Weltreise

Mission erfĂŒllt 😉

12.09. – 19.10.2021

Tanzania – Kenia

WĂ€hrend der letzte Blogeintrag am Lake Victoria geschrieben wird, ist im Garten des Yacht Clubs von Mwanza so einiges los. Zahlreiche Partyzelte sowie eine BĂŒhne werden aufgebaut und geschmĂŒckt, riesige Lautsprecher in Position gebracht, Lichterketten aufgehĂ€ngt und in der KĂŒche wird fleissig gerĂŒstet, geschnetzelt und die DĂŒfte, welche von dort zu uns herĂŒberwehen, lassen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen 
 Alles deutet darauf hin, dass hier eine Hochzeit stattfinden soll 
 aber am Sonntagabend?

Bis zum spĂ€teren Nachmittag wird emsig gearbeitet und kurz bevor wir ins benachbarte Tilapia Hotel zum Nachtessen aufbrechen, erscheinen immer mehr elegant gekleidete Leute 
 kurz darauf dröhnen wummernde BĂ€sse zu uns herĂŒber – wir stellen uns mal auf eine lange, laute Nacht ein 


Das Fest ist noch in vollem Gang, als wir satt und zufrieden wieder zu unserem GefĂ€hrt zurĂŒckkehren. Da sowieso nicht an Schlaf zu denken ist, setzen wir uns mit Kaffee, respektive Tee und einem Brandy hin und nehmen als ZaungĂ€ste an den Festlichkeiten teil. Mitreissende und sehr laute Musik beschallt uns, immer wieder vom «Moderator» unterbrochen, der mit Mikrofon bewaffnet die Gesellschaft durch den Abend fĂŒhrt.

Es ist schon etwa neun Uhr, als die KĂŒchenmannschaft das Buffet mit allerlei Köstlichkeiten bestĂŒckt und das spĂ€te Mahl beginnt. Als erstes dĂŒrfen sich die Brautleute bedienen – die Braut mit zwei Tellern voraus, welche immer mehr ĂŒberfĂŒllt werden, der BrĂ€utigam hinter ihr mit den Servietten in der Hand, welche er dann auch noch fallenlĂ€sst 
 hier sind die Rollen schon von Beginn weg ganz klar verteilt 😉!

Als alle GĂ€ste ihre ĂŒberhĂ€uften Teller mehr oder weniger geleert oder gar den Nachschlag verputzt haben, wird das Buffet wieder abgebaut – und die gesamte Hochzeitsgesellschaft bricht auf und zieht von Dannen đŸ˜Č – wir sind ganz verblĂŒfft! Schon um 23:00 Uhr ist es ruhig, wir sind wieder alleine und sinken bald darauf in die Federn 


Wir sind noch nicht schlĂŒssig, ob wir auf dem Weg von hier zum Kilimanjaro durch die Serengeti und entlang des Ngorongoro Kraters fahren sollen. Wir wissen, dass die Eintrittspreise fĂŒr die Parks hier in Tanzania horrend hoch sind, hoffen jedoch, dass jetzt wĂ€hrend Corona eine Reduktion gewĂ€hrt wird. Im Internet ist nichts darĂŒber zu finden – am besten gleich bei einem der Gates nachfragen. Und so machen wir uns am Montag auf den Weg in die Richtung, nach Musoma am Lake Victoria. Die Landschaft gefĂ€llt uns, mal ist es flach, mal schön hĂŒgelig. Es ist sehr fruchtbar – nicht nur der Boden wirft eine reiche Ernte ab, auch die Bevölkerung vermehrt sich zahlreich 😉 


Die Strasse nach Musoma fĂŒhrt fĂŒr einige Kilometer am Serengeti NP entlang (ohne Zaun, die Tiere können also zum See wandern 😊). Wir sehen doch tatsĂ€chlich einen grossen Elefantenbullen gemĂŒtlich in Richtung Strasse ziehen 😊 und Gnus weiden gelassen in der weiten Steppe.

Nach einer ruhigen Nacht in Musoma fahren wir zum Eingang des NP zurĂŒck und fragen mal direkt nach den Kosten fĂŒr den Transit durch die Serengeti – leider gibt es hier keinen Covid-Rabatt und knapp 600 USD fĂŒr 24 Stunden sind uns definitiv zu teuer. Vor Allem auch, da wir nicht in einem Tag den Park durchqueren können, somit auch noch zusĂ€tzliche GebĂŒhren fĂŒr die Übernachtung sowie die Consevation Fee fĂŒr das Ngorongoro-Schutzgebiet anfallen – schade â˜č! Schön ist aber, dass nur ca. 100 Meter vom Parkplatz entfernt einige grosse Elefanten im Wald stehen 


So nehmen wir den grossen und langen, jedoch nicht unerwarteten Umweg um den Nationalpark in Richtung Arusha unter die RĂ€der. Erst am spĂ€teren Nachmittag finden wir, wieder einmal dank i-overlander, einen Platz, wo wir uns fĂŒr die Nacht hinstellen können – entlang der Hauptverbindungsrouten ist das gar nicht so einfach, denn Weide- und LandwirtschaftsflĂ€chen sowie die zahlreichen Streudörfer lassen kaum eine freie FlĂ€che ĂŒbrig.

Auch die Weiterfahrt durch die Steppe ist landschaftlich abwechslungsreich. Als wir uns dem Ostafrikanischen Grabenbruch nĂ€hern, erspĂ€hen wir durch den Dunst die fast perfekte Pyramide des Mount Hanang direkt vor uns, welche sich beim NĂ€herkommen immer deutlicher in den Himmel reckt. Leider ist die Luft so diesig, dass wir die fantastische Weitsicht entlang der Abbruchkante meistens nur erahnen können 
 was wir jedoch umso deutlicher sehen, sind die zahlreichen «Wegelagerer», welche in Gestalt von Polizisten vor fast jedem Dorf entlang der Strasse zu finden sind 😉 


Unangenehm sind die vielen «schlafenden Polizisten», welche uns in Form von mehr oder weniger hohen und breiten Speed Bumps das Fahren mĂŒhsam machen – vor Allem auf den geteerten Strassen befinden sich diese vor, zu mehreren in und nach jedem Dorf 
 gefĂ€hrlich sind die Überlandbusse, welche mit horrendem Tempo selbstmörderisch alles ĂŒberholen, was auch nur ein wenig langsamer als sie unterwegs ist. Falls mich Armin je einmal in einen solchen Bus verfrachten sollte, weiss ich, dass er mich auf einfache Weise und ohne Risiko loswerden will 😉.

