Weltreise

Das Mittelmeer ruft!

Slowenien Teil 3 und Kroatien Teil 1

31.05. – 17.06.2018
Uns gefällt es auf dem Rogla und so unternehmen wir nochmals eine kleine Wanderung. Unterwegs kommen wir an einem geschlossenen Restaurant vorbei, wo es ein offenes WiFi sowie einen grossen Parkplatz hat – am Nachmittag sind wir also schon bald dort zu finden und arbeiten fleissig, um euch auf den neusten Stand zu bringen ?.

Trotzdem es uns hier gut gefällt müssen wir weiter – in unsere Abwassertanks müsste wieder einmal etwas mehr Luft reingelassen werden! Dank der schon oft hilfreichen App Park4night finden wir mehrere Entsorgungsstationen auf unserem weiteren Weg – hier in Slowenien sind diese oft irgendwo auf einem Parkplatz oder neben einem Einkaufszentrum platzierte, kostenlose Ent- und Versorgungssäulen – so ist es nie ein grosses Problem, auch ohne Campingplatz alles loszuwerden ?.

Nun sind also alle Tanks leer – die Anzeigen beider Dieseltanks bewegen sich unterdessen auch im tiefroten Bereich! Das letzte Mal haben wir diese in Österreich günstig gefüllt – und somit ist es am Samstag wieder einmal Zeit, unser Bankkonto etwas zu erleichtern. Gesagt, getan – und schon bald rollen wir schwer beladen weiter in Richtung Cerknica, wo wir für Montagnachmittag eine vierstündige Höhlenführung reserviert haben. Doch was ist denn das??? Nach wenigen Kilometern, mitten in einer steilen Steigung, beginnt der Motor zu spucken – die Drehzahl geht immer wieder schlagartig bis zum Niveau vom Standgas hinunter, um sich dann wieder kurz zu erholen und wiederum zusammenzufallen! Der Motor nimmt das Gas nicht richtig an und hat keine Kraft mehr! Mist!!!
Da wir auf einer kleinen Nebenstrasse unterwegs sind, beschliessen wir, umzudrehen und uns möglichst an Hauptstrassen zu halten – wenn wir denn überhaupt weiterfahren können ☹! Glücklicherweise wird es schon bald wieder besser – hoffentlich ist der Spuk somit vorbei! Unsere erste Vermutung ist, dass wir entweder verschmutzten Diesel getankt haben (was eher unwahrscheinlich ist) oder dass sich zuunterst in den Tanks Schlamm angesammelt hat, welcher durch das Tanken aufgewirbelt und in die Leitungen geraten ist – und dies passiert natürlich ausgerechnet an einem Wochenende! Wir sind wie auf Nadeln, denn sobald die Strasse jeweils ansteigt, wird es wieder schlimmer. Eine Sichtkontrolle beim Wasserabscheider bringt uns keine Sicherheit – optisch ist der Diesel in Ordnung, es finden sich keine sichtbaren Verunreinigungen … wir sind ziemlich ratlos!
Entgegen unserem ursprünglichen Plan beschliessen wir, schon heute bis in die Nähe von Cerknica zu fahren. Als wir nach einer Zitterfahrt beim kleinen See Blosko jezero, welcher Joze uns vor einigen Tagen gezeigt hat, ankommen, stellen wir uns aufatmend auf die Wiese am Ufer und versuchen, uns über das weitere, sinnvolle Vorgehen klar zu werden …

