die nach unten führende Gasse wird nach 2 Kurven etwas breiter, uns bleibt nicht viel anderes übrig, als es zu versuchen. Zum Glück erreichen wir nach wenigen hundert Metern die Strasse und können aufatmen! Gerade mal gut gegangen! Fazit der Geschichte: nimm nie eine sich anbietende Abkürzung, wenn du nicht schon zuvor dort durchgefahren bist und weisst, dass es passt!!!

Warum habe ich jetzt diese Episode so ausführlich beschrieben? Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahren wir mit MANni eben in der Nähe des besagten Dorfes wieder über eine Schotterpiste in die Bergwelt hinein. Weit oben werden wir fündig und stellen uns neben die Piste, welche fast nicht befahren ist, an eine ebene Stell und geniessen den ruhigen Abend und die schöne Aussicht, natürlich nicht ohne die beschriebene Geschichte Revue passieren zu lassen!

Las Alpujarras / Sierra Nevada

Am Morgen zeigt uns unser gescheites Laptop, dass wir nicht wieder dieselbe Strecke zurückfahren müssen, sondern weiter am Hang entlang über die Bergstrasse hoppeln können und so irgendwann dann die Teerstrasse erreichen. Und wo ist das wohl? Natürlich genau an der Stelle, wo wir es damals mit dem Hymer versucht haben. Aber dieses Mal biegen wir wohlweislich nicht an besagter Kreuzung ab, warum wohl nicht ;-)? Fazit dieses Mal: wenn du von einer nicht zu befahrender Engstelle weisst, umfahre diese grossräumig!

Dass dies unsere Testreise ist, ist allen, die uns kennen, schon längstens bekannt. Und wirklich, es gibt einiges, welches wir, wenn wir wieder zu Hause sind, reparieren resp. überarbeiten müssen. So auch unser Kühlschrank: schon in den ersten Tagen dieser Reise hat er immer wieder seinen Dienst aufgegeben, Armin konnte ihn aber immer wieder kurzfristig zum Laufen bringen. Nun wurde es ihm aber zu blöd, jedes Mal nach einer Holperfahrt am Stecker rütteln zu müssen. Also mal schauen, ob sich das nicht dauerhafter reparieren lässt. Also am Boden liegend, im engen Raum, wo der Kompressor ist, den Stecker ausbauen, anschauen, die Kontakte richten, wieder einbauen – und siehe da, seit dann schnurrt das Ding wieder wie neu! Zu Hause muss dies jedoch nochmals gerichtet werden, damit es auch wirklich keine Probleme mehr macht.

An den diversen Treffen, welche wir in den letzten beiden Jahren besucht haben, haben mir die erfahrenen weltreisenden Hausfrauen immer wieder gesagt, dass es enorm wichtig ist, die eigene elektrisch betriebene Waschmaschine dabei zu haben. Für eine solche habe ich aber im MANni erstens keinen Platz, zweitens braucht mir eine solche zu viel kostbares Wasser und überhaupt, die Wäsche wird auch auf ökologischere Weise sauber. Aber trotzdem, eine Waschmaschine haben auch wir dabei (nein, ich meine nicht meine Hände, obwohl, auch diese kommen immer wieder zum Einsatz). Wir haben unsere blaue, mechanisch betrieben Waschmaschine, in der die Wäsche mit wenig Wasser, etwas Waschmittel, Sonnenenergie und der nicht zu vermeidenden Schüttlerei auf den spanischen Strassen und Pisten ebenso sauber gewaschen wird! Des Rätsels Lösung: wir haben uns ein kleines, festes, blaues, 30 l fassendes, dicht verschliessbares Plastikfass gekauft, welches bei Bedarf mit den nötigen Utensilien bestückt und verschlossen wird. Am Morgen eines Fahrtages wird es einfach vorne bei der Abschrägung des Koffers hinter dem verlängerten Luftansaugstutzen fest verzurrt und bis am Nachmittag ist alles sauber. Dann noch ausspülen (zugegeben, auch dies braucht Wasser und muss von Hand gemacht werden) und im Wind aufhängen … und schon ist auch der ökologische Trockner vorhanden!

Abendstimmung am See

Die weiteren Tage sind, wie so oft hier in Andalusien, von der abwechslungsreichen Landschaft geprägt und einmal sehen wir eine doch eher selten anzunehmende Naturerscheinung: das Meer ist bis auf wenige hundert Meter landeinwärts trotz strahlendem Sonnenschein unter einer dicken Nebeldecke verborgen!

Die vielen Stauseen hier sind alle nur halb gefüllt und durch das sedimentreiche, lehmhaltige Wasser leuchten sie schon von weitem in einem hellen türkisblau, wunderschön.

Türkisfarbenes Wasser

In Algodonales kommen wir am Donnerstagabend an, wir finden den Weg zum Startplatz aber nicht mehr, wo wir uns eigentlich hinstellen wollten. Also bleiben wir an einem der hier überall anzutreffenden öffentlichen Grillstellen stehen und können, da es hier nicht sehr windig ist, endlich einmal unseren Grill auspacken.

Am Freitagmorgen begeben wir uns zur “Flaniermeile” im Dorf da wir wissen, dass Gerhard, der hier ansässige deutsche Flugführer, jeden Morgen hier sein Frühstück nimmt und den Gleitschirmpiloten das Wetter, den Wind und das geplante Fluggebiet erläutert. Und er kann unseren Gedächtnissen auf die Sprünge helfen, so dass wir heute die staubige, steile und enge Piste, auf der uns die manchmal weit hinunter hängenden Ästen der unzähligen Steineichen das Durchkommen fast nicht zulassen, auf Anhieb finden. Und so verbringen wir einen einsamen und aussichtsreichen Nachmittag und eine fast ganz ruhige Nacht beim obersten Startplatz. Wenn nur nicht die zeitweise munter herumrennenden und kratzenden Mäuse auf MANnis Dach wären 😉 … Und wer nicht erraten kann, was das auf dem Dach denn wirklich war, erfährt es das nächste Mal.

Algodonales

Am Samstag verabschieden wir uns auch von hier und fahren wieder ans Meer, dieses Mal an den Atlantik. In Jerez wollen wir nochmals für das Wochenende einkaufen, sonderbarerweise ist aber alles zu. Erst in der nächsten Ortschaft haben die Läden geöffnet und so wie es uns erscheint, ist auch ganz Jerez hier!

Hier an der stark überbauten Costa del Luz ist es nicht so einfach, einen Stellplatz zu finden. Aber überraschenderweise und mit Hilfe unseres Laptops finden wir schon bald einen öffentlichen Parkplatz gleich neben dem Strand, wo das Campieren nicht per Schild verboten ist und wo wir uns wieder einmal in guter Gesellschaft hinstellen. Hier verbringen wir auch den Sonntag mit abschliessenden Vorbereitungen für die Überfahrt nach Marokko.

Auf dem Weg nach und die ersten Tage in Marokko, 26.Sep. – 07. Okt.

Chères amies et chèrs amis

(ich hoffe das stimmt so, mein Schulfranzösisch lässt zu wünschen übrig…)

nun sind wir schon seit 10 Tagen in Marokko und staunen immer wieder über die so andere und oft beschwerliche Art, wie die Menschen hier leben, die Gastfreundschaft und die grandiosen Landschaften. Ich auf jeden Fall bin begeistert von diesem Land und fühle mich absolut sicher und als Gast respektiert. Aber alles der Reihe nach und bitte etwas ausführlicher:

Zuerst die Lösung des Rätsels vom letzten Blog, die Mäuse auf MANni’s Dach (welche uns übrigens, wenn auch nach einer Inspektion weniger zahlreich, noch weiter begleitet haben): da wir ja an dem besagten Tag durch Eichenwälder zum Startplatz in Algodonales gefahren sind, waren es natürlich – Eicheln! Diese sind im Wind auf dem Dach herumgekullert und haben echt wie Mäuse getönt! Auch jetzt sind ein paar oben, dieses Mal jedoch marokkanische.

Marokkanische “Mäuse”

Nun aber zurück zum zeitlich korrekten Ablauf unserer Reise. Wieder einmal ist es Mittag, bis wir alles in und um MANni erledigt haben und von unserem Stellplatz oberhalb des Atlantikstrandes wegkommen. Unser heutiges Ziel ist Algeciras. Wir haben uns entgegen unserem ursprünglichen Plan, von Tarifa nach Ceuta, der spanischen Enklave, überzusetzen, entschlossen, von Algeciras nach Tager Med. zu verschiffen. So können unsere persönlichen Zollangelegenheiten an Bord erledigt werden und wir müssen nur noch die zeitlich begrenzte Einfuhr von MANni an Land erledigen, was Zeit sparen soll.

Unterwegs nach Algeciras machen wir in Tarifa einen kurzen Zwischenhalt. Hier hat vor wenigen Jahren ein neuer Entsorgungsplatz für Wohnmobile eröffnet, welcher aber komischerweise nicht ausgeschildert ist. Suchen und finden muss Mann oder Frau ihn im Internet! Gegen eine geringe Gebühr entsorgen wir den Inhalt unserer beiden Abwassertanks und füllen noch den angebrauchten Frischwassertank. Dann geht es weiter, um die südlichste Spitze von Europa, in Richtung Algeciras und Gibraltar. Dieser zu England gehörende Fels an der Südspitze Spaniens gibt sich heute ganz Britisch: er hat einen grossen Wolkenhut auf, Spanien liegt im Sonnenschein!

Very british: Gibraltar

Algeciras umfahren wir auf der Autovia, denn in einem Vorort soll eine Agentur sein, wo man günstig Fährtickets kaufen kann. Dank Navi finden wir diese auf Anhieb und können wirklich ein Rückfahrbillet für MANni und uns beide für sagenhafte 200 Euro kaufen. Im Internet war der billigste Preis fast 400 Euro! Und obendrein gibt es auch noch eine kleine Tüte mit einer Flasche vino tinto und einen Cake als Geschenk!!! Wir erhalten die Erlaubnis, resp. uns wird angeboten, einfachheitshalber direkt vor der Agentur, welche an einer wenig befahrenen Seitenstrasse eines Industriegebiets liegt, für die Nacht stehen zu bleiben. Wir sind nicht die Einzigen, zwei französische Wohnmobile gesellen sich noch dazu. Dann machen wir noch letzte Einkäufe im um die Ecke liegenden Supermarkt und sind nun gerüstet, am Dienstag die Überfahrt nach Afrika unter die Räder oder eher unter den Kiel in Angriff zu nehmen.

Früh sind wir am Dienstag unterwegs. Obwohl es nur ca. 20 Minuten zum Fährhafen sein sollen, möchten wir sicher sein, dass wir rechtzeitig für die 10-Uhr Fähre am richtigen Ort sind. Wir wissen ja nicht, wie kompliziert es zugeht und wie viele Fahrzeuge ebenfalls auf dieses Schiff möchten. Schon um 7 Uhr ist Tagwache und um 8 Uhr sind wir unterwegs. Aber wie sich zeigt, die Zufahrt ist wirklich klar ausgeschildert und es sind nur wenige, welche ebenfalls nach Marokko möchten. Wir warten und kurz vor 10 Uhr kommt so langsam etwas Bewegung auf. Schon bald ist MANni sicher im Bauch des Schiffes untergebracht, wir begeben uns an Deck. Lange kann es nicht mehr dauern, bis wir ablegen und wir möchte die Abfahrt von Europa doch live miterleben. Aber eben, wir sind ja unterwegs nach Afrika und dort ticken die Uhren eben anders (wie übrigens hier in Südeuropa auch schon, nur nicht ganz sooo laaangsaaam ;-)). Es wird dann doch fast 11 Uhr, bis endlich die Dieselgeneratoren das Schiff zum Zittern bringen und wir ablegen – Marokko wir kommen!