Am Lake Babati soll es einen schönen Platz geben, wo man sich auch mit einem grossen Fahrzeug wild hinstellen kann – war bis vor kurzem wahrscheinlich auch so, nun versperrt ein tiefhĂ€ngendes Kabel die Zufahrt â˜č. So landen wir auf dem Parkplatz des ehemaligen Royal Beach Hotel (heute nur noch ein Restaurant), ruhig und schön am Ende einer Landzunge am Ufer des Sees gelegen.

Und hier erleben wir wieder einmal richtiges Afrika: da es ein Restaurant ist, möchten wir hier auch zu Abend essen. Wir entscheiden uns fĂŒr Fisch und freuen uns darauf, den schon bald verspeisen zu können – wir haben nach dem langen Tag Hunger! Leider, leider ist der Fisch fĂŒr heute ausgegangen 
 schade, aber dann mache ich eben was im MANni, wir trinken nur noch unser Bier aus (eigentlich hĂ€tten wir gerne ein Glas Weisswein getrunken, aber keiner hier denkt daran, dass dieser kalt gestellt werden sollte 😉) 
 wir sind noch nicht fertig und der Koch kommt an den Tisch – wenn wir Fisch möchten, er kann welchen im Ort besorgen, in ca. 20 – 30 Minuten können wir essen 
  das ist doch ein Wort, denn hier am See wird es wohl frischen Fisch geben 
 Na ja, wir wissen ja, dass die Uhren hier in Afrika anders ticken als bei uns – wir wappnen uns mit Geduld 
 und warten 
 und warten 
 nach ca. einer Stunde kommt die Serviertochter und «gesteht» zerknirscht, dass der Fisch immer noch nicht eingetroffen ist, es also noch weiter dauert 
 mittlerweile ist es schon nach 20 Uhr und der Magen knurrt. Wir stornieren leicht verĂ€rgert die Bestellung und ich mache uns noch einen schnellen Imbiss im MANni, bevor wir mĂŒde und immer noch leicht verstimmt zu Bett gehen 


Am nĂ€chsten Morgen werden wir mit Entschuldigungen ĂŒberhĂ€uft – die Amerikanische PĂ€chterin, der Koch, der KĂŒchengehilfe – und bekommen als frĂŒhes Mittagessen (oder spĂ€tes FrĂŒhstĂŒck) je einen Teller frischgekochte KĂŒrbissuppe zum MANni serviert 
 der gute Wille ist ja da und so entscheiden wir uns, dem Fisch aus dem Lake Babati noch eine zweite Chance zu geben 
 welcher uns am Abend auch zur gewĂŒnschten Zeit serviert wird – zusammen mit einer Flasche kalten Weissweins, welche die PĂ€chterin auf meinen Wunsch hin höchstpersönlich am Morgen fĂŒr uns in den KĂŒhlschrank gestellt hat 😉!

Wie an so manchem Ort fehlen auch hier die Touristen und die Touren-Anbieter stĂŒrzen sich auf jeden Bleichling, der auftaucht. So auch Eric, welcher uns doch noch erweichen kann, mit ihm eine Kanufahrt auf dem See zu machen, um die Hippos in einer gegenĂŒberliegenden Bucht zu besuchen 
 schon das Einsteigen in die schwimmende Nussschale ist ein Abenteuer, denn das lange, schmale Ding neigt dazu, jeweils auf der einen Seite mit dem Rand der WasseroberflĂ€che gefĂ€hrlich nahe zu kommen, ist die Gewichtsverteilung der Passagiere nicht optimal austariert 
 Schwimmwesten gibt es hier keine und Eric meint auf einen entsprechenden Hinweis von Armin nur lakonisch und schmunzelnd, dass wir sicher gute Schwimmer sind 😉 


Kraftvoll paddelt er uns ĂŒber den See und weiss allerlei Interessantes ĂŒber den See, die Hippos und die Gegend zu erzĂ€hlen. Sicher bringt er uns wieder zurĂŒck und trotzdem es ein schöner Ausflug war sind wir froh, wieder festen Boden unter den FĂŒssen zu haben 😉.

Arusha, Touristenhochburg und Ausgangspunkt fĂŒr die diversen berĂŒhmten Nationalparks und Trekkings in Tanzania. Schon auf dem Weg von Babati nach Arusha fallen die immer zahlreicher uns entgegenkommenden Safarifahrzeuge mit ihrer zahlungskrĂ€ftigen, meist bleichen Fracht auf. Leider fallen auch die unangenehmen Offiziellen auf – konnten wir bis jetzt die Weight Bridges, also die WĂ€gestellen, links liegen lassen, werden wir vor Arusha, nachdem wir wieder an einer vorbeigefahren sind, von einem Pick Up eingeholt, ĂŒberholt und zum Anhalten aufgefordert. Wir hĂ€tten, wie alle LKWs, ĂŒber die Waage fahren sollen und mĂŒssen nun zurĂŒckfahren 
 alles Diskutieren und alle EinwĂ€nde, dass wir ja an der ersten Weight Bridge in Tanzania extra gefragt haben und da unser Truck nicht kommerziell genutzt wird, auch nicht ĂŒber die Waage mĂŒssen, nĂŒtzen nichts – wir mĂŒssen die 10 Kilometer zurĂŒck. «Kulanterweise», wie der Beamte meint, werden wir, trotz unseres Vergehens, nicht gebĂŒsst 


Da sich das Einkaufen in diesem Land eher als schwierig erweist, sind wir froh und dankbar, hier in Arusha wieder einmal in einem gut sortierten Supermarkt alles unter einem Dach zu erhalten. Und gleich nebenan kann auch MANni’s Durst gestillt werden 😉.