Sonntagmorgen – Armin möchte in das nahegelegene Fluggebiet fahren und eventuell am Landeplatz den Gleitschirm aufziehen. Diese Fahrt hat natürlich auch noch einen anderen (Hinter-)Grund – wie läuft der Motor nach einigen Stunden Pause??? Wir sind erstaunt – keine Anzeichen von Stottern, das Gas wird angenommen und die Kraft ist wieder ganz normal – wir sind überglücklich, trauen der Sache aber noch nicht so recht …
Da es am Landeplatz nur heiss ist und wir unsere Sorgen (erstmal) los sind, beehren wir den schönen Platz am See wieder mit unserer Anwesenheit. Hier ist es kühler und das Wasser lädt zum Baden ein – was sich Joze auch gedacht hat und am Nachmittag plötzlich mit zwei seiner Kinder neben uns auftaucht! Wir verbringen den Nachmittag zusammen, schwimmen und plaudern und werden für den nächsten Abend, nach unserem Höhlenabenteuer, wieder in sein Wochenendhaus eingeladen! Gerne sagen wir zu.
Montagmorgen – gut gelaunt, jedoch noch immer etwas angespannt, ob sich das Problem wirklich verflüchtigt hat, aber in grosser Vorfreude auf die Höhlenbesichtigung starten wir den Motor. Beim Wegfahren erschrecken wir – keine Kraft, Drehzahl im Keller und nur stotternd im Schritttempo dahinhoppeln – so schlimm war es noch nie!!! Wir sind uns unsicher, ob wir es so überhaupt wagen sollen, den einen Kilometer auf der unbefestigten Strasse durch den Wald zur Höhle hinunterzufahren – was, wenn wir es dann nicht mehr hinaufschaffen – geschweige denn am Abend innerhalb nützlicher Frist den Berg hinauf zu Joze und Sonja?
Glücklicherweise wird es nach kurzer Zeit wieder besser und wir entscheiden uns, den Besuch der Höhle nicht abzusagen. Und es hat sich gelohnt – wir sind beide begeistert von der absoluten Stille, nur hin und wieder durch das Geräusch der herabfallenden Wassertropfen unterbrochen. Wir werden von unserem Führer im Gummiboot über einen unterirdischen See nach dem anderen gerudert und gleiten ruhig an bizarren Tropfsteingebilden vorbei. So dringen wir weit in das Erdinnere vor, wo die Dunkelheit nur zweimal pro Tag von jeweils drei (bei zwei Gästen) bis fünf (bei vier Gästen) Lichtstrahlen aus den Stirnlampen der menschlichen Eindringlinge durchbrochen wird – nur so wenige Besucher sind pro Tag hier gestattet! Wobei das nicht ganz stimmt – zu einer kleinen Rundfahrt auf dem ersten der 22 Seen werden auch für grosse Gruppen zu jeder Stunde Führungen angeboten. Was diese Karsthöhle ungewöhnlich macht sind nicht besonders viele oder extragrosse Tropfsteine, sondern die Tatsache, dass hier bis vor 20’000 Jahren Höhlenbären gelebt haben und neben den vielen durch ihr Darüberlaufen polierten Steinen auch Knochen, Schädel und Zähne zurückgelassen haben.

Noch tief beeindruckt ob des Erlebten kehren wir ans Licht und die Wärme zurück – um uns sofort wieder zu fragen, wie sich MANni nach dieser Pause an der kühlen Luft des engen Tales verhalten wird … unsere Sorge ist unbegründet, denn unerklährlicherweise gelangen wir ohne die geringsten Anzeichen eines Problems nach Strukleva vas zu Sonja und Joze.
??? Wir werden immer ratloser … sicher sind wir uns nur darüber, dass wir so nicht weiterfahren und deshalb am Dienstag wieder nach Ljubljana zurückkehren werden. Dort gibt es zwei MAN-Garagen, wo man sich in der einen nach kurzer Zeit unseres Problems annimmt. Um es kurz zu machen: die Dieselfilter könnten, entgegen unseren Erwartungen, nicht sauberer sein – beim Auslesen des Bordcomputers erscheint jedoch ein Fehler beim Gaspedalregler. Ist das die Ursache unseres Problems? Da dieses Ersatzteil bestellt werden muss und erst am nächsten Morgen hier sein wird, stellen wir uns ausserhalb des Geländes auf einen Parkplatz. Am nächsten Morgen sind wir keine Stunde in der Garage und schon ist das Teil ausgewechselt und der Stand unseres Bankkontos etwas tiefer. Nun werden wir heute noch in der Gegend bleiben und testen, ob es wirklich daran gelegen hat und wir unbesorgt weiterfahren können.

Wir können – der Motor läuft zu unserer unermesslichen Freude wieder einwandfrei. Und nicht nur das – Armin fällt auf, dass das Gas viel besser angenommen und bei Steigungen die Drehzahl besser gehalten wird, er also erst später herunterschalten muss ?! Anscheinend war der Regler schon seit jeher angeschlagen und da wir es uns nicht anders gewohnt waren, haben wir bis jetzt nichts gemerkt! Und wer weiss, ob dies nicht auch die Ursache der Aussetzer in Marokko letzten Herbst war und nicht, wie damals von uns vermutet, die tiefe Temperatur in der Nacht?
Unterdessen haben wir genug von Bergen, Hügel und Wald, den Hauptzutaten der slowenischen Landschaft – es zieht uns ans Meer. Unterwegs fahren wir noch(mals) an einem Fluggebiet vorbei – aber auch hier ist das Wetter mehr als feucht und deshalb begraben wir so langsam die Hoffnung, hier in Slowenien zu einem ersten Flug auf unserer Reise zu kommen ☹. Aber eine Premiere können wir an diesem Tag trotzdem feiern – zum ersten Mal in unserem Leben essen wir Bär! Als Gulasch zubereitet schmeckt es uns sehr gut – wenn wir es nicht wüssten, würden wir auf irgendeine andere Sorte Wildfleisch tippen!