MANni im Bauch der Fähre

Die Überfahrt ist ruhig und unterwegs können wir unsere Pässe abstempeln lassen und erhalten unsere Registriernummern für Marokko. Nach ca. der halben Strecke kommt die Küste von Marokko in Sicht und schon nach 1 1/2 Stunden legen wir in Tanger Med. an. Nun muss nur noch MANni registriert werden, soll ja ganz einfach sein. Na ja, kompliziert ist es nicht wirklich, es braucht aber eben etwas Geduld und Zeit… Zuerst einmal die fehlenden Angaben auf dem Zollpapier von MANni ergänzen (welches uns von der Agentur in Algeciras ausgefüllt wurde, gehört zum Service), dann zurück zur Polizei, welche zum Glück nur ca. 100 Meter weit weg ist, meine Registriernummer bestätigen lassen (da MANni auf meinen Namen eingelöst ist, muss ich ihn ein- und auch wieder ausführen). Zurück zum Zoll, alles o.k., und dann mal warten, bis wir an der Reihe sind mit der Kontrolle. Denn obwohl mehrere Beamte hier herumstehen, ist nur einer für die Kontrolle aller ankommenden Fahrzeuge zuständig. Und wenn man dann erst der 4. in der Reihe ist, kann das, je nach Gründlichkeit des besagten Beamten, eben dauern…

Unterdessen komme ich etwas ins Plaudern mit zwei offensichtlich höher gestellten Zollbeamten, welche von mir wissen wollen, ob wir kein Motorrad oder ein Quad oder gar eine Waffe dabei haben? Nein, haben wir alles nicht und wenn wir wirklich eine Waffe dabei hätten, würde ich es ihnen sicher nicht sagen, scherze ich. Keine Reaktion, es geht also wirklich eher locker zu und her. Einer der beiden meint noch, dass sie unseren Truck gut gebrauchen könnten- “Da sind Sie nicht die Ersten, welche das sagen” meine Antwort. Dann sind wir an der Reihe, der kontrollierende Zöllner hat Zeit für uns, wir gehen zu MANni und Armin hinüber – kein Motorrad dabei, keine Waffen? Nein, nichts davon… Begutachtung von aussen, kurz in den Aufbau schauen – “Das ist ja ein Hotel!” -, einige Schubladen, der Kühlschrank, die Türen zur Dusche und zum WC werden geöffnet – kurz das Fahrerhaus inspiziert – alles o.k., wir können weiter. Dies alles hat nur ca. drei Minuten gedauert, nach einer Wartezeit von dreissig Minuten! Afrika eben!

Da es hier in Marokko erst Mittag ist (Schweizer Zeit minus 1 Stunde), möchten wir noch ein Stück fahren, uns etwas an die Verhältnisse auf der Strasse zu gewöhnen und dann einen schönen Platz für die Nacht suchen. Kurz gesagt: es geht, vor Allem in den Städten, sehr afrikanisch zu, jeder fährt da, wo es gerade Platz zum Durchkommen hat, es ist ein Gewusel von Autos, Rollern und Velos auf der Strasse und die Leute laufen auf und über die Strasse, wie es gerade kommt! Hier heisst es aufpassen, besonders mit einem Vehikel wie unserem! Und da die Beschilderung und die Wegweiser nicht ganz so gut sind, wie wir verwöhnten Europäer es uns gewöhnt sind, kommen wir in Tetouan auch prompt von der korrekten Routenführung ab und landen in ziemlich engen Gassen, welche alle in Richtung der Medina (so werden die alten Stadtteile genannt) verlaufen, vollgeparkt mit Autos … wie geht das schon wieder, mit dem grossräumigen Umfahren von Engstellen? Glücklicherweise finden wir die Hauptroute wieder und fahren weiter nach Süden, hinein ins Rifgebirge. Hier ist das grösste Anbaugebiet für Cannabis in Afrika und als Tourist soll man hier vorsichtig sein, kein Hasch kaufen und sich nicht als Drogenkurier anstellen lassen!

Wir biegen von der Hauptstrasse ab und kurven auf einer kleinen, schmalen Strasse in die Berge auf der Suche nach einem netten Übernachtungsplatz. Doch die Strasse ist nach wenigen Kilometern nicht mehr da – die Brücke über den kleinen Fluss ist einfach weggeschwemmt worden. Und hier kann sich MANni zum ersten Mal behaupten – auf Geröll steil hinunter, um eine wirklich enge Spitzkehre, zurück in Fahrtrichtung, durch den Fluss und wieder steil hinauf auf die Strasse. Wir sind unsicher, ob wir die scharfe Kurve meistern können, aber ein uns voraus fahrender LKW-Chauffeur zeigt Armin, wie weit hinaus er fahren kann und so meistern wir diese erste Herausforderung bravurös! Was wir nicht so schmerzlos meistern, ist die Suche nach einem, auch nur so kleinen Platz, wo wir MANni hinstellen können! Hier in Nordmarokko hat es einfach keine freien Plätze neben der Strasse, wo man sich hinstellen könnte. Und wenn ja, dann sicher gerade neben einem Dorf und jeder noch so kleine Feldweg führt zu einem Haus. Endlich, nach etlichen Kilometern, ein freier Platz neben der Strasse, wo wir uns hinstellen können! Wir merken, so einfach, wie wir es uns meistens gewohnt sind, wird es hier nicht mit einem Übernachtungsplatz werden!

Weggeschwemmte Strasse

Am nächsten Tag fahren wir gemütlich durch das Rifgebirge, ohne dass wir von den ach so berüchtigten Drogendealern belästigt werden. Wir besichtigen die Medina von Chefchaouen, ganz in Blautönen gehalten, eine der schönsten im Land, eine Hochburg des Haschverkaufs, wo wir aber nur wenige Male, fast im Flüsterton, wegen “good haschisch!” angesprochen werden. Und auch heute ist es schwierig, einen geeigneten Stellplatz zu finden. Erst als es schon fast ganz dunkel ist, stelle ich MANni einfach auf ein kleines, ebenes Plätzchen direkt neben die Strasse. Da es eine Nebenstrasse ist und es wenig Verkehr hat, wird es hoffentlich nicht allzu unruhig werden: aber weiterfahren bei Dunkelheit, mit schlecht beleuchtetem Gegenverkehr und gänzlich unbeleuchteten Fussgängern und Eselfuhren auf der Strasse wird mir zu gefährlich! Welcome in Africa!

Nun haben wir beide unsere ersten Erfahrungen auf Marokkos Strassen gemacht. Fazit: der Teerbelag, auch auf den Hauptstrassen, ist in sehr unterschiedlichem, oft lausigem Zustand und wir werden uns noch viel Mühe geben müssen, MANni so gut es geht an all den Schlaglöchern vorbei zu lenken, ihn so sanft als möglich über die unzähligen Bodenwellen zu schaukeln und die Räder die meiste Zeit auf dem ausgefransten Teerband zu halten!

Ausgefranstes Teerband

Die Landschaft hier in Nordmarokko ist abwechslungsreich aber staubtrocken. Je nach Gegend wird Ackerbau oder Schafzucht betrieben. Und überall hat es Esel: als Reittier, als schwer beladenen Lastenträger, zum Weiden neben der Strasse angebunden – manchmal an einem um ein Vorderbein gebundenes, an einem Pflock befestigten Seil, manchmal auch einfach an beiden Vorderbeinen gefesselt … Und überall sind dekorative, bunte Tupfe auf den Büschen und im Strassengraben – keine Blumen, sondern eine Unmenge von Raschelsäcken in allen Farben! Von Umweltbewusstsein keine Spur. Na ja, die Entsorgung des Abfalls durch die Bevölkerung ist hier ein anderes Thema…

Nächstes Abenteuer: Fès, eine der vier Königsstädte des Landes. Abenteuerlich schon die Besichtigung des eventuell als Stellplatz zu nutzende, bewachte Parkplatz oberhalb der Medina – das Navi führt uns durch die Abfalldeponie der Stadt! Der Platz wird als potentiell brauchbar befunden (trotz LKW-Verbot, aber wir haben ja ein Wohnmobil!) und wieder zurück durch die Deponie auf dem Weg zu einem etwas ausserhalb gelegenen Campingplatz. Wir haben uns entschieden, bei unseren raren Besuchen der grossen Städte doch lieber auf einem Campingplatz zu bleiben, da wir dann auch noch waschen und entsorgen können, was, vor allem letzteres, unterwegs doch eher schwierig ist.

Da wir aber unbedingt noch einkaufen möchten, bevor wir uns niederlassen, suchen wir per Navi eine Einkaufsmöglichkeit. Nach einer afrikanischen Fahrt um die gefühlte halbe Stadt finden wir ein grosses Einkaufszentrum – mit Parkhaus! Aber in der Nähe finden wir einen Platz, wo wir MANni hinstellen können. Am Eingang des Zentrums eine Überraschung: jeder, der hinein will, wird von einem Security durch eine Scanner geschickt, welcher auch bei allen brav angibt. Und trotzdem darf jeder ohne anschliessende Durchsuchung hinein …?

Stadtbesichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Fès mit unseren deutschen Campingnachbarn und einem Guide. Viele Erklärungen und Erläuterungen, auch Geschichtliches in gutem Deutsch, viele wirklich sehenswerte Moscheen, die älteste Universität der Welt, eine Karawanserei, eine alte Koranschule … und eine nicht zu erwartende Vielfallt an Geschäften, in welche wir geführt werden. Es ist ja üblich, dass jeder Guide die Touristen in mindestens ein Teppichgeschäft schleppt, wo er bei einem erfolgreichen Verkauf Provision erhält – aber wir kommen in den Genuss von folgenden Verkaufsstellen: ziselierte Bronceware (Teller, Teekannen, Lampen, allerlei Schnickschnack).

Schnickschnack im Bronceladen in Fes

Dann Teppiche, Lederwaren (hier können wir die Gerberbottiche auch von oben besichtigen, bevor uns Taschen, Jacken und Mäntel und Babuschen gezeigt werden). Dann Mittagessen in einem kleine, nicht ganz billigen Restaurant (unser Führer muss zum obligatorischen Gebet abtreten, wer mit uns in Sansibar Town war, kennt dies). Danach weiter zum Tuchweber und -händler, wo wir erfahren, dass aus Agavenfasern hier so genannte Agavenseide hergestellt werden kann. Und als krönender Abschluss noch eine Drogerie mit Naturprodukten. Überall sehr nett und zuvorkommend, viele Informationen zu den hergestellten Produkten und natürlich überall der Versuch, möglichst etwas an den Mann resp. die Frau zu bringen. Unsere bescheidene Ausbeute: für mich ein Paar “klimatisierte” Babuschen (marokkanische Slipper), etwas schwarzer Kümmel (wird in einem kleinen Tuch zerrieben und inhaliert, gut gegen Schnupfen, Husten und Schnarchen!) und ein kleines Fläschchen kosmetisches Arganienöl für die Haut oder die Haare. Ihr werdet mich nicht mehr kennen, wenn ich nach dem Einsatz dieses Öls ohne Falten wieder zu Hause bin ;-)!!!

Königspalast in Fes

Müde, aber zufrieden sitzen wir am Abend vor MANni und geniessen bei Kerzenschein Brot und Käse.

Die nächsten drei Tage sind wir im mittleren Atlas unterwegs. Auch hier eine eindrückliche, sehr abwechslungsreiche Landschaft. Wir fahren auf kleinen und kleinsten Teersträsschen durch die Berge, oft sind es auch nur einfache Pisten, welche MANni z.T. doch einiges abfordern. Immer wieder heisst es “Ohren zu und durch”, vor allem der Lack wird arg strapaziert … und wieder haben wir Mäuse auf dem Dach! Aber auch wir werden gefordert – Gegenverkehr auf einspurigen Strässchen, Wahlveranstaltungen (am 7.10. sind Wahlen, wie wir später erfahren) und ich darf MANni sogar durch ein kleines Dorf im Nirgendwo mit ebenso einer Veranstaltung manövrieren, der Durchgang zwischen den auf beiden Seiten parkierten Autos gerade mal breit genug für uns! Und die staunenden Augen der Bergbevölkerung: so ein Gefährt und dann noch eine Frau am Steuer!!! Nur in den Städten haben wir ganz vereinzelt fahrende Frauen gesehen.