Arusha ist nicht eben ein Ort, in dem die Campingmöglichkeiten zahlreich sind – und da Kirsten und Andreas auf einer mehrtĂ€gigen Safari in die Serengeti sind und ihr Truck somit verwaist auf einem der wenigen Stellmöglichkeiten in der Stadt steht, sehen wir keinen Grund, uns lĂ€nger hier aufzuhalten. Etwas oberhalb der Stadt, am Hang des Mount Meru, soll es ein Backpacker mit Campingmöglichkeit geben, welches auch mit einem «big rig» angefahren werden kann 
 holperig und ausgewaschen ist die breit Piste, welche durch die HĂ€user und Plantagen den Berg hinauffĂŒhrt. Die Anwohner staunen und fragen sich sicher, wo diese verrĂŒckten Mzungus mit dem Riesenteil denn hinwollen 


Als wir bei der angepeilten Adresse ankommen, entpuppt sich das Backpacker als Schule, welche jedoch tatsĂ€chlich ĂŒber ein «Camp» verfĂŒgt (so wie es aussieht, kann man sich also tatsĂ€chlich dort hinstellen!) – die Zufahrt ist jedoch so zugewuchert und mit tiefhĂ€ngenden Ästen versperrt, dass wir keine Chance haben, da durchzukommen â˜č! Da es schon (wieder einmal) spĂ€terer Nachmittag ist und wir nicht in die Stadt zurĂŒck möchten, gibt es nur noch eine Möglichkeit – zurĂŒck nach unten und zu einem nahegelegenen Sport Club, wo es ebenfalls eine Stellmöglichkeit geben soll – hoffentlich wirklich auch fĂŒr gröberes GeschĂŒtz 😉!

Zuerst mĂŒssen wir jedoch wieder zur Hauptstrasse zurĂŒck und da ein Teil der Piste, welche wir gekommen sind, neu gemacht wird, nehmen wir diesen Weg weiter und nicht denselben, den wir gekommen sind 
 nur um uns nach wenigen Kilometern breiter, schöner Piste auf einem schmalen Weg, der auf kleinen BetonbrĂŒcken ĂŒber erstaunlich tiefe und schmale Bacheinschnitte fĂŒhrt (falls diese zu schwach sind, bleibt MANni wenigstens ziemlich sofort zwischen den Felsen hĂ€ngen 😉), inmitten von Bananenplantagen, sonstigem GestrĂŒpp, und mit (zu) tief hĂ€ngenden Kabeln wiederzufinden und uns zu fragen, ob das jetzt eine gute Idee war 
 Armin muss zweimal aufs Dach steigen und Kabel befreien. Zu guter Letzt ist bei einer «Baustelle» ein Seil ĂŒber den Weg gespannt, die jungen «Bauarbeiter» möchten fĂŒr die Durchfahrt einen Obolus und lassen uns erst durch, als Armin zweimal hupt und Anstalten macht, trotz Seil weiterzufahren. Der entgegenkommende Motorradfahrer, der ebenfalls den Kopf ob dieser Frechheit schĂŒttelt, bedankt sich mit erhobenem Daumen bei uns und grinst ĂŒber das ganze Gesicht😊. Die danebenstehende Jugend skandiert «give me my money» – als ich ihnen sage, sie sollen doch mir Geld geben, bejahen sie, wissen jedoch offensichtlich nicht, wie ich das meine 😉 


Erleichtert atmen wir auf, als wir die Teerstrasse erreichen – nur um bald darauf wieder in eine brenzlige Situation zu geraten 
 Der Weg zum erwĂ€hnten Sport Club an einem kleinen Kratersee fĂŒhrt auf einer nicht allzu breiten Piste durch BĂ€ume, deren Äste jedoch kein Hindernis darstellen. Am See angekommen, entpuppt sich das Camping als liebloser Stellplatz neben einer nicht eben einladend erscheinenden Bar, aus der laute Musik dröhnt – aber weiter vorne soll es ja auch noch eine Stellmöglichkeit geben 
 schon bald wird der Weg schmaler, die Äste eines Baums schrammen beim Durchfahren ĂŒber unsere Solarpanels und brechen ab 
 und wir merken mit Schrecken, dass wir in eine Sackgasse geraten sind – vor und links von uns ein höherer Erdwall, rechts ein eingezĂ€untes Haus 
 Endstation! Zum GlĂŒck ist das Tor zum Haus offen und recht breit und so gelingt es meinem Fahrer, MANni gerade mal zu wenden – gut gemacht 😊!

Leider sind die Äste des grossen Baums so abgebrochen, dass die EndstĂŒcke auf dem RĂŒckweg unter die Panels geraten und eines davon gefĂ€hrlich durchgebogen wird 
 dieses Mal steige ich aufs Dach, ganz zum Erstaunen und zur Belustigung der drei Frauen, die des Weges kommen und versuche, die Aststummel ĂŒber das Dach zu stemmen – keine Chance, zu dick und schwer â˜č. Plötzlich merke und bemerke ich, dass ich nicht mehr alleine hier oben bin – ein mit einer Machete bewaffneter Mann ist behĂ€nde hinaufgeklettert und beginnt auf die Äste einzuhacken – und schon bald hat er uns aus dieser dummen Situation erlöst 😊! Nur mit GlĂŒck ist keines der Panels beschĂ€digt worden 


Jetzt haben wir genug der Abenteuer fĂŒr heute und stellen uns doch auf den unfreundlichen Platz beim Club, genehmigen uns mal zum Herunterfahren ein Bier, bevor wir uns unter die ziemlich erbĂ€rmliche und heruntergekommene Dusche stellen 


Kilimanjaro, wir kommen 😊! Die Idee, eine Trans-Afrika zu unternehmen, ist uns nach der Besteigung dieses Giganten gekommen – und die Idee, diesen Berg zu besteigen hatten wir nur, weil mein Grossonkel 1914 der erste Schweizer auf dem Berg war 😊! Damals ist er auf der Jagd auch ein StĂŒck weit, fast bis zur Kenianischen Grenze, um den grossen Vulkan herumgereist – nun, da wir wieder da sind, möchten wir auch hier etwas auf seinen Spuren wandeln. Es gib eine «Ringstrasse», welche um das Massiv fĂŒhrt und so sind wir schon bald dorthin unterwegs. Auf guter Teerastrasse gleiten wir nach Nordosten, immer an den untersten HĂ€ngen des Bergriesen entlang. Leider sehen wir diesen nicht, denn die Wolken sind zahlreich, dicht und kommen bis tief hinunter.