Ausser in den grösseren Ortschaften leben die Menschen hier vorwiegend in Bretterbuden, oft nur notdürftig mit Plastikplanen abgedichtet. Die Berbernomaden stellen spitze Behausungen, ebenfalls aus Brettern, auf, wo sie etwas vor Wind und Wetter geschützt sind. Ihr Leben spielt sich draussen mit den Tieren ab, mit denen sie auf der Suche nach Nahrung herumziehen. Die Kinder gehen nicht zur Schule und kommen oft schon angerannt, wenn sie ein Fahrzeug von weitem sehen. Dann stehen sie winkend am Wegesrand, in der Hoffnung, ein Geschenk oder Geld vom reichen Touristen zu erhalten. Davon wird aber abgeraten, da die Kinder auf diese Weise lernen, dass betteln mehr einbringt als harte Arbeit! Nur, wenn eine Gegenleistung geboten wird, soll das auch mit einem kleinen Geschenk oder wenig Geld honoriert werden.

Wir möchten uns und MANni an einer recht schwierigen Pistenfahrt durch eine Schlucht versuchen, welche in unserem Offroad-Führer beschrieben ist. Schwierigkeitsgrad 4-5 von 5. Und um es gleich vorneweg zu nehmen: wir kommen nicht durch resp. möchten MANni nicht über Gebühr beanspruchen oder gar beschädigen! Da die Erkundung dieser Strecken z.T. schon einige Jahre zurückliegt, kann es eben sein, dass unterdessen heftige Regenfälle, wie 2014 in Marokko geschehen, viele Pisten verwüstet haben und es kein Durchkommen mehr gibt. Nach einer abenteuerlichen, steilen, stellenweise seitlich geneigten, recht langen Abfahrt in ein Oued (ausgetrockneter Flusslauf) geht es weiter in eine immer enger werdende Schlucht, buchstäblich über Stock und Stein. MANni verwindet sich bis zum Anschlag. Schon bald muss ich aussteigen und vorausgehen, damit ich Armin per Funk Anweisungen geben kann, wo er am besten durchfahren kann und wie er MANni um grosse Felsbrocken herum manövrieren kann. Und dann ist irgendwann Schluss für uns, zu grosse Felsen liegen hier herum!

Über Stock und Stein

Also im Rückwärtsgang zurück, ebenfalls über Stock und Stein, zu einer etwas breiteren Stelle, wo Armin MANni wenden kann. Dann wieder eine Joggingeinlage für mich mit gleichzeitiger Einweisung per Funk, der steile Aufstieg aus dem Oued und wir stellen uns an den Rand einer schönen Schlucht auf dem Rückweg zur Teerstrasse. Und hier bleiben wir dann auch den nächsten Tag, machen Pause und winken den wenigen Offroadfahrern zu, welche offensichtlich ein Durchkommen finden – sind ja auch nicht so breit und gross wie MANni! Und hier ein weiteres Rätsel: was meint ihr, welcher Nationalität waren wohl der grosse Teil der Offroad-Touristen? Übrigens: fast alle Wohnmobile und sonstige Fahrzeuge, welchen wir begegnen, auch auf den wenigen Campingplätzen, auf denen wir herumlümmeln, kommen aus diesem grossen Kanton! Oder ist das zu viel Hilfe bei der Lösung?

Unterdessen sind wir seit drei Tagen im Hohen Atlas unterwegs. Die Landschaft weiterhin grandios schön, karg, aber trotzdem von einer unbeschreiblichen Schönheit und Vielfältigkeit. Da es in dieser Gegend offensichtlich vor kurzem ziemlich heftig geregnet hat (es wird Winter!), ist die Strasse hie und da voller Geröll und die Furten sind mit matschigem Lehm bedeckt. Die Behausungen sind nun aus ungebranntem Lehm oder gebrannten Ziegelsteinen gebaut. Letzteres jedoch eher selten. Die Lehmbauten fügen sich fast unsichtbar in die Berglandschaft ein, haben aber den grossen Nachteil, dass sie sich bei Regen einfach in flüssigen Lehm auflösen… Auch hier eine bitterarme Bevölkerung, weniger Nomaden mit ihren Schafen, Ziegen und Kamelen, eher sesshafte Menschen, welche an den fruchtbaren Flussläufen Ackerbau betreiben. Wir sehen viele Apfelplantagen, bis auf 2300 M.ü.M., schwer behangen mit den reifen Äpfeln!

Unterwegs im Hohen Atlas

Der Alltag der älteren Bevölkerung scheint aus einer einzigen Plackerei zu bestehen. Wir sehen oft Frauen, welche am Boden kauernd oder sitzend von Hand, mit Messer oder Sichel, das saftig grüne Gras als Viehfutter oder die überall angepflanzte Pfefferminze für Tee abschneiden. Zu Bündeln gebunden wird die Ernte auf dem Rücken, Kopf oder mit dem Esel transportiert. Die Wäsche wird am Fluss von Hand gewaschen und auf Felsen oder Büschen zum Trocknen ausgelegt. Feuerholz wird mühsam gesammelt und ebenfalls in Bündeln auf dem Rücken oder per Esel nach Hause transportiert. Die kleinen Kinder werden mit einem Tuch auf den Rücken gebunden und so wahrscheinlich den ganzen Tag herumgetragen, immer wieder auch von nur wenige Jahre älteren Mädchen! Die Männer pflügen noch mit Maultier und Handpflug, wie bei uns in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts! (Wie das tönt: letztes Jahrhundert, ja gar Jahrtausend, da wurden wir ja geboren!!! Mann, sind wir alt geworden ;-)!) Und auch hier immer wieder am Strassenrand stehende, bettelnd und winkende Kinder.

Sowohl die Männer wie auch die Frauen sind traditionell islamisch konservativ gekleidet. Daneben die männlichen Jugendlichen in Jeans und Lederjacke, mit Handy und Ohrstöpseln, die Mädchen in engen, meist schwarzen Jeans, mit einer längeren Bluse oder Jäckchen, oft mit Kopftuch, manchmal aber auch ohne. Gegensätze über Gegensätze!

Hier im Hohen Atlas finden wir einfacher einen ungestörten, abgelegenen Stellplatz als bisher. Die Gegend ist einsamer, weniger dicht bevölkert. Es regnet hier auch ein wenig, das erste Mal seit wir Spanien erreicht haben! Leider reicht es nicht, den arg zugestaubten und nun auch an seiner Unterseite mit Lehm zugepflasterten MANni auch nur ansatzweise zu reinigen. Die letzten grösseren Regenfälle haben wir knapp verpasst.

Eine weitere Pistenfahrt steht auf dem Programm, ob es dieses Mal geht? Wir möchten die Dadesschlucht von oben anfahren, eben über eine Piste, bevor wir auf der gut ausgebauten Teerstrasse den unteren, spektakulären Teil durchfahren. Aber auch hier müssen wir forfait geben: schon nach wenigen hundert Metern verliert sich die Piste, der Regen hat ganze Arbeit geleistet. Und wer weiss, wie es weiter unten, bei den als eng beschriebenen Passagen am Steilhang ausgesehen hätte? Wir entscheiden und für Plan B und fahren gemütlich, ohne Stress und Angstschweiss über eine erstaunlich gute und breite Teerstrasse nicht in die Dades-, sondern in die mehr oder weniger parallel verlaufende Todraschlucht ein und geniessen die Fahrt durch diese tief in den roten Fels gegrabene Schlucht, welche an der engsten Stelle nur gerade 10 Meter breit ist. Am Ende der Schlucht möchten wir zum 2. Mal auf einen Campingplatz, zuerst müssen wir jedoch noch Frisches einkaufen. Der kleine Supermarkt in der grösseren Ortschaft Tineghir soll sogar Alkoholika führen (wir sind schon seit einigen Tagen trocken!), ansonsten entpuppt sich das laut Reiseführer gut sortierte Geschäft für Camper als Laden mit lauter Konserven und abgepackter, lange haltbarer Ware! Aber offensichtlich sowohl bei Touris als auch bei den islamischen Einwohnern bekannt als Geschäft, wo Alkohol gekauft werden kann! Sobald das Geschäft um 16 Uhr öffnet, wird es von deutschen Touristen, deren Reisebus extra hier gehalten hat, gestürmt und eine jeder kommt mit einer in Papier eingepackten Flasche wieder heraus. Auch einige einheimische Männer kommen mit leeren Stofftaschen, welche mit Dosen bestückt werden, die dann mehr oder weniger versteckt herausgetragen werden. Wir kaufen hier je zwei Flaschen marokkanischen Weiss- und Rotwein und Wasser, frisches Obst, Gemüse und Brot kaufen wir im nahe gelegenen Zentrum in den kleinen Läden ein.

Tineghir am Ausgang der Todraschlucht

Und hier lassen wir uns auf ein weiteres kleines Abenteuer ein: Armin wird vor dem oben genannten Geschäft von einem jungen Mann angesprochen, welcher schon öfter in der Schweiz zu Besuch bei seiner Schweizer Freundin war und ihm Tipps zum Besuch des typischen Berbermarktes im Ort geben will. Nachdem wir MANni gleich neben dem Marktplatz im Zentrum parkiert haben, kommt per Zufall (?) derselbe junge Mann des Weges und will uns unbedingt gerade jetzt, er hat ja Zeit, eben diesen Markt zeigen, der Weg ist doch etwas kompliziert zu erklären! Also gehen wir mit, auch wir haben es nicht eilig. Es geht in die Medina, durch die überdeckte und deshalb ziemlich düstere Männergasse zur ebenso düsteren Frauengasse (typische Männer- und Frauengegenstände werden streng getrennt in verschiedenen Gassen feilgeboten, so will es der Prophet!), um Ecken und Kurven. Wo sind wir hier und was erwartet uns? Wir sind nun nicht mehr so sicher, ob dies eine gute Idee war, aber nun können wir nicht mehr zurück. Unser Führer betont immer wieder, dass er uns zu einem Handwerksbetrieb führt und kein Geld dafür will. Wir landen schlussendlich vor einer mit Vorhängeschlössern gesicherten Türe. Nach einigem Rufen und Warten erscheint eine Frau, welche aufschliesst – und wir befinden und wirklich in einer Teppichweberei, wo die Teppiche vom Waschen der Kamel- und Schafwolle über das Kämmen, Spinnen und Färben in Handarbeit hergestellt werden. Ein weiterer Mann erscheint, welcher der Neffe der Geschäftsinhaberin ist und sehr gut Deutsch spricht. Wieder so ein grandioser Zufall! Er erklärt uns vieles, versichert immer wieder, dass es hier nicht ums Verkaufen geht. Schon bald verabschiedet sich unser netter Führer, nicht ohne sich zu vergewissern, dass uns sein Bekannter wieder zurück zur Männergasse führt, von wo aus wir den Weg zurück selber finden. Nach dem ersten Minzetee wird uns Teppich um Teppich gezeigt, vor uns ausgelegt. Nachdem ich nach etwa 6 Teppichen versichere, dass wir keinen brauchen oder kaufen, etwas Enttäuschung im Gesicht. Sogleich aber wieder Freundlichkeit, ob wir auch die Schmuckabteilung sehen möchten. Möchte ich aus Neugierde, es soll ja typischer, echter Berberschmuck sein. Also einige Treppen hinunter und weitere Erklärungen zum wirklich schönen, handgemachten Silberschmuck. Hier sehe ich dann auch zwei Halsreife (richtig, Reif, keine Kette), welche mir gut gefallen. Der genannte Preis wohl angesichts des Materials und der Handarbeit nicht zu hoch, aber handeln gehört zum guten Ton – also üben wir uns auch mal darin. Ich frage, ob dieser Preis für beide Reife ist, was leichtes Entsetzen hervorruft. Also versuchen, den Preis für das besser gefallende Stück zu drücken – gar nicht so einfach, ohne blasse Ahnung, was dafür bezahlt werden kann. Armin und ich einigen uns auf einen uns für beide Seiten fair erscheinenden Betrag und Armin drückt dem erstaunten Mann die Geldscheine direkt in die Hand! Dieser muss jedoch zuerst bei seiner Tante nachfragen, ob sie das schöne Stück zu diesem Preis hergibt – gibt sie. Vielleicht hätten wir tiefer gehen sollen, aber wie ich am Abend im Reiseführer lese, haben wir wahrscheinlich den einzigen Händler weit und breit erwischt, welcher authentische Ware zu einem angemessenen Preis verkauft. Handeln fast unmöglich! Und was zu Beginn als doch etwas riskantes Vertrauen ausgesehen hat, hat sich als gute und in unserer Erinnerung verbleibende Erfahrung entpuppt!

Nun sind wir also hier auf einem kleinen sauberen Campingplatz. Gestern noch in guter Gesellschaft von 4 Wohmos (von wo wohl?), heute alleine. Wir haben unsere Wäsche gewaschen (na ja, wir ist vielleicht einer zu viel ;-)), haben Fotos hochgeladen, Updates über das gratis WLAN heruntergeladen, unsere von Stefan übermittelten Zahlungen per E-Banking erledigt und euch wieder auf den neusten Stand gebracht.

Morgen möchten wir weiter. Zuerst steht die berühmte und viel gerühmte Dadesschlucht auf dem Programm, ev. die Pistenüberquerung von der Dades- zur Todraschlucht (wo wir jetzt sind), welche sich bei beiden Schluchten auf halbem Weg befindet. Und dann soll es weiter in Richtung Dünen und Sand gehen, wir sind ja schon an den südlichen Ausläufern des Hohen Atlas. Laut Informationen, welche wir gestern von einem … Expeditionsmobilfahrer erhalten haben, welcher gerade von den Dünen kommt, soll es dort heftig geregnet haben und die Sandpisten sind z.T. nass und deshalb tiefgründig, schwierig zu befahren. Und in den Ortschaften herrscht eine Rattenplage – das kann ja heiter werden!

Unterwegs in Marokko, 08. – 23. Oktober 2016

Liebe Freunde von sWillis (dieses Mal mal ganz normal)

Schon sind wieder zwei Wochen vergangen und unterdessen hatten wir kein brauchbares WLAN. Deshalb wird es nun ein noch ausführlicher und längerer Beitrag als üblich.

In den letzten beiden Wochen sind wir noch zwei Mal je zwei Nächte auf einem Campinglatz gestanden. Wenn das so weiter geht, verpassen wir noch die schönsten Übernachtungsplätze! Das dies nicht so ist und warum wir hier entgegen unserer üblichen Gewohnheit doch öfter auf Campingplätze ausweichen, hat folgende Gründe: es ist doch manchmal eher schwierig, in Marokko einen einigermassen ungestörten Platz abseits der Strasse zu finden, da die meisten Pisten irgendwohin führen und deshalb befahren sind. Dann ist es in der Nähe von Städten oder grossen Ortschaften einfach bequemer und ruhiger, sich auf einem Campingplatz nieder zu lassen. Und als letzter Grund sei das WiFi genannt, welches dort meistens kostenlos zur Verfügung steht, wenn es denn schnell genug ist, die Beiträge hochzuladen!

Als erstes wieder die Auflösung des letzten Rätsels: es ist unglaublich, aber überall, wo wir hinkommen, treffen wir auf … Deutsche! Bis jetzt haben wir fast keine Schweizer oder andere Europäer gesehen, lediglich viele Deutsche, wenige Österreicher oder auch Spanier.

Aber nun die Rückblende auf die letzten beiden z.T. anstrengenden, spannenden und lehrreichen Wochen: am Samstag, 8.10. sind wir vom Camping Atlas in Tineghir abgefahren mit dem Ziel, die Überfahrt von der Todra- zur Dadesschlucht in Angriff zu nehmen. Wir hoffen, dass dies (noch) möglich ist, nachdem wir die Dadesschlucht nicht in der ganzen Länge befahren konnten. Auch haben im Herbst 2014 in Marokko heftige Unwetter gewütet, welche viele Strassen und Pisten zerstört und auch sonst riesige, noch heute sichtbare Schäden hinterlassen haben. Zu Beginn unseres Abenteuers eine breite, gut zu befahrende Piste, welche sich bei Tamtattouchte abgehend über eine Ebene schlängelt. Nachdem wir eine Auberge passiert haben, wird es enger und die Piste windet sich etwas steiniger und holperig in engeren Kurven den Berg hinauf bis auf eine weitere Hochebene. Hier begegnen wir auch den ersten Nomaden, welche sich jetzt im Herbst hier niedergelassen haben. Sie fordern mit Handzeichen Geld von uns, wir fahren aber weiter. Schon von Weiterem sehen wir, dass die Piste von einem breiten Wildbach resp. -fluss über eine längere Strecke weggerissen wurde. Was nun? Als erstes mal die Stelle näher anschauen und dann entscheiden. Leider sind wir, kaum an der Schadstelle angekommen, von richtig aufdringlichen Nomadenfrauen jeglichen Alters umgeben, welche uns den besten Weg zeigen wollen (ist es aber nicht) sowie Geld, Essen, Hautcrème oder was auch immer von uns fordern. Als wir aussteigen, um zu schauen, wo wir durchkommen, werden sie erst recht aufdringlich und nehmen erst ein wenig Abstand von mir, als ich den Spiess umdrehe und Geld von ihnen fordere! Leider nützt das nicht lange und als Armin sich zu Fuss schlau macht, steige ich wieder ein und versuche, so gut es eben geht, die lästige Bande zu ignorieren. Zwischendurch haben wir gar das Gefühl, dass sie uns ob unserer Unsicherheit wegen des Weiterkommens auslachen! Armin findet jedoch relativ schnell einen fahrbaren Weg. Dieser führt geradewegs über eine ca. 1 Meter hohe Abbruchkante in das Oued (trockenes Flussbett) und dann darin weiter. Dieses Manöver bringt die Frauen endlich dazu, etwas von uns abzulassen und als wir wieder auf der Piste sind, können wir etwas beschleunigen, so dass sie zurück bleiben müssen. Aber schon bald das nächste Nomadenzelt, auch wieder an einer schwierigeren Stelle. Hier sind es zwei Kinder, welche sich mit etwas mehr Zurückhaltung hinstellen. Da wir noch Bonbons dabei haben, gebe ich ihnen eine Handvoll. Natürlich zu wenige …

Unpassierbare Piste

Klammer auf: wir sind uns bewusst, dass wir in den Augen dieser sehr armen Bevölkerung unvorstellbar reich sind und sie es deshalb als vollkommen normal betrachten, dass wir von unserem Reichtum, ob Geld oder Naturalien, etwas abgeben. Das Problem für den Touristen ist aber, dass er entweder jedem bettelnden Nomaden oder Bergbewohner etwas gibt (was den Geldbeutel wohl ziemlich schnell schrumpfen lässt oder gar dazu führt, dass er Konkurs anmelden muss, sobald er wieder zu Hause ist) oder dann auswählen muss, wem er etwas gibt. Und in diesem Fall trifft es wahrscheinlich eher den Hartnäckigeren als den Bedürftigen! Wir haben uns also entschieden, wenn immer möglich, nur bei einer Gegenleistung etwas zu geben. Klammer zu.

Irgendwann kommt uns ein Landi mit Anhänger entgegen. Diese haben die Strecke aber nicht von der anderen Seite her bezwungen, wie wir betreffend Informationen gehofft haben, sondern haben sich bei einer weiteren Stelle, wo die Piste weggerissen ist,  entschieden, umzudrehen. Sie sind aber der Meinung, dass wir mit MANni gut durchkommen sollten …

MANni macht’s!

Nach besagter Stelle, welche MANni ohne Probleme bewältigt hat, geht es immer steiler und schmaler weiter den Berg hoch. Die Piste ist aber hier in einem recht guten Zustand und so sind wir zuversichtlich, dass es auf der anderen Seite des Passes so weiter geht. Bis wir oben sind, müssen wir jedoch noch mehrere enge Kehren meistern, wo Armin mit MANni sogar reversieren muss. Und zweimal, als ich vorausgehe, um Armin durch Engstellen zu weisen, bleibt mir doch beinahe das Herz stehen: zuerst wackelt eine grosse Steinplatte am Abhang seitigen Rand der Piste unter MANni’s Gewicht dermassen, dass ich fürchte, sie rutscht jeden Moment ab. Und kurz danach ist die Piste am Rand soweit ausgeschwemmt, dass das Hinterrad zu rutschen beginnt und ich Armin zuschreie “er rutscht hine, Gas geh!”. Hoffentlich wird es nicht schlimmer, hier wieder hinunter wollen wir beide nicht! Aber bis zum Pass auf fast 2700 Meter haben wir keine enge oder schwierige Stelle mehr zu meistern und atmen erst einmal auf.

Gute Piste am Pass

Nach einer kurzen Pause nehmen wir guten Mutes die Abfahrt in Angriff – der gute Mut bleibt uns leider nicht lange erhalten. Schon bald kommen uns Nomaden  mit ihren Maultieren entgegen und machen uns mit Zeichen klar, dass es hier nicht weiter geht und wir umdrehen müssen. Umdrehen und über die beiden engsten und unsicheren Stellen wieder zurück? Nur im äussersten Notfall! Lediglich einer der Männer hält sich im Hintergrund und signalisiert Armin, dass es wohl keine Rolle spielt, in welche Richtung wir fahren, beides Sch…! In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit und des einsetzenden Nieselregens entscheiden wir, uns am Rand der Piste auf ein ebenes Plätzchen zu stellen, erst einmal unsere Situation zu analysieren, das weiter Vorgehen zu besprechen und hier die Nacht zu verbringen. Dass wir beide nicht zu gut geschlafen haben, versteht sich wohl von selber.

Wie am Vorabend entschieden, machen wir uns am nächsten Morgen (Sonntag) nach einem eher appetit- und lustlosen Frühstück zu Fuss auf den Weg, die weitere Strecke zu rekognoszieren, damit wir uns entscheiden können, welche Seite des Passes das kleinere Übel darstellt. Wir wollten ja schon irgendwann eine Wanderung machen, aber diese ist nicht ganz freiwillig und mit 7 Stunden unterwegs auch länger, als geplant! Na ja, 7 km das Tal hinaus, 500 Höhenmeter hinunter über Schutt und Steine und nochmals Steine und Schutt, dann wieder 7 km zurück, wieder 500 Höhenmeter überwinden, dabei an diesem und jenem Ort, an den schwierig zu überwindenden Stellen, Steine aufeinander schichten, alles in der prallen Sonne, das geht an die Substanz. Und da der Appetit immer noch zu wünschen übrig lässt, kommt auch noch ein gewisses Manco an Energie dazu! Auf dem Rückweg zu MANni kommen uns dann noch einige wenige Fahrzeuge entgegen, deren Fahrer uns fragen, ob wir zum Truck weiter oben gehören, von welcher Seite wir kommen und ob wir wissen, ob und wie es weiter geht. Wir geben so gut wir es wissen Auskunft und merken so langsam, dass 1. offensichtlich schon seit längerem niemand mehr hier durch gefahren ist und 2. wir wahrscheinlich seit Ewigkeiten die ersten mit einem LKW hier sind!  Einer der Touristenführer hilft uns dann noch eine besonders hohe Rampe aufzubauen und fordert die anderen, welche nur wartend herumstehen und zuschauen, auf, ebenfalls mit Hand anzulegen. … kommt ihnen ja auch zu Gute. Wir wandern weiter und endlich, nach gefühlten 15 km, kommen wir bei MANni an. Grundsätzlich sind wir beide der Meinung, dass die kürzere Strecke, welche wir heute abgelaufen sind, das kleinere Übel und machbar ist, auch wenn noch einige kritische und schwierige Stellen sind, wo wir dann vor Ort genau schauen müssen, wie wir es mit MANni schaffen. Aber wir sind optimistisch.

Wo bitte geht’s hier lang?

Nach einem kleinen, frühen Nachtessen legen wir uns schlafen, damit wir morgen früh starten können. Uns tut jeder Knochen weh und wir sind ziemlich erschöpft. Aber auch in dieser Nacht finden wir nur schwer den Schlaf, zu viele Unsicherheiten gehen uns durch den Kopf …

Wir starten früh und fahren im Schritttempo durch die schöne, canyonartige Schlucht und sind froh, gestern schon an einigen Stellen ausgebessert zu haben. Und es entpuppt sich als einfacheres Unterfangen, als wir befürchtet hatten. Schon nach 2 3/4 Stunden erreichen wir die Teerstrasse nach Msemrir und atmen erleichtert auf! Ganz ohne Blessuren ist dieses Abenteuer aber nicht zu Ende gegangen: ich habe an beiden Füssen je eine grosse Blase, Armin und ich klagen beide über schmerzende Knochen und Sehnen und MANni ist auch nicht ungeschoren davon gekommen: bei einer relativen Engstelle unter einem überhängenden Felsen durch hat sich der Koffer plötzlich auf die Seite geneigt und der Astabweiser schrammte am Stein entlang … zum Glück ist das Polyester des Aufbaus heil geblieben! Und so wie er sich nach allen Seiten verbogen hat und über spitze und scharfe Steine steigen musste, werden auch ihm alle Gelenke, Kabel, die Räder und seine Sohlen wehtun!