Wir stellen uns bei der Simba Farm / Lodge auf den schön unter BĂ€umen gelegenen Camping hin. Ganz unerwartet finde ich im Informationsordner der Lodge / Farm eine Kopie eines handgezeichneten Plans, wo ich die Namen «Weber» und «Schlobach» lese – Namen, welche mir aus den Briefen meines Grossonkels gelĂ€ufig sind. Wir sind doch tatsĂ€chlich genau in der Gegend gelandet, wo er damals ebenfalls einige Tage auf der Nachbarsfarm verbracht hat 😊!

Unsere «Mission» ist aber damit noch nicht beendet – der Berg will noch ganz umrundet werden und so brechen wir schon bald wieder auf. Die Landschaft um den Kilimanjaro herum gefĂ€llt uns – es ist hĂŒgelig, wir haben eine schöne, wenn auch nicht sehr klare Sicht in die Weiten der Kenianischen Steppe und durchqueren die AuslĂ€ufer des UrwaldgĂŒrtels. Und hier begegnet uns eine einzelne Giraffe – eine schöne Massaigiraffe 😊.

Wie schon 2014 logieren wir im Marangu Hotel im gleichnamigen Dorf – dieses Mal aber nicht in einem der Zimmer, sondern auf dem hinter dem Hotel gelegenen, kleinen Camping. Wir sind die einzigen GĂ€ste 


Unterdessen ist es bald Ende September und wir sind dabei, die Verschiffung nach Genua zu organisieren. Da das Wetter in den nĂ€chsten Tagen keine Kibo-Sichtung verspricht, macht es fĂŒr uns keinen Sinn, noch lĂ€nger hier zu warten. Unterwegs zur KĂŒste möchten wir noch an den Lake Jipe am Fuss der Pare Berge und in die Usambara Berge, dahin, wo auch mein Grossonkel auf seiner Reise mit der Eisenbahn von Tanga nach Moschi einen Zwischenhalt gemacht hat.

War es in Marangu noch angenehm kĂŒhl, wird es in der Ebene unten wieder spĂŒrbar wĂ€rmer. Schon um die Mittagszeit haben wir unser Tagesziel erreicht – das Sumpfgebiet am Rand des Lake Jipe. Hier stellen wir uns auf die grosse, ebene FlĂ€che zwischen Piste und GewĂ€sser, umgeben von Palmen und Baobabs und winken fröhlich all den Leuten zu, welche vorbeifahren oder -laufen und sich sicher fragen, was diese Mzungus denn in ihrem Fahrzeug haben und was sie hier machen?

Weiter geht es auf den Grossonkel’schen Spuren 😉 
 immer entlang der alten Bahnlinie in Richtung Tanga. Hie und da sehen wir die Ruinen der ehemaligen Bahnhöfe, staunen ĂŒber die felsigen und schönen Pare Berge, lassen den Blick ĂŒber die riesigen Sisalplantagen schweifen, sehen in der Ferne die aus der weiten Ebene aufragenden Vulkankegel – alles ist so, wie schon vor mehr als 100 Jahren beschrieben 😊!

Die Usambara Berge ragen steil aus der Ebene empor und die schmale Strasse schlĂ€ngelt sich dort hinauf. Im ehemaligen Willhelmsthal, heute Lushoto, gibt es doch ein paar Örtlichkeiten, wo man sich hinstellen kann. Wir entscheiden uns fĂŒr den Parkplatz des Irente Clip View Hotels, welches sich an der Kante der Berge befindet und so eine atemberaubende Aussicht in die Massai-Steppe bietet. Auch der Sonnenuntergang hier oben kann sich sehen lassen 


Je nĂ€her wir der KĂŒste kommen, desto heisser, schwĂŒler, grĂŒner, ĂŒppiger und tropischer wird es. Etwas sĂŒdlich von Tanga möchten wir fĂŒr ein paar Tage am Strand verbringen und die Peponi Beach Lodge scheint dazu genau der richtige Ort zu sein. Erstaunt sind wir, als wir die breite Schneise durch den Urwald sehen, welche die neue, direkte Verbindung von Mombasa nach Dar es Salam sein wird – den Chinesen sei Dank!? Unterwegs kommen wir an BrĂŒcken in allen erdenklichen Bauphasen vorbei, fast so wie in Angola 😉. Nur wird hier, im Gegensatz zu Angola, fleissig daran weitergebaut 


Am Peponi Beach stehen wir unter schönen, grossen, schattenspendenden BĂ€umen, spannen unsere HĂ€ngematten direkt vor unserer HaustĂŒre mit Blick auf den Indischen Ozean zwischen solchen auf, machen lange StrandspaziergĂ€nge, essen in der benachbarten Capricorn Lodge feine Pizza, kaufen dort gutes, hausgemachtes Brot (welches auch wirklich als Brot bezeichnet werden kann 😉!), freuen uns ĂŒber die fangfrischen Langusten und lassen uns die grosse Seezunge vom VerkĂ€ufer fein sĂ€uberlich filetieren 
 ein Paradies auf Erden 😊!

Obwohl das Wasser schön warm ist, die reinste Badewanne, entspricht die maximale Tiefe ebenfalls einer Badewanne – bei Flut reicht es, um sich hinzusetzen, schwimmen ist, ohne sich die Knie aufzuschĂŒrfen, jedoch kaum möglich 
 Leider ist auch hier, wie an den meisten Orten auf diesem Kontinent, das Ausmass der Umweltverschmutzung nur allzu deutlich sichtbar – Plastik in allen erdenklichen Formen, Farben und Grössen, zerfetzte Kleidung, allerlei MĂŒll wird angeschwemmt oder hĂ€ngt auf den Felsen, zwischen den Wurzeln und an den Ästen der Mangroven â˜č 


Hier, an diesem idyllischen Ort, widmen wir uns am Sonntag dem mĂŒhsamen Prozedere des e-Visums fĂŒr Kenia. Einige der zu machenden Angaben sind unseres Erachtens unwichtig um zu beurteilen, ob ein Visum ausgestellt werden kann oder nicht 
 warum ist es wichtig, wie die Eltern heissen und ob sie noch leben oder nicht??? Wie es sich fĂŒr ein e-Visum gehört, kann – nein, MUSS dieses online mit Kreditkarte bezahlt werden. Klappt beim Visum fĂŒr Armin alles problemlos, bei meinem ist irgendwie der Wurm drin 
 schlussendlich ist aber auch dieser Antrag ausgefĂŒllt, abgeschickt und bezahlt. Nun hoffen wir, das Visum in den nĂ€chsten Tagen zu erhalten 
 und sind masslos erstaunt, es schon nach zwei Stunden zu haben!