Au weh!

Langer Rede, kurzer Sinn: dass unser Moto auf der Rückseite einer Ausgabe unserer Karte, was als lustiger Spruch gedacht war, sich überhaupt und dann so schnell bewahrheiten würde, hätten wir nicht gedacht! Für die Nicht-Wissenden: “Wo sWillis sind, ist auch ein Weg … braucht es keinen, MANni machts!”

Der weitere Weg führt uns auf Teer die wirklich eindrückliche Dadesschlucht hinunter und dann weiter in Richtung Erg Chebbi, wo wir nach dieser für alle drei anstrengenden (Tor)Tour eine Pause einlegen möchten.

Serpentinen in der Dadesschlucht

Das Dünenfeld Erg Chebbi ist das grösste in Marokko und natürlich ein MUSS bei einer Marokkoreise. Unterwegs kaufen wir zum ersten Mal bei einem lokalen Metzger ein. Das Rinderbein, welches an der frischen, warmen Luft hängt (wo denn sonst?), ist nicht voller Fliegen, sondern wird von Wespen umsurrt und angeknabbert. Wir ergattern ein grosses Rindskotelette sowie ein dickes Stück vom Bein, samt Markknochen (das ist gut, kommt in die Suppe ;-)). Mal schauen, ob und wie zart das Fleisch ist oder ob ich es zu Hackfleisch verarbeiten muss (ein manueller Fleischwolf gehört zu unserer Ausrüstung).

Am Abend fahren wir einfach mal einige hundert Meter auf einer Piste von der Strasse weg und stellen uns mitten in der Ebene hin. Leider scheinen wir in der Nähe des Schulwegs zu sein. Es dauert nicht lange und einige Kinder mit Schultornistern steuern auf MANni zu, sagen höflich “bonjour” und beginnen, aufdringlich, einzeln, im Chor, leiser, dann lauter und fordernd, auf Arabisch nach etwas zu rufen/betteln, wahrscheinlich nach Süssigkeiten. Zum Glück sind wir schon drinnen und versuchen, so gut es geht, das Rufen zu ignorieren. Irgendwann gehen sie dann weg und ich bin angesichts des doch recht aggressiven Tons der Rufe froh, dass sie nicht herumliegende Steine nach MANni geworfen haben! Soll auch schon passiert sein! Weiter werden wir nicht belästigt, auch nicht am nächsten Morgen.

Der weitere Weg zum Erg Chebbi führt über riesige, wüstenartige Ebenen, die Strasse wird an manchen Stellen auch schon von Sand überweht. Schon von weitem sehen wir die golden-roten Dünen, welche sich bis zu 150 Meter hoch aus der Ebene erheben. Als wir eine Rast einlegen, ist auch schon jemand an unserer Seite, der gut Deutsch spricht. Der Mann versichert, dass er kein Führer ist, lediglich nach seinen Schafen, Ziegen und Dromedaren schaut, welche letztere übrigens auch für Ausflüge ins Erg genutzt werden … nicht von ihm, er ist kein Führer, sondern von seinem Bruder, der macht das. Und ein Cousin von ihm hat einen Campingplatz, einen sehr schönen, und dort sind auch drei Schweizer Fahrzeuge und und und… Er gibt uns seine Karte, nur für den Fall: Hassan Cherhane, “Best Guide to Sahara” 😉!!!

Erg Chebbi im Abendlicht

Da wir schon lange keine Landsleute getroffen haben, fahren wir zum wirklich angenehmen Camping, welcher als Zugabe sogar über einen Pool verfügt! Die Schweizer entpuppen sich als zwei Solothurner LKWs und ein Walliser Buschtaxi, zusammen mit sechs Erwachsenen, vier Kindern und einem Hund. Nachdem wir vor ihrem Quadausflug in die Dünen ein wenig mit ihnen geplaudert haben, ignorieren sie uns dann den ganzen Abend und auch den nächsten Morgen bis zu ihrer Abfahrt und verabschieden sich nicht einmal von uns. Auf so was können wir echt verzichten, da sind uns die offenen und kommunikativen Deutschen schon lieber! Leider sind nicht nur die angetroffenen Schweizer ein Ärgernis: da es die Zeit der Dattelernte ist, hat es viele Fliegen, welche überaus lästig sind. Hier bräuchte mann oder frau eine grosse FLAK: eine FLiegen-Abmurks-Klatsche!

Camping am Erg Chebbi

Es gibt hier aber auch Erfreuliches zu berichten: das Rindskotelett auf dem Grill zubereitet ist erstaunlich zart und schmackhaft, aber leider etwas gar schwarz geraten. Kein Wunder, bei der früh einsetzenden Dunkelheit ist es auch schwierig, zwischen schön braun und schwarz zu unterscheiden!

Unser Ruhetag geht mit verschiedenen, nicht anstrengenden Tätigkeiten schnell vorbei und unsere neuen Nachbarn sind wieder einmal … aus Deutschland. Wir sitzen nach unserem Nachtessen, heute in der zum Camping gehörenden Auberge, noch mit ihnen zusammen und lassen den Abend nett plaudernd ausklingen.

Und da wir schon einmal hier in der Nähe einer Sanddünenwüste sind, möchten wir natürlich auch einmal da übernachten. Ganz in die Dünen und in den Sand getrauen wir uns nicht (buddeln muss ja nicht unbedingt sein, zu anstrengend und heiss, wir machen ja Pause!). Wir entschliessen uns deshalb, den Erg Chebbi zu umfahren und auf der Rückseite irgendwo einen schönen Platz am Rand der Dünen für die Nacht zu suchen. Wir finden sogar ein kleines Dünenfeld östlich vom grossen Erg, wo wir uns ganz alleine und ohne Belästigung der omnipräsenten Nomaden und Souvenierhändler hinstellen und den Abend in aller Ruhe geniessen können. Aber von wegen wunderbarer Sternenhimmel in der Wüste ohne Streulicht: der zu 3/4 volle Mond streut so viel Licht, dass wir nicht mehr Sterne sehen als zu Hause! Und der Staub in der Luft steuert auch noch seinen Teil der Verschleierung hinzu! Zum Glück merken wir nichts (mehr) von nassem, tiefgründigem Sand, obwohl an vielen Stellen gut sichtbar ist, dass es hier vor kurzer Zeit viel geregnet hat. Und Ratten haben wir bis jetzt auch noch nicht gesehen. Alles also halb so schlimm.

Ein ruhiger Abend im “privaten” Erg!

Wir verabschieden uns vom Erg Chebbi und schlagen den Weg nach Zagora ein, einer am Rand der Wüste gelegen Kleinstadt. Unterwegs gönnen wir MANni eine wohl verdiente Dusche, immerhin trägt er den Dreck und Staub der letzten fünf Wochen mit sich herum! Und wir machen die erfreuliche Erfahrung, dass man sich hier im Süden auch in die Nähe von Häusern stellen kann, ohne dass irgendwer aufdringlich oder bettelnd vor der Tür steht! Weiterhin fahren wir durch grandiose Landschaften, die Bauweise der Häuser hat sich aber hier im Süden komplett verändert. Hier werden oft grosse, burgartige Gemeinschaftshäuser, sogenannte Kashbas, gebaut. Meistens in der hier traditionellen Bauweise aus Stampferde. Dies bringt es mit sich, dass die Bauten bei Regen arg leiden und immer wieder ausgebessert werden müssten. Leider wird dies häufig vernachlässigt, was dazu führt, dass viele Ruinen oder Halbruinen in der Gegend herumstehen. Immer öfter sehen wir Häuser, welche aus Ziegeln gebaut sind, viele sind noch nicht fertig. Was uns auch auffällt ist, dass es auch hier im Süden von Marokko grosse Flur- und Gebäudeschäden durch Wasser und Geröll hat, ob aus diesem Jahr oder immer noch vom Herbst 2014, wissen wir nicht.

Zerfallende Kashba

Zagora war früher eine der wichtigsten Karawanenstätte auf dem Weg von Schwarzafrika nach Norden. Hier ist auch der legendäre, auf eine Mauer gemalte Wegweiser “Timbouktou 52 days”. Von hier oder dann von Foum Zguid aus möchten wir wieder Piste fahren.  Wir stehen aber vorerst (schon wieder!) auf einem Campingplatz, dieses Mal unter Palmen, haben schon erntefrische, reife Datteln erhalten, sind zu Fuss ins Städtchen gelaufen (ca. 4 km) und freuen uns über unsere netten Nachbarn, sehr reiseerfahren und aus … Österreich.

Unter Palmen in Zagora

Bevor wir am Montag losfahren, gehen wir noch Einkaufen. Auf dem Parkplatz werden wir von einem netten Garagisten angesprochen, welcher wissen möchte, ob alles in Ordnung ist, ob MANni nicht abgeschmiert werden muss, ob … Er möchte, dass wir, trotzdem wir seine Dienste nicht in Anspruch nehmen müssen, bei seiner Garage vorbeikommen und schickt uns seinen Bruder per Fahrrad, damit er uns den Weg zeigt. Und dieser strampelt in der Hitze vor uns die Strasse entlang … In der Garage lernen wir noch den Cousin, den Nachbarn, den Freund, welcher 16 Jahre in Bern gelebt hat, usw. kennen, werden zum Tee eingeladen und MANni kriegt am Heck einen Kleber verpasst, es werden Fotos gezeigt und geschossen – und um 12:00 Uhr sind wir dann endlich unterwegs! Nur kein Stress – so funktioniert ganz Afrika!

Foto mit der Garagencrew und Kleber

Dieses Mal geht es nur kurz über die Teerstrasse nach Süden. Schon bald biegen wir nach Westen ab, hier beginnt der lange Pistenweg nach Tata, welcher zum Teil über die ehemalige Piste der Paris-Dakar-Rally führt. Zuerst einmal und zum ersten Mal heisst es hier: Luft aus den Reifen ablassen! Unser Weg führt wieder am Rand eines Dünenfeldes, des Erg Chegaga, entlang, und es wird richtig sandig! Also trotz anfänglichem Zögern ein guter Entscheid! MANni muss ziemlich arbeiten und der Zeiger der Tankanzeige bewegt sich erstaunlich schnell in Richtung roter Bereich. Kein Problem, wir haben genug Sprit an Bord (hoffentlich, es geht noch weit bis zur nächsten Tankstelle!)👍. Irgendwo im Nirgendwo des Erg Chegaga nehmen wir die falsche Spur und stellen uns am späteren Nachmittag zwischen die Dünen – ein schöner und ruhiger Platz für die Nacht.

Im Erg Chegaga

Weiter geht es über zum Teil übelste Pisten, dann aber wieder über eine riesige Schwemmtonebene, den Lac Iriki, wo MANni locker mit 90 Stundenkilometer eine enorme Staubwolke hinter sich herzieht! Dann geht es wieder über Wellblech oder holprige Kiesebenen, langweilig wird es nicht! Und weniger staubig leider auch nicht, MANni ist schon wieder eher beige als grau … Kurz vor Foum Zguid, wo wir kurz auf Teer unterwegs sind, ist der erste Militärposten, welcher wir passieren müssen (wir sind recht nahe an der algerischen Grenze unterwegs). Das Nummernschild wird notiert, die Daten von Armins Pass – das war’s. Wir fahren noch etwas weiter zur weiterführenden Piste und stellen uns in eine kleine Oase unter Palmen hin. Am nächsten Tag geht es weiter durch die nördlichen Ausläufer der Sahara. Abwechslungsweise fahren wir über sandige Stellen, Kiesebenen (alle drei werden hier z.T. ziemlich durchgeschüttelt), Schwemmton oder auf ganz guten Pisten, wo wir etwas flotter vorwärts kommen. Schon bald nach unserem Start kommen wir an einen weiteren Militärposten. Hier werden wir gründlicher kontrolliert, geben eine unserer vorbereiteten Fischen ab sowie unsere Pässe. Bis das o.k. für die Weiterfahrt von der lokalen Zentrale kommt, dauert es ein wenig. Dafür haben wir Zeit, mit einem der Soldaten zu plaudern. Als die Schranke geöffnet wird, werden wir noch nach Zigaretten gefragt. Wie schon geschrieben, hier in Marokko möchte jeder etwas von uns reichen Europäern, das gilt als vollkommen normal. Solche Posten passieren wir noch mehrere Male, werden aber nie lange aufgehalten, wir sind ja nun auf dieser Strecke gemeldet. Unterwegs sehen wir auf den südlichen Hügelketten einige Militärposten, die Grenze steht unter Beobachtung! Leider können wir nicht die ganze geplante Strecke auf Pisten fahren – plötzlich im Nirgendwo steht ein Militärauto samt Soldat und einem Zivilisten mit Funk. Diese haben offensichtlich auf uns gewartet, da gemeldet, und informieren uns, dass die Weiterfahrt nach Tata wegen unpassierbarer Piste in Folge heftigen Regens nicht möglich sei. Sie weisen uns an, entgegen unserer südwestlichen Richtung, wieder zurück nach Nordosten zu fahren und begleiten uns ein Stück des Weges, bis sie sicher sind, dass wir die Piste nach Tissinnt nicht mehr verlassen können. Und als Abschied werden wir wieder nach Zigaretten und diesmal sogar nach Bier gefragt!

Mit 90 km/Std. über den Lac Iriki

Reifenmaltraitierende Piste durch die Geröllebene

Kurz vor Tissinnt erreichen wir wieder Teer, worüber wir dieses Mal richtig glücklich sind. Die Piste über die endlos erscheinende Geröllwüste hat uns arg durchgeschüttelt! Nach einer ruhigen Nacht fahren wir gemütlich auf der sehr guten Strasse nach Guelmim, wo wir unsere stark geschrumpften Vorräte sowie das Frische wieder auffüllen, bevor wir uns auf den Weg an den Atlantik, genauer zur Plage Blanche nahe TanTan machen. Hier wollen wir eigentlich für zwei Tage bleiben. Aber wie es so ist, kommt es 1. anders als 2. geplant. Wenn wir schon hier sind, möchten wir diesen langen Strand auch gerne wenigstens zur Hälfte abfahren und geniessen. Da wir jedoch mit MANni wegen seinem Gewicht nicht unbedingt auf dem Strand fahren möchten, suchen wir einen Weg auf der Steilküste, welcher sich als zeitweise anspruchsvolle Piste herausstellt. An einer Stelle kommen wir aber doch bis an den Geröllsaum hinter dem Sandstrand, wo wir anhalten und von einem Fischer zwei direkt aus dem Netzt geholte Fische (frischer geht nicht!) kaufen. Leider können wir hier nicht baden, da die Wellen im flachen Wasser einfach zu hoch sind. Also drehen wir unsere Pistenrunde, welche uns wieder ins Hinterland führt, fertig und sind am Abend wieder an der Plage Blanche, wo einer der Fische zum Abendessen verspiesen wird.

Frisch, frischer, am frischesten!

Am Samstag ändern wir unsere Fahrtrichtung: waren wir nun seit unserer Ankunft in Marokko in Richtung Süden unterwegs, geht es nun unwiderruflich nach Norden! Wir bleiben aber vorerst noch am Atlantik, fahren zu einem der vielen Fluggebiete hier, wo wir uns für das Wochenende an einem der Startplätze hinter den LKW eines jungen österreichischen Paares hinstellen. Und am Sonntag wird MANni das erste Mal, seit wir von zu Hause fortgefahren sind, innwendig wieder einmal geputzt!

Sonnenuntergang am Startplatz

Nun sind wir gespannt, was uns die nächsten Tage so bringen. Da wir geplant haben, auf dem Weg nach Hause dem Kellner unseres leider bei unserer Rückkehr geschlossenen Lieblingsrestaurant in dessen Heimat Portugal einen Besuch abzustatten, werden wir uns schon bald weiter in Richtung Norden orientieren müssen. Marrakesh ist noch auf unserer Liste, dort werden wir ev. unsere österreichischen Bekannten von Zagora treffen. Bis es dann Zeit ist, die Strasse von Gibraltar zu queren, geniessen wir noch den marokkanischen Herbst mit angenehmen Temperaturen und lassen die warmen Kleider tief vergraben in der Tasche in MANi’s Führerkabine!

Wir bleiben dran!

Unterwegs in Marokko, 24. Okt. – 4. Nov. 2016

Wie die Zeit doch vergeht … und schrumpft! Vor genau acht Wochen sind wir in Aeugst abgefahren und seit knapp sechs Wochen sind wir in Marokko unterwegs. Uns verbleiben also noch zwei Wochen, dann sind die zu Beginn fast unendlich erschienenen zehn Wochen unserer Testreise verflogen und der Alltag wird uns wieder in Beschlag nehmen. Aber was soll diese Jammerei, wir sollten uns vielmehr darüber freuen, dass wir das Glück haben, so viele Wochen unterwegs sein zu können ☺! Nun aber zu unseren Erlebnissen der letzten zwölf Tage.

Nachdem wir die zwei Tage bei Nigel am Startplatz Nid d’Aigle an der Atlantikküste verbracht haben, brechen wir wieder auf. Von nun an geht es nur noch nordwärts. In der nahen Stadt Tiznit wagen wir es und kaufen uns für 50 Dirham 5 GB Internetguthaben in der Hoffnung, dass wir dieses Mal, wenn wir es selber in die Hand nehmen, auch wirklich das haben, was wir möchten. Wir laden das Guthaben per SMS auf meine Marokko-SIM-Karte und siehe da, wir haben wieder Internetzugang, so dass wir nicht mehr aufs WLAN von Campingplätzen angewiesen sind, nur noch auf ein gutes Netz! Das Ganze hat natürlich seine Vorgeschichte: in Fes haben wir eine SIM-Karte für mein Handy inkl. 100 Dirham Guthaben für Telefonie und Internet gekauft. Die Verkäuferin hat auf mehrmaliges Nachfragen versichert, dass wir dafür 2 Stunden nach Europa und unlimitiert in Marokko telefonieren können sowie für 30 MB Internet haben! Sie hat alles auf meinem Handy installiert, da wir Marokkoneulinge es so wollten, ist einfacher. Installiert hat sie alles richtig, aber die 100 Dirham reichten gerade mal für 10 Minuten in die Schweiz telefonieren, aber Telefonie in Marokko und/oder Internet – nada!

Wir machen in Taroudannt halt. Diese kleinere Stadt soll eine Art Klein-Marrakesh sein und somit hoffen wir, uns hier schon mal auf die Grossstadt vorbereiten zu können. Wir machen uns trotz fortgeschrittener Stunde auf den Weg in die Stadt. Leider wissen wir schon bald nicht mehr, wo wir sind und wie wir die gesuchte Medina finden sollen. Und plötzlich steht der junge Marokkaner neben uns, welcher uns schon beim Parkplatz angesprochen hat und bietet uns seine Dienste an, natürlich gratis! Er führt uns durch seine Stadt, erklärt hier etwas, zeigt dort auf etwas und führt uns ziemlich direkt zu einer Kooperative für Arganöl und -produkte! Überall dasselbe Spiel, wir sollten es ja mittlerweile wissen! Alles wird erklärt (haben wir schon in Fes gehört) und jedes Produkt wird angepriesen. Leider habe ich kein Interesse, aber wir sind ja morgen auch noch da …

Am nächsten Morgen steht resp. sitzt unser selbsternannte Führer auf einer Bank gegenüber und, kaum sind wir ausgestiegen, möchte er uns wieder in die Stadt führen, dieses Mal zu seiner Familie. Wir möchten aber eine Kutschenfahrt um die Stadtmauer machen und nachdem der Preis ausgehandelt ist, steigen wir in die Kutsche ein – unser “Führer” nimmt wie selbstverständlich auch Platz! Um es kurz zu machen: wir sind ziemlich schnell per Kutsche in der Medina gelandet, wo wir in ein Geschäft mit marokkanischem Handwerk geführt werden. Die üblichen Erklärungen, das übliche Präsentieren der Teppiche, die übliche Einladung zum Tee … Hier sehen wir aber seit Fes zum ersten Mal wieder aus Algavenseide gewobene Tücher. Ein solches möchten wir kaufen, damit wir in Zukunft am Strand unsere Badetücher und Kleider nicht direkt in den Sand legen müssen. Ich beginne zu handeln, aber schlussendlich bezahlen wir doch zu viel! Was soll´s, es hat Spass gemacht und aller Anfang ist schwer. Übung macht bekanntlich den Meister!

Nach diesem kurzen Besuch von “Klein-Marrakesh (ich bin ja gespannt, wie es in “Gross-Marrakesh sein wird!) geht es weiter durch die stetig wechselnde Szenerie der marokkanischen Landschaft. Wir sind nun wieder im Hohen Atlas unterwegs und es geht hoch hinauf: der Tizi-n’Test-Pass ist immerhin knapp 2100 m hoch! Leider zeigt sich das Wetter an diesem Tag von der regnerischen Seite, so dass wir die sicher imposante Aussicht nur bedingt geniessen können.

Pass Tizi n’Test

Bald sind wir in Marrakesh: was für die Einen der blanke Horror sein muss, ist für die Anderen ein Highlight! Wir gehören definitiv zur zweiten Sorte. Wir haben diese quirrlige Stadt mit dem berühmten Platz Jamaa el Fna und den überdachten Souks in vollen Zügen genossen. Selten haben wir uns so gut amüsiert und schon lange nicht mehr so viel gelacht, wie an unserem ersten Abend dort in der wohltuenden Gesellschaft unserer österreichischen Bekannten, welche wir in Zagora kennen gelernt haben! Auch unsere ausgedehnten Bummel durch die Souks, verbunden mit dem Kauf diverser Souveniers und Geschenken, das Verhandeln der Preise (ich werde schon ganz gut darin, wir haben hier nach dem obligatorischen Feilschen immer realistische und faire Preise bezahlt, soweit wir dies beurteilen können) hat uns beiden richtig Spass gemacht und wir sind uns einig, ein weiterer Marrakesh-Besuch ist für uns im nächstes Jahr ein absolutes MUSS! Trotz der vielen, für uns mittlerweile ungewohnten Touristen!

Eingang zu den Souks von Marrakesh

In den Souks von Marrakesh

Geht es noch billiger? …

Jamaa el Fna by night

Als wir nach 2 Nächten auf einem bewachten Parkplatz im Zentrum von Marrakesh diese faszinierende Königsstadt verlassen, ist unser blaues Fass wieder gut gefüllt auf dem Dach von MANni montiert. Da es in die Berge geht, die Sonne vom Himmel scheint und die Strassen wieder holprig und kurvenreich zu werden versprechen, ein idealer Waschtag! Die Landschaft, welche wir nördlich von Marrakesh durchfahren, erinnert uns immer mehr an die Landschaften in Andalusien. Es gibt grosse Oliven- und Mandelplantagen, es ist hügelig und trocken. Unser Weg führt uns immer weiter in den Hohen Atlas und die Strassen schütteln die Wäsche auf dem Dach so richtig durch, besser kann es eine “richtige” Waschmaschine auch nicht! Und heute finden wir im Verlauf des Nachmittages den ultimativen Übernachtungsplatz: auf einer kleinen, wegen niedrigen Wasserstand mit trockenen Rädern erreichbaren Insel in einem im Licht des Nachmittages tiefblau leuchtenden Stausee, umgeben von Bergen, welche sich in allen möglichen Farben präsentieren, im Schatten unter Pinien, eine Feuerstelle vor der Haustüre … und der warme Wind übernimmt die Rolle des Tumblers! Herz, was willst du mehr!