Da wir gehört haben, dass die Polizei in Kenia alles Mögliche versucht, um Touristen abzuzocken und auszunehmen, alles Unmögliche an den Haaren herbeizieht, um eine Busse zu erteilen, möchte Armin unbedingt noch den aussen stark abgefahrenen linken Vorderreifen auf der Felge drehen. Und so ist das Vormittagsprogramm vom Montag auch schon gebucht.

Jeweils nach Einbruch der Dunkelheit erwachen viele der tagsĂŒber herumliegenden Muscheln und SchneckenhĂ€user zum Leben und wir mĂŒssen vorsichtig sein, keine zu zertrampeln. Es sind die kleinen Krebse, welche ihren ungeschĂŒtzten Hinterleib in eine verwaiste Muschelschale stecken, wĂ€hrend der Nacht auf Futtersuche gehen und so filigrane und bizarre Muster in den Sand zeichnen 😉.

Wir bleiben bis am Freitag an diesem friedlichen Ort, abgesehen von zwei NĂ€chten sind wir alleine. Meistens ist es schön und warm, wenn auch windig. Hie und da zieht ein kurzer Regenschauer ĂŒber uns hinweg, welche kaum den Boden nass machen. Die kleine Regenzeit hĂ€lt sich immer noch zurĂŒck 


Am Freitag, 01. Oktober, verlassen wir diesen friedlichen Ort und fahren nach Tanga, damit wir dann am Sonntag nach Kenia weiterreisen können. Der Wechsel auf das neue Carnet de Passages erfolgt am Einfachsten an einer Grenze – im alten Carnet das Land ausstempeln und fĂŒr das nĂ€chste Land das neue Carnet ĂŒber den Tresen schieben. Ich bin mir sicher, das Anschlusscarnet ist ab dem 03.10.2021, also ab Sonntag gĂŒltig …

Wir erreichen die Stadt kurz vor dem Mittag und gehen als Erstes mal in die Pizzeria Amore. Das Gasthaus gehört Hans, einem ausgewanderten Berner, und so sind wir natĂŒrlich schon bald mit ihm am Plaudern. Netterweise klĂ€rt er fĂŒr uns ab, ob wir fĂŒr Kenia wirklich einen PCR-Test haben mĂŒssen (man hört und liest diesbezĂŒglich Verschiedenes) – wir mĂŒssen â˜č und so melden wir uns gleich noch online dafĂŒr an. Hans nimmt uns auf dem Weg zum Einkaufen gleich zum Hospital mit, welches sich einige hundert Meter von hier befindet. Heute ist Freitag und da an der KĂŒste der Islam weit verbreitet ist, ist es nicht erstaunlich, dass der Laborant / Arzt (?) gerade beim Beeten ist 
 aus den angesagten 5 Minuten bis zu seiner RĂŒckkehr werden ganz unafrikanisch nur deren 15 😉 


Leider können wir nicht im Hof des Amore stehen, da Hans die Camping-Lizenz nicht hat, und dislozieren deshalb zu einem nahegelegenen Hotel. Was uns jedoch nicht davon abhĂ€lt, am Abend zu Fuss nochmals dort essen zu gehen 


Am Sonntagmorgen erhalten wir das Testresultat – jetzt brauchen wir das nur noch ausgedruckt und dann steht der Weiterreise nach Kenia nichts mehr im Weg 
 ausser, dass ich am Morgen bemerke, dass das Carnet erst ab dem 04. Oktober, also ab Montag, gĂŒltig ist 
 na ja, wir konnten ja auch schon in LĂ€nder einreisen, bevor das Visum gĂŒltig war, warum sollte es hier anders sein 😉? Nur den stempelnden Officer nicht darauf aufmerksam machen 


Um uns fĂŒr das Grenzabenteuer Kenia zu wappnen, stĂ€rken wir uns nochmals bei Hans mit einer lekker Pizza. Wie schon von Botswana nach Sambia befinden sich die beiden ZollĂ€mter hier in einem GebĂ€ude, was die ganze mĂŒhsame Prozedur doch nicht unerheblich erleichtert. Die Dame, welche uns das alte Carnet ausstempelt soll, ist heillos ĂŒberfordert und muss erst einmal telefonisch Hilfe anfordern. Der junge Mann, welcher uns das neue Carnet einstempeln soll, begreift zuerst nicht, warum wir den Stempel unbedingt im neuen Carnet möchten – das alte ist ja noch zwei Wochen gĂŒltig? Schlussendlich, und ebenfalls mit Hilfe des Chefs, ist auch das erledigt und er ist sogar mit uns hinausgekommen, um die Farbe des Trucks und das Kontrollschild zu verifizieren 😉! Bis jetzt sind wir schon eine gute Stunde hier am Zoll 
 nur noch die PĂ€sse erledigen und dann 
 haben wir das letzte Land dieser langen Afrikareise erreicht!

Es ist spĂ€ter, als uns lieb ist, als wir endlich die Strasse in Richtung Mombasa unter die RĂ€der nehmen. Da sich auch hier die Strassenplaner und/oder -bauer einen Spass damit machen, möglichst viele Tempokiller in Form von Speed Bumps in unregelmĂ€ssigen AbstĂ€nden und zum Teil an unmöglichen Orten zu verteilen, ist die Fahrerei mĂŒhsam und wir kommen nicht recht voran. So ist es dann auch schon fast ganz dunkel, als wir unser Ziel, die Twiga Lodge bei Diani Beach, erreichen 


Auch hier, an der Tiwi Beach, sind wir in einem Paradies. MANni steht direkt hinter dem Sandstrand halb unter BĂ€umen, nur zwei andere CampinggĂ€ste sind hier und das Restaurant hat kaltes Bier, kaltes Savannah und guten Wein sowie eine gute KĂŒche, das Wasser erlaubt bei Flut gar das Schwimmen und Schnorcheln 
 aber eben, wir stehen am Meer und so ist alles immer leicht feucht, salzig und dadurch klebrig 😉. Auch das Duschwasser ist leicht salzig und trĂ€gt so nicht eben zur Entsalzung bei 


Da wir am Sonntag nicht mehr einkaufen konnten, bestellen wir uns am Dienstag ein Taxi und fahren ins wuselige Diani Beach. Wie in Tanzania reiht sich hier KleinstgeschĂ€ft an KleinstgeschĂ€ft und Marktstand an Marktstand – hier in Kenia hat es jedoch auch richtige SupermĂ€rkte, wo man von Salami ĂŒber Greyerzer, Schweinefleisch und Alkohol alles problemlos kaufen kann 😊! Auffallend ist, dass Schweinefleisch hier teurer ist als Rindfleisch 
 und die gĂ€ngigen und bekannten Coronaregeln im Allgemeinen recht gut eingehalten werden 😊! Denn im Gegensatz zu Tanzania kursiert das Virus ja schon lange in Kenia 😉 


Was uns weiter schon in Tanzania aufgefallen ist, gehört auch hier ganz selbstverstĂ€ndlich zum Alltag: die wenigsten Menschen haben einen Wasseranschluss im oder beim Haus – das Wasser muss bei der öffentlichen oder einer privaten Pumpe in Kanister oder Eimer abgefĂŒllt und oft mehrere Kilometer weit getragen oder auf dem Handwagen, Fahrrad oder Motorrad transportiert werden. Wir haben gar schon gesehen, wie Leute, die weit von der Pumpe entfernt wohnen, mit einem Becher nicht eben sauberes Wasser aus den verbliebenen TĂŒmpeln an der Strasse schöpfen 


Da wir fĂŒr die Verschiffung eine grobe Inventarliste benötigen und nicht mehr alles in den Kisten ist, was mal drin war und auch so angeschrieben ist, ist hier eine gute Gelegenheit, die Garage auszurĂ€umen, alles zu katalogisieren und gleich noch den ganzen Afrikastaub mit Druckluft hinauszupusten, bevor alles wieder eingerĂ€umt wird. Jetzt haben wir sicher einige Kilos weniger Gewicht auf der Hinterachse 😉 


Hier in Tiwi Beach kommt jeden Tag der GemĂŒse- und FrĂŒchtehĂ€ndler mit seinem Fahrrad vorbei, der NĂ€chste versucht, Fisch, Langusten oder Tintenfisch an den Mann respektive die Frau zu bringen, ein Dritter möchte frische KokosnĂŒsse verkaufen, der Vierte versucht, seine lustigen, aus Kokosnussschalen selber hergestellten Affen loszuwerden, die verschleierte Frau ist sich sicher, dass uns eine Massage gut tun wĂŒrde 
 und ein Ă€lterer Mann versucht, im TauschgeschĂ€ft gegen eine Zitrone etwas zu futtern zu bekommen. Auch hier hat der RĂŒckgang der Touristen zu noch mehr Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger gefĂŒhrt.

Ist es in den ersten Tagen sehr ruhig, nehmen die Besucher im Verlauf der Woche stetig zu. Teils sind es Tagesbesucher, teils CampinggĂ€ste. So lernen wir Dominik aus Berikon kennen, der seinen kleinen Jeep nun nach fĂŒnf Monaten sĂŒdliches Afrika zurĂŒck nach Europa verschifft, Marion und Louis aus Nairobi, sie aus Kenia, er aus Österreich, sowie Taabu (Kenianerin) und Mario (Schweizer), welche hier in der NĂ€he eine Lodge mit Camping hatten, die Lodge aber verkauft und auf organic gardening umgestiegen sind 
 Mario ist der GrĂŒnder und ehemalige Inhaber der Firma Tartaruga, welche in Andelfingen ihr Expeditionsmobil-Werk hat 


Am Wochenende wird es laut und eng(er) – viele Indische Muslime verbringen das Wochenende hier, denn am Montag ist einer der vielen Kenianischen Feiertage. Und so schiessen immer mehr Zelte aus dem Sand, der Platz wird knapp. Einer der Familienclans fĂ€llt uns besonders negativ auf – sie sind unfreundlich, arrogant und diebisch veranlagt â˜č. Ausserdem sind da noch die beiden Party-Overlanderbusse, fĂŒr die zahlreiche Zelte am Strand aufgestellt werden und die das gesamte Paradies bis in die frĂŒhen Morgenstunden und dann wieder in aller HerrgottsfrĂŒhe mit wirklich lauter Musik beschallen 


Zum GlĂŒck ziehen alle bis am Montagabend wieder ab und es herrscht entspannte, wenn auch mĂŒde Ruhe im Paradies 😉 
 nur der kleine Igel, der am Abend jeweils ĂŒber den Platz gehuscht ist, sehen wir jetzt nicht mehr 


Am Mittwoch dislozieren wir zum Time out Art Camp, dem momentan geschlossenen Camping von Taabu und Mario. Mario hat uns vorgewarnt, die Einfahrt ist sehr eng und Armin muss ziemlich zirkeln, bis er MANni, ohne irgendwo an der Mauer, am Baum oder der Palme anzuhĂ€ngen, durchgeschleust hat. Und auch um ihn auf den Stellplatz zu bekommen, geht nicht ganz ohne manövrieren 


Hier geniessen wir wiederum ein paar ruhige Tage, einzig von einem «Ausflug» nach Mombasa am Freitag unterbrochen – wegen dem Carnet đŸ˜Č!

RĂŒckblende: am Zoll hat uns der Beamte das Carnet gestempelt, uns aber netterweise darauf hingewiesen (denn sonst hĂ€tten wir das ganz sicher nicht gemerkt, da unĂŒblich), dass er nur 2 Wochen eingetragen hat und wir zum KRA (Kenya Revenue Authority) in Mombasa mĂŒssen, um es zu verlĂ€ngern!? Recherchen ergeben, dass es seit ein paar Jahren tatsĂ€chlich so ist und sein sollte (je nach GrenzĂŒbergang wird das aber ganz anders gehandhabt), dass ein Fahrzeug wohl zwei Wochen kostenlos mit dem Carnet im Land sein darf, danach aber eine kostenpflichtige VerlĂ€ngerung beim KRA beantragt werden muss â˜č. Die Richtigkeit dieser Aussage wird uns spĂ€ter auch noch von der Schweizer Speditionsfirma bestĂ€tigt, die uns die Verschiffung vom MANni im November nach Genua organisiert. Und wie sie auf unsere Frage ebenfalls in Erfahrung gebracht haben, muss das Fahrzeug fĂŒr die VerlĂ€ngerung des temporĂ€ren Imports nicht beim KRA vorfahren 😊 


So geht es am Freitag (der temporĂ€re Import ist bis am Sonntag gĂŒltig, wir mĂŒssen das also bis am Freitag erledigt haben) mit Idi, dem Fahrer von Mario, nach Mombasa, zuerst mal zur oben erwĂ€hnten Speditionsfirma. Hier können wir persönlich den Kontakt zu den fĂŒr die Verschiffung zustĂ€ndigen Personen knĂŒpfen und ein anderer Mitarbeiter nimmt sich der Sache mit dem KRA an.