Wunderschöner Stausee mit ultimativem Stellplatz

Wäsche trocknen

Von hier aus unternehmen wir eine Rundfahrt, welche uns z.T. über Pisten für die nächsten beiden Tage in die eindrücklichen und sehr schöne Bergwelt rund um die “Cathedrale des Roches” entführt, bevor wir uns eine zweite Nacht in diesem Paradies gönnen. Ein wirklich lohnenswerter Ausflug! Und wir sehen doch tatsächlich – Schneeberge! Auf dieser Rundfahrt haben wir ein unvergessliches Erlebnis: in Tilougguite, einem kleinen Nest, wird der regionale und wöchentliche Souk abgehalten. Diese Märkte sind immer sehr farbenfroh und es wimmelt nur so von Menschen. Da die Strasse, so wie es den Anschein macht, genau mitten durch den Markt führt, endlich eine gute Gelegenheit, das Gewusel unauffällig mit der Gopro-Kamera zu filmen! Leider biegt die Strasse kurz nach Beginn des Marktes nach rechts ab, das Filmen hat sich aber dennoch gelohnt: die Autos und Kleinbusse sind links und rechts am Rand des Weges parkiert und es wird immer enger, bis der Durchgang zu eng für MANni erscheint! Und keiner der Chauffeure in Sicht! Ich sehe schon eine lange Wartezeit auf uns zukommen, aber Armin meint, dass es reichen sollte und versucht, MANni zwischen dem Pickup und dem Kleinbus hindurch zu zwängen … Resultat dieses Manövers: auf beiden Seiten ca. 3 cm Luft zwischen Blech/Kuhfänger und Spiegel/Blech, ein etwas eingedrückter rechter vorderer Kotflügel am Pickup, welcher dem Druck von MANni’s eingeschlagenem Rad nicht standgehalten hat (was hier aber keinen zu stören scheint), viele z.T. widersprüchliche Handzeichen der vielen hilfreichen Männer – aber wir sind durch!

Im Hohen Atlas

Am letzte Oktoberwochenende werden in Europa die Uhren um eine Stunde zurückgestellt – hier in Marokko ebenfalls. Was bedeutet, dass es nun schon um 18:00 Uhr dunkel ist!!! In Spanien dann eine Stunde später, in Portugal wieder so wie hier … was die Reiserei doch kompliziert ist!

Die letzten Tage sind wir immer unterwegs gewesen. Jeden Tag einige Stunden fahren, dann rechtzeitig einen Platz für die Nacht suchen und, unterdessen ziemlich problemlos und z.T. sehr schön gelegen, auch finden, kochen, essen, Tschau Sepp spielen und schlafen gehen. Dies da wir geplant haben, am Samstag, 5.11.das Schiff nach Algeciras zu nehmen. Wir geniessen nun ganz bewusst die herrlichen, bunten Landschaften, bald werden wir uns von diesem faszinierenden Land verabschieden (müssen). Wir freuen uns aber darauf, nächstes Jahr in der glücklichen Lage zu sein, dass Marokko auf unserer Route auf dem Weg nach Südafrika liegt und wir es nochmals besuchen können. Vieles haben wir gesehen und erlebt, vieles gibt es noch zu entdecken oder nochmals zu besuchen. Wir freuen uns!

Bunte Landschaft

Nun freuen wir uns aber zuerst einmal auf Spanien und vor Allem auf Portugal. Und dann natürlich auf das Wiedersehen mit unseren beiden kleinen Schätzen zu Hause: Joel und Elina. Übrigens: Joel wird am heute, am 4.11. zwei Jahre alt, HAPPY BIRTHDAY!

Unsere Erlebnisse auf unserer Heimreise werde ich erst nach unserer Rückkehr im letzten Blog dieser Testreise festhalten. So lange muss sich der geschätzte Leser noch gedulden müssen!

Wir bleiben dran!

Besuch in Portugal, ab nach Hause und Fazit, 5.- 16. Nov. 2016

Der Abschied von Marokko fällt uns schwer, wie schon einmal erwähnt, aber die Vorfreude auf das nächste Jahr tröstet uns. Und natürlich freuen wir uns auch auf zu Hause, auf unsere Kinder und Enkel. Die Strasse zum Fährhafen in Tanger Med. schlängelt sich der Mittelmeerküste entlang, hinauf und hinunter, Kurve um Kurve, Kilometer um Kilometer. Da wir das Schiff um 11:00 Uhr erreichen und wenn möglich noch unterwegs MANni unter die Dusche stellen möchten, stehen wir schon vor Sonnenaufgang auf und sind früh unterwegs. Somit treffen wir wieder, wie schon am Vorabend, auf junge Soldaten, welche offensichtlich die Nacht biwakierend irgendwo oberhalb der Küste verbringen. Die nördlichen wie auch die südlichen Grenzen von Marokko scheinen wirklich gut bewacht zu sein! Leider finden wir auf unserem Weg keine geöffnete Waschanlage, somit muss MANni all den Dreck und Staub der letzten Wochen mit nach Europa nehmen. Hoffentlich werden wir deswegen nicht am Zoll abgewiesen! Diese Sorge erweist sich als überflüssig: abgesehen vom obligatorischen Scannen des Fahrzeuges vor der Ausreise aus Marokko, um verborgene Personen aufzuspüren und dem für LKWs ebenfalls obligatorischen Abschnüffeln durch einen recht gelangweilt erscheinenden Drogenhund, bevor diese in den Schiffsbauch fahren dürfen, werden wir weder in Marokko noch in Spanien kontrolliert. 

Die Überfahrt ist ruhig und es ist Anfangs November immer noch so warm, dass wir im T-Shirt an Deck sein können. Wir geniessen diese kurze Schiffsfahrt, auch deswegen, da es an diesem Tag so klar ist, dass beide Kontinente, welche ja nur 14 km auseinander liegen, von der jeweilig anderen Küste zum Greifen nah zu sehen sind. Die Küstenlinie von Marokko begleitet uns auch noch den Rest des Tages bis zu unserem Stellplatz in Bolonia, einem kleinen Dorf etwas nördlich von Tarifa. Und sogar in der Nacht sehen wir die Lichter von Tanger zu uns hinüberblinzeln, so wie wenn sie sagen möchten “Was geht ihr wieder zurück in den kalten Norden, bleibt doch bei uns!”. Da wir uns nicht mehr in der muslimischen Welt befinden, wo wir grösstenteils ohne die uns wohlschmeckende Droge Alkohol gelebt haben, gönnen wir uns hier im geöffneten Beizli ein Glas Wein zum  Apéro. Und somit sind wir wieder zurück in den Reihen der Geniesser dieses vergorenen Rebensaftes und der “Gedopten”!

Marokko, immer noch zum Greifen nah!

Auf unserem Weg nach Ílhavo in Portugal, wo wir zu Besuch erwartet werden, machen wir Halt in Lissabon. Hier waren wir schon 2009 mit dem Hymer und wieder stellen wir uns auf die Quaimauer beim Torre de Bélem, gut bewacht vom gegenüber liegenden Polizeiposten. Praktischerweise fährt einer der Sightseen-Buslinien hier vorbei und so sind wir einfach und ohne Parkprobleme schon bald mitten in der Stadt. Einen Tag verbringen wir hier, schlendern durch die Strassen, geniessen das Mittagessen bei Sonnenschein und immer noch angenehmen Temperaturen draussen und nehmen am Nachmittag ein TukTuk zurück zu MANni.

Lissabon

“Unser” TukTuk

Obwohl wir das westlichste Land Europas schon zwei Mal bereist haben, waren wir noch nie am westlichsten Punkt Kontinentaleuropas. Somit ist es nun an der Zeit, auch diesem doch sehr touristischen Ort unsere Aufwartung zu machen. Leider macht das Wetter nicht mit, es ist grau in grau, und so verziehen wir uns nach dem obligatorischen Foto schon bald in die Caféteria. Hier, an der Portugiesischen Atlantikküste, kennen wir einige schöne Stellplätze und an einem dieser Plätze, welcher uns speziell in Erinnerung geblieben ist, möchten wir wieder eine Nacht verbringen. Leider sind seit unserem Besuch vor sieben Jahren in grosser Zahl Halte(!)Verbotstafeln für Wohnmobile aufgestellt worden. Da wir das Risiko, vertrieben zu werden, nicht eingehen möchten, fahren wir weiter. Und dieser Entscheid wird belohnt: wir finden auf dem Parkplatz eines wunderschönen, langen Sandstrandes einen ruhigen Stellplatz, wo wir in einer der wenigen noch geöffneten Bars einen Apéro mit gratis WLAN und farbenprächtigem Sonnenuntergang geniessen können!

Sonnenuntergang auf portugisisch

Augusto ist am Mittwochabend in Ílhavo angekommen, wir erreichen den Ort am Donnerstag nach dem Mittag. Und von diesem Augenblick an werden wir bis zu unsere Abfahrt am Sonntagmorgen herumgeführt und verwöhnt. Gutes Essen (und Trinken), Bootsfahrten auf den Kanälen und Flüssen in und um Aveiro, ein Besuch im Museum einer Porzellanfabrik, ein Ausflug mit dem Zug nach Porto. Sogar ein zu Ehren des heiligen Martin abgehaltenes Dorffest mit von der Gemeinde gesponserten Marroni steht auf dem Programm. An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an Augusto, dass er sich die Zeit für uns genommen und uns seine Heimat persönlich gezeigt und näher gebracht hat!

Aveiro by night

Eine Bootsfahrt, die macht Spass!

Gestreifte Häuser in Costa Nova

Mmmh ….

Skyline von Porto

Der Rest dieser Reise ist schnell erzählt: ca. 2000 km, grösstenteils Autobahnfahrt, liegen vor uns, bis wir zu Hause sind. Und diese möchten wir bis spätestens am Donnerstag, 17.11., hinter uns lassen. Trotz dem Kilometerfressen finden wir unterwegs, jeweils nur wenige Kilometer von der Autobahn entfernt, schöne und ruhige Übernachtungsplätze und erreichen unseren “Heimathafen” Aeugst um 18:00 Uhr am Abend des 16. November, ziemlich müde von der Fahrerei, aber sicher, gesund und voller schöner Erinnerungen.

MANni hat uns ohne eine einzige Panne in knapp zehn Wochen über 11’676 km Strassen, Pisten und wegloses Gelände geschaukelt und ist uns in dieser Zeit ein bequemes und sicheres Heim gewesen. Wir freuen uns darauf, mit und in ihm die nächsten Jahre unterwegs sein zu dürfen!

Fazit Marokko

Ein Ländername, der uns Europäer an den Orient, an die Farbenpracht der Märkte und an Märchen denken lässt. Wie ist dieses Land, oft auch als Tor zu Afrika bezeichnet, wirklich? Kann es all den vielen Sehnsüchten und Vorstellungen gerecht werden?

Wir haben Marokko als sehr buntes, farbiges Land erlebt. Bunt oder farbig in vielen Bereichen, im erweiterten Sinn:

  • wunderschöne Landschaften
  • viele unterschiedlich farbige Erde
  • vom Hochgebirge zur Wüste
  • eine bunte Vielfalt von Gebirgsformen
  • Kleider und Kopftücher der Frauen in allen möglichen Farben
  • Souks, welche eine wahre Farbenexplosion sind
  • Esel in allen weiss-, grau- und schwarztönen
  • bunt aber auch die Art der Menschen
  • vielfältig die unterschiedlichen Behausungen
  • bunt und afrikanisch das Treiben auf den Strassen, besonders in des Städten
  • in allen Farben blühende “Plastikblumen” an den Büschen und im Strassengraben
  • bunt …
  • farbig …
  • vielfältig …

Dieses Land zwischen Tradition, Althergebrachtem und Moderne hat uns fasziniert und in seinen Bann gezogen. Waren wir erst doch eher skeptisch, ob wir uns in einem muslimischen Land wohl fühlen würden, haben sich unsere Befürchtungen in Luft aufgelöst. Sicher ist es gewöhnungsbedürftig, sich als Frau ohne Kopftuch unter all den “betuchten” Frauen zu bewegen. Genauso, wie es offensichtlich nicht alltäglich ist, dass sich eine Frau um die “Geschäfte” kümmert. Bei uns ist dies hier der Fall, da Armin sich noch weniger an sein Schulfranzösisch erinnern kann wie ich! Marokko ist aber auch ein Land, welches sich im Wandel befindet. In einigen Gebieten sind mehr junge Frauen ohne Kopftuch unterwegs als mit. Und auch die traditionelle Männerbekleidung, welche wir in den Dörfern noch oft sehen,  weicht bei den Jugendlichen den Jeans und der Lederjacke. Handy und Ohrstöpsel inklusive.