Was sind wir froh, nicht alleine der Kenianischen Behörde ausgeliefert zu sein – wir wĂ€ren verzweifelt und hĂ€tten die VerlĂ€ngerung wahrscheinlich nicht erhalten! Aber von vorne:

Mit dem Carnet, meinem Pass und der Haftpflichtversicherung entschwindet, nennen wir ihn Ali, in Richtung KRA. Unsere persönliche Anwesenheit sei sicher nicht nötig. Da es unterdessen schon bald Mittag ist entscheiden wir uns, essen zu gehen. Idi bringt uns zu einem empfohlenen Chinesischen Restaurant am Meer. Kaum sind wir dort angekommen, tauchen Ali und ein Chauffeur von der Spedag auf – es ist doch nötig, dass ich persönlich bei der KRA aufkreuze. Idi erklĂ€rt sich derweil bereit, hier auf uns zu warten. Schnell sind wir bei der Behörde angekommen, wo wir zuerst mal die HĂ€nde waschen, dann unsere Taschen auf das Scannerband legen, selber ebenfalls durch eine Sicherheitsschleuse mĂŒssen, Armin daraufhin sein Taschenmesser abgeben muss, bevor wir in den Schalterraum dĂŒrfen. Hier werden wir als erstes angewiesen, uns zu setzen und zu warten, bis sich die Dame aufraffen kann, sich unser Anliegen anzuhören. Der Schaltertresen hat Glasscheiben und ein Schild weist darauf hin, dass man wegen Covid Abstand nehmen und den Tresen nicht berĂŒhren soll. Als die Dame uns zu sich winkt, stellen wir uns also ganz brav vor die Scheibe hin – nichts da, ich als eingetragene EigentĂŒmerin des Trucks muss unter der Scheibe und der dahinterliegenden Stange hindurchschlĂŒpfen, so dass wir beide uns direkt gegenĂŒberstehen 
? So wird mir erklĂ€rt, dass wir die VerlĂ€ngerung nicht erhalten, da unser Fahrzeug nicht im Computersystem eingetragen ist 
 sorry, nicht unser Fehler, das kann aber sicher schnell nachgeholt werden? Geht nicht, das muss an der Grenze gemacht werden, hier geht das nicht! Zum GlĂŒck hat uns der Zöllner seine Nummer gegeben – falls es Probleme bei der VerlĂ€ngerung geben soll 
 ich soll den doch gleich deswegen anrufen. Da wir keine Kenianische SIM Karte haben, weigere ich mich, selber anzurufen – das kann sie ja sicher machen? Nachdem auch Ali interveniert und meint, sie könne ja anrufen, macht sie das widerwillig, erreicht den Typen jedoch nicht. Auch Ali versucht es erfolglos 
 Inzwischen will die Dame noch wissen, wo denn das Fahrzeug ist – der VerlĂ€ngerung kann sowieso nur stattgegeben werden, wenn das Fahrzeug hier vor Ort verifiziert worden ist 
??? Aber genau das ist doch abgeklĂ€rt worden und es hat geheissen, nicht nötig!!!??? Sie bleibt vorerst stur dabei, das Fahrzeug muss hier sein! Geht aber heute nicht mehr, denn die Zeit bis zum Feierabend reicht nicht, um nach Kwale zurĂŒckzufahren, alles zu verstauen, MANni dort hinauszumanövrieren und hierhin zu fahren 
 nachdem ich das mehrmals erklĂ€rt habe, zeigt sie sich doch einsichtig und meint, dann mĂŒssen wir eben am Montag kommen – sie bĂŒsst uns ausnahmsweise wegen Nichteinhalten der Frist nicht 
 die Gelassenheit von Armin beginnt zu bröckeln 


Nun wird aber Ali aktiv und sagt, dass er gestern persönlich hier am Schalter bei der Kollegin speziell abgeklĂ€rt hat, ob das Fahrzeug vor Ort sein muss oder nicht! Die Diskussion geht auf Swahili in die nĂ€chste Runde und plötzlich meint die Dame, es sollte wohl doch irgendwie möglich sein, uns die VerlĂ€ngerung noch heute und ohne anwesendes Fahrzeug auszustellen 
 nur muss der Truck zuerst in einem CybercafĂ© gegenĂŒber online registriert werden. Also gehe ich mit Ali und dem Carnet dorthin und der Typ beginnt, fĂŒr mich ein Benutzerkonto bei der KRA zu eröffnen – dazu braucht er meinen Pass. Der ist aber im Rucksack und der Rucksack ist bei Armin, der in der Schalterhalle der KRA auf unsere RĂŒckkehr wartet 
 Ali geht los und kommt schon bald mit meinem Pass zurĂŒck. Als schon fast alles fĂŒr die VerlĂ€ngerung eingetragen ist, wird noch nach der Versicherungs-Nummer gefragt – wie gehabt, die ist im Rucksack 
 Ali also nochmals zurĂŒck und endlich ist die Registrierung abgeschlossen. Nun mĂŒssen wir nur noch auf eine bstimmte Bank, um die 41 USD fĂŒr einen Monat einzuzahlen und da sich diese Filiale nicht in Gehdistanz befindet, mĂŒssen wir mit dem Auto dorthin 
 unterwegs rufe ich Armin an, dass es wohl noch etwas dauert 
 und merke, dass der Typ am Computer meine Passnummer falsch eingegeben hat! HĂ€tte er das richtig gemacht, wĂ€re er direkt auf mein schon existierendes Konto gekommen, denn ein solches musste fĂŒr den Visumsantrag eröffnet werden und dort hĂ€tten wir die VerlĂ€ngerung auch selber online erledigen können, wĂ€re MANni denn am Zoll richtig registriert und die Daten korrekt mit dem Konto verknĂŒpft worden 
 Wie erwartet, muss in der Bank eine Nummer gezogen werden und da die Schalterhalle gut besucht ist, jedoch nur wenige Schalter besetzt sind, wird es wohl etwas dauern, bis wir an der Reihe sind 
 erstaunlich schnell ist die Zahlung erledigt wir sind und auf dem Weg zurĂŒck zum CybercafĂ© – denn hier muss jetzt noch im Benutzerkonto die BestĂ€tigung der eingegangenen Bezahlung heruntergeladen und ausgedruckt werden 
 dann wieder zurĂŒck zur KRA, wieder durch den ganzen Schleusenquatsch (wir wollen nicht in ein Flugzeug steigen, sondern nur in eine Schalterhalle!), wo wir vom Schalter-Giftzwerg ziemlich barsch angewiesen werden, uns hinzusetzen und zu warten 
 die Dame zeigt sich nĂ€mlich gerade ganz schwer beschĂ€ftigt 
 Nach einer Weile werde ich aufgefordert, mit dem Carnet zum Schalter zu kommen, damit das ganze umstĂ€ndliche Prozedere endlich zu Ende gebracht werden kann 
 und es stellt sich heraus, dass die Giftnudel nicht einmal weiss, was sie nun mit dem Carnet anstellen soll, wie die VerlĂ€ngerung einzutragen ist! Sie muss doch tatsĂ€chlich im Internet nachschauen, wie das funktionieren soll!!! Na ja, schlussendlich, nach gut zwei Stunden, ist es geschafft und wir werden zum Restaurant zurĂŒckgebracht, wo wir uns und Idi ein spĂ€tes und verdientes Mittagessen gönnen 😊!

Nun sind wir durch so viele Afrikanische LĂ€nder gefahren, haben zigmal das Carnet benutzt, aber so etwas Kompliziertes wie hier in Kenia haben wir noch nie erlebt – das Carnet ist ja mit der hinterlegten Kaution die Garantie dafĂŒr, dass ein Fahrzeug nur vorĂŒbergehend in ein Land eingefĂŒhrt wird 
 warum Kenia das nicht akzeptiert und eine komplizierte Sonderschiene fahren muss, weiss der Kuckuck 
 Armin kocht und jetzt ist mir auch klar, warum keine Messer mit ins KRA dĂŒrfen 😉!

MĂŒde und leicht frustriert ob dem Erlebten sind wir am spĂ€teren Nachmittag wieder zurĂŒck auf dem Camping und geniessen den ruhigen Abend, froh dass es schlussendlich doch noch, ohne mit MANni nochmals nach Mombasa fahren zu mĂŒssen, gut ausgegangen ist 


Bis am Montag, 18. Oktober, bleiben wir auf dem Camp bei Mario. Und da wir noch ein Fertigfondue sowie genĂŒgend KĂ€se haben, geniessen wir auch noch ein letztes Fondue in Afrika, natĂŒrlich zusammen mit Taabu und Mario.

War es schon eng, MANni durch das Tor hier hineinzumanövrieren, ist hinaus mindestens so knifflig, da eine Platane, die draussen steht, ihre dicken Äste tief hinunter streckt. So kommt es, dass Armin MANni mit UnterstĂŒtzung von Mario sicher durch das Tor manövriert, danach jedoch beim Abschwenken mit der oberen, hinteren rechten Eck an einem der Äste entlangschrammt 
 zum GlĂŒck ist nicht allzu viel passiert, aber Armin Ă€rgert sich mĂ€chtig.

Uns bleiben nun noch 10 Tage hier in Kenia, denn wir haben abgemacht, dass wir MANni schon vor dem Wochenende bei der Speditionsfirma abgeben (wo er fĂŒr das Schiff am 06.November allerspĂ€testens am Montag, 01.11. sein muss) und den letzten auffindbaren idealen Flug am 28. Oktober nehmen, der von Mombasa mit nur einem Stopp in Frankfurt nach ZĂŒrich geht. Sobald wir MANni abgegeben haben, können wir eh nichts mehr machen und mĂŒssen darauf vertrauen, dass schon nichts schief geht 
 und einen spĂ€teren Flug mit zweimal Umsteigen und lĂ€ngeren Wartezeiten auf irgendwelchem Flughafen zu nehmen und hier dafĂŒr noch eine Woche, bis das Schiff auslĂ€uft, in einem Hotel zu verbringen, reizt uns nur sehr begrenzt – ausserdem merken wir wieder einmal, dass dieses tropische Klima so gar nicht das unsere ist – immer alles feucht, heiss und klebrig und bei jeder Bewegung beginnt man zu tropfen â˜č 


Beim Visumsantrag haben wir als Adresse in Kenia diejenige von Hedi und Ulli von der Edelweiss Lodge, etwas ausserhalb von Mombasa, angegeben. NatĂŒrlich haben wir angefragt und auch versprochen, vorbeizukommen 
 nun stehe wir also hier unter den schönen, alten BĂ€umen auf ihrem «Campingplatz» im Garten und sind daran, MANni verschiffungs- und uns heimkehrbereit zu machen 😉 


GrundsĂ€tzlich fĂ€llt es mir schwer, Afrika zu verlassen – wir haben auf diesem Kontinent so viel Schönes und Bereicherndes erleben dĂŒrfen, viel ĂŒber die LĂ€nder und die Menschen, die LebensumstĂ€nde hier gelernt, etwas hinter die Kulissen geschaut, haben liebe Freunde gefunden und uns mehr als nur wohl gefĂŒhlt – trotzdem freue ich mich auch auf die Schweiz, auf die Familie und die Freunde, darauf, nicht mehr stĂ€ndig zu schwitzen und am Leintuch zu kleben, auf ein kĂŒhleres und trockneres Klima – seit einer Woche trommelt es jeden Tag ein oder mehrere Male auf unser Dach, was nicht eben dazu beitrĂ€gt, dass es angenehmer wird 
 offensichtlich hat uns die kleine Regenzeit nun doch noch erwischt 😊!

 

Goodby, rafiki yetu! Kwaheri kwa sasa 


 

Gesamtstrecke: 2252.08 km
   Send article as PDF   

Zur Zeit keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.