Auffallend auch die vielen Kinder. Überall, auch in den abgelegensten Gegenden, sehen wir – Kinder. Was uns jedoch auch aufgefallen ist, sind die vielen Schulen, auch mitten in den Bergen. Es scheint, dass viel in das Schulsystem investiert wird. Schon die Kleinsten, Jungen und Mädchen, laufen mit ihrem Tornister oder Rucksack in Scharen zum nächsten Schulhaus. Und somit sind es oft unzähliger Schulkinder oder junge Studenten, mit denen wir die Strasse teilen. Sie zu Fuss, wir mit MANni.

Die am Meisten benutzten Verkehrsmittel in Marokko sind das Sammeltaxi und der Sammelbus. Demnach sieht man auch überall Menschen, welche auf eben diese warten. Fahrpläne gibt es natürlich nicht, also stellt oder setzt man sich in die Nähe der Strasse und – wartet. Ebenfalls wartend verbringen die vielen Arbeitslosen den Tag. Natürlich, Zeit hat hier eine andere Bedeutung als bei uns, aber trotzdem fragen wir uns immer wieder, auf was warten all diese Menschen wirklich? Auf Arbeit, auf den Abend, auf bessere Zeiten? Was für eine Zukunft haben diese unzähligen Kinder, nicht nur diejenige aus Marokko? Und was bedeutet dies alles für die Zukunft von Europa?

Die Menschen in Marokko haben wir mit wenigen Ausnahmen sehr freundlich und hilfsbereit erlebt. Vor Allem im Süden haben wir oft “Welcome to Marocco, enjoy your stay!” zu hören bekommen. Auffallend, dass wir es, abgesehen von den wenigen von uns besuchten Maroc Telekom-Filialen, in den Geschäften und auf den Märkten immer mit Männern zu tun hatten! Auch mit den Behörden, allen voran mit der Polizei, hatten wir nie Probleme und wurden an den, v.a. im Süden zahlreichen Kontrollen durchgewinkt. Vielleicht liegt es daran, dass momentan wenige Touristen diesen Teil der Erde besuchen und sie von ganz Oben die Anweisung haben, die wenigen Besucher zuvorkommend zu behandeln? Wir auf jeden Fall haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt, ob an einem abgelegenen Stellplatz, in der Nähe der algerischen Grenze oder in einer Grossstadt.

Was uns doch nachdenklich gestimmt hat, ist die bittere Armut, welche speziell in den abgelegenen Berggebieten herrscht. Wir haben uns mehrmals gefragt, wie es für diese Menschen sein muss, was sie denken, wenn wir mit unserem für sie unfassbar teuren, mit Luxus ausgestatteten und mit Lebensmitteln vollgestopften Fahrzeug an ihren mit Plastikplanen und/oder Wellblech, bestenfalls mit Teppichen verkleideten Bretterverschlägen vorbeifahren! Auch das Gefälle des Lebensstandards zwischen Land und Stadt, das Nebeneinander von “Leben wie bei uns vor 50 oder 100 Jahren” und modernem, westlichem Leben ist für uns nur schwer fassbar. Was ist die Welt doch ungerecht. Aber hier beginnt auch das Dilemma: soll man etwas geben und wenn ja, was, wieviel und wem? Fragen über Fragen, auf die wir die Antworten noch suchen müssen.

Auch das Problem mit dem Müll, welcher einfach dort, wo er anfällt, weggeworfen wird, stimmt nachdenklich. Nur an wenigen Orten haben wir Abfalldeponien gesehen und diese waren auch nur Müllhaufen ausserhalb von Ortschaften, welche von Zeit zu Zeit in Brand gesteckt werden. Nur in den Städten gibt es Abfalltonnen oder -container. Wo der Inhalt schlussendlich landet, entzieht sich unserer Kenntnis…

Fazit vom Fazit: landschaftlich und kulturell gefällt uns Marokko sehr. Die Kluft zwischen Reichtum und bitterer Armut ist riesig, was manchmal nachdenklich stimmt und schon fast ein schlechtes Gewissen in uns weckt. Die Achtlosigkeit, mit welcher hier der Abfall “entsorgt” wird, ist für uns unbegreiflich. Sicher, es muss ja nicht gerade so sauber sein wie in der Schweiz, aber ein bisschen an die Umwelt denken könnte nicht schaden. Obwohl wir auch durchaus Bestrebungen gesehen haben, die Anlass zur Hoffnung geben. Und trotz der vielen ambivalenten Eindrücke haben wir dieses Land sehr genossen und freuen uns, es schon bald weiter entdecken und erfahren zu können.

Bizarre Hügel

Bunt, bunt, bunt ist die Erde …

Tief eingegrabene Dadesschlucht

Schneeberge im Hohen Atlas

Dünenlandschaft in der Wüste

 

Geröllwüste (fast) ohne Ende

Fazit Testreise

Diese Reise nach Marokko, zum Tor zu Afrika, war für uns die Testreise für unser nächstes, grosses Abenteuer: die Westroute von Marokko nach Südafrika. Die Entscheidung, die Transafrika zu versuchen, war insgeheim eigentlich schon lange vor dieser Reise gefällt worden.

Testen wollten wir Vieles, nun haben wir auf einiges Antworten erhalten und haben noch viel zu tun! Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich MANni in allen Bereichen bewährt hat. Wir können uns kein besseres Fahrzeug für unser Unternehmen vorstellen, wenn es auch ein paar wenige, kleine Details gibt, welche wir anders konstruiert hätten. Und von der Geländegängigkeit und der Motorleistung sind wir schlichtweg beeindruckt. MANni kann mehr, als wir können oder uns getrauen, da sind wir uns sicher! Und auch wenn sein Lebenssaft das grösste Loch in unser Budget reisst: mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 25 l auf 100 km können wir uns nicht beklagen!

Folgend einige Sachen, welche wir ändern oder ergänzen müssen resp. möchten:

  • wir möchten mehr bewegte Bilder festhalten, also filmen
  • mehr Fotos von uns beiden, obwohl wir überhaupt keine Selfie-Typen sind!
  • mehr Fotos, welche eine gewisse Dynamik haben, resp. unser Erleben besser widerspiegeln (MANni in Fahrt, bei schwierigen Passagen etc.)
  • eventuell einige Änderungen, resp. Erneuerungen an MANni vornehmen, wie neue Stossdämpfer oder andere Reifengrösse
  • die Erwartungen an regelmässige Blogbeiträge senken, da ich mich keinem zusätzlichen, unnötigen Stress aussetzen möchte und wir hier auch vom nicht immer vorhandenen Internet abhängig sind
  • Wir selber möchten mehr auf die Menschen zugehen, uns mehr öffnen. Etwas, was wir uns in der westlichen Welt nicht (mehr) gewöhnt sind
  • mehr lang haltbare Lebensmittel mitnehmen, auch solche, welche wir als Dank für eine Einladung oder zum Tauschen brauchen können

Sicher gibt es noch einiges, was aufgezählt werden könnte, belassen wir es aber bei diesen wenigen Punkten.

Besonders Armin konnte seine Fahrkünste verbessern und sein Vertrauen in das Fahrzeug stärken. Auch ich fühle mich am Steuer sicher, solang die Passagen nicht zu schwierig sind, sprich, nicht über Stock und Stein gefahren werden muss.

Testen wollten wir auch, ob wir es uns überhaupt vorstellen können, in einer uns so fremden Kultur unterwegs zu sein, praktisch dort zu leben. Viele Länder der Erde, nicht nur in Afrika, sind muslimisch oder durch eine uns fremde Religion und Kultur geprägt und dadurch in Vielem total anders als wir es kennen. Auch dieser Test ist erfolgreich verlaufen und wir beide sind sicher, dass wir uns überall auf der Welt wohl fühlen werden.

Somit steht unserem Vorhaben von unserer Seite her nichts mehr im Weg. Und mit etwas Glück und viel Durchhaltevermögen werden wir es auch schaffen. Da sind wir sicher. Drückt uns die Daumen!

Ein Regenbogen als Zeichen für das gute Gelingen der Reise?

Ganz wichtig ist uns noch folgender Hinweis: wer Vorschläge oder konstruktive Kritik zum Blog, den veröffentlichten Fotos oder den Beiträgen anbringen möchte, ist hiermit aufgefordert, dies zu tun!

Und noch etwas in eigener Sache: immer wieder wurden wir gefragt, ob wir nicht Kleider zum Geben, auch zum Tauschen, dabei haben. Das hatten wir dieses Mal nicht, wissen jedoch, dass wir bei unserer Fahrt durch Afrika, nicht nur in Marokko, öfters mit dieser Bitte konfrontiert sein werden. Deshalb: wer gute, nicht mehr getragene Kleider hat, v.a. auch Kinderkleider in allen Grössen, T-Shirts, Pullover und Jacken (diese durchaus auch für Erwachsene), kann sich bei uns melden. Wir werden auf unsere Reise mindestens eine Kiste voll davon mitnehmen!

Und weiterhin gilt: WIR BLEIBEN DRAN! Und geniesst das Leben!

Bis bald, irgendwann. Dann, wenn es wieder etwas zu erzählen gibt …

Penny, Armin und MANni

www.pdf24.org    Send article as PDF   

8 Kommentare

  1. Walter Walter
    15. November 2016    

    Hallo ihr Beiden,
    wir haben mit euch zusammen die Stadtführung durch Fes gemacht. Wir waren uns sicher, dass wir uns irgendwo auf unseren Routen wiedersehen, zumal wir, wie wir in euren Blog nun lesen, fast die gleichen Ziele hatten. Wir sind übrigens wie ihr am 5. November wieder auf’s Schiff, ihr nach Spanien, wir nach Genua. Eine schöne und wundervolle Reise ist nun zu Ende gegangen und jetzt frieren wir uns hier erst einmal den A… ab.
    Macht es gut und kommt wieder gesund und sicher nach Hause,
    viele Grüße vom Bodensee, Irma und Walter

  2. Augusto Correia Augusto Correia
    4. Oktober 2016    

    Salü Armin & Penny

    Das ist so schön die Fotos und Bericht so interessant.
    Ich freue mich auf Eure besuch bei mich im Portugal dort bin ich von 9 November bis 27.

    Genisst, und als gut

    und sonnigen Grüssen aus Niederernen,

    Augusto

    • Penny & Armin Penny & Armin
      26. Oktober 2016    

      Hallo Augusto
      Wir haben nun den südlichsten Punkt Plage Blanche unserer Reise erreicht und sind nun auf Nord-Kurs.
      Ich denke wir werden so um den 10 Nov. bei dir in Portugal eintreffen, wir freuen uns.
      Wir melden uns sobald wir das genaue Datum wissen.

      Allen einen lieben Gruss
      Armin & Penny

  3. Stucky Monica Stucky Monica
    26. September 2016    

    Hallo Penny und Armin
    so spannend…..ich freue mich riesig auf Eure weiteren Berichte. Die Bilder sind wunderschön! Ich freue mich sehr für Euch, geniesst es weiterhin und viel Glück!
    Liebe Grüsse
    Monica

    • Penny & Armin Penny & Armin
      26. Oktober 2016    

      Hallo Monica
      Wir haben nun den südlichsten Punkt Plage Blanche unserer Reise erreicht und sind nun auf Nord-Kurs.
      Im Moment sind wir in Marrakesch und geniessen die angenehme Wärme 27°
      Wir geniessen es!

      Lieber Gruss
      Armin & Penny

  4. Martinaustirol Martinaustirol
    19. September 2016    

    Hoi, super, dass Ihr nun unterwegs seid! Bin gespannt auf Eure weiteren Berichte mit vielen Fotos, aber lasst Euch von mir nicht stressen!
    Alles Liebe und immer eine Handbreit Luft unterm Diff!

    • Penny & Armin Penny & Armin
      26. Oktober 2016    

      Mallo Martin
      Wir haben nun den südlichsten Punkt Plage Blanche unserer Reise erreicht und sind nun auf Nord-Kurs.
      Den Tipp mit dem handbreit Luft haben wir bis jetzt ernst genommen.

      Das mit den Fotos wird noch einen Moment in Anspruch nehmen.

      Liebe Grüsse aus Marokke an die ganze Familie

      Armin & Penny

  5. 18. September 2016    

    Scheiss geiler scheiss…
    Ich bin richtig aufgegangen auf eurer Seite und Blog…
    Freue mich auf mehr…
    Hug und Knutsch euch… so geil… 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.