Die kurze Küste Sloweniens enttäuscht uns – fast gänzlich überbaut und keinen für uns geeigneten Parkplatz – einzig das offene WiFi beim kleinen Flughafen dicht an der Grenze zu Kroatien bessert den eher negativen Eindruck etwas auf. Allgemein ist dieser Freitag ein Tag zum Vergessen – wir geraten uns auch noch in die Haare und es hätte nicht viel gefehlt und wir hätten die erst eben wieder aufgenommene Weltreise streitend abgebrochen!
Wir raufen uns jedoch zusammen und am Abend steht MANni ennet der Grenze, ohne von der dort anwesenden Polizei gross beachtet zu werden, unerlaubterweise auf dem Parkplatz eines kleinen Fischereihafens und wir sitzen im nahen Restaurant mit fangfrischem Fisch auf den Tellern vor uns und einem guten Tropfen kroatischem Wein im Glas daneben ?!

Wochenende in Kroatien – wir gehen davon aus, dass sich die gesamte Bevölkerung an diesen Tagen an der Küste einfinden wird. Wir liegen in dieser Vermutung jedoch falsch – es sind nicht Kroaten, die in Heerscharen an den Badeplätzen in der prallen Sonne liegen, sondern mehr oder weniger hell- und rothäutigen Mitteleuropäer von den Sorten, welche in grossen Massen in allen südlichen Urlaubsländern anzutreffen sind ?!
Wir ergattern uns auf einer Halbinsel einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer und hoffen, dass wir bis am Montagmorgen nicht vertrieben werden – denn auch in Kroatien ist das Wildstehen grundsätzlich untersagt und bei der Zufahrt hat uns ausserdem ein grosses Schild darauf aufmerksam gemacht, dass hier Wohnmobile verboten sind!

Was wir insgeheim befürchtet haben, trifft nach dem Abendessen auch ein – wir werden sehr unfreundlich und unter Androhung einer Busse (Schreibblock und Stift sind schon startbereit in der Hand des Ordnungshüters) aufgefordert, den Platz innerhalb von 10 Minuten zu verlassen und uns auf einen Campingplatz zu begeben! Auf meinen Hinweis, dass wir nur zum Baden hier parkiert haben und uns selbstverständlich so schnell wie möglich – innerhalb von 15 Minuten, es muss noch aufgeräumt werden – verziehen werden, wird uns barsch erklärt, dass auch das nicht erlaubt ist – hier herrscht auch tagsüber ein absolutes Wohnmobilverbot!!! Und schon wieder setzt der Bussenstift zum Schreiben an … Innerhalb von wenigen Minuten ist abgewaschen, alles verstaut – und wir auf der Suche nach einem Platz für die Nacht – selbstverständlich NICHT auf einem Campingplatz ?!
Irgendwann ist auf jeder Reise die Zeit gekommen, dass der Wäscheberg, in meinem Fall zusätzlich die Bettwäsche, nach einer Waschmaschine ruft – meistens zu finden auf einem Campingplatz. An der Südspitze von Istrien suchen wir uns einen der unzähligen Plätze aus, stellen uns an einen absoluten Traumplatz direkt oberhalb der felsigen Küste – und treffen hier doch tatsächlich auf Bekannte aus der Schweiz! Mit ihnen verbringen wir einige kurzweilige Abende und dürfen ihnen netterweise unsere beiden grossen Gleitschirme mitgeben, damit sie diese bei Martin oder Stefan deponieren können. Wie bekannt, sind wir bis jetzt wegen der (inzwischen verheilten) Rippe bei Armin und Petrus’s andauernd schlechter Laune nicht zum Fliegen gekommen und in den Ländern, welche wir ab jetzt bereisen werden, wird es immer unwahrscheinlicher, dass wir uns in die Lüfte schwingen – und wenn es uns trotzdem mal juckt und es möglich sein sollte, haben wir ja immer noch die Leichtausrüstung dabei ?. An dieser Stelle nochmals viele Dank für alles, Sylvia und Hans.

Nach einigen Tagen auf dem Campingplatz mit Wäsche waschen, Baden im warmen Meer, Lesen und einem Besuch der nahegelegenen Stadt Pula mitsamt dem römischen Amphitheater zieht es uns weiter – wenn möglich weg vom hier in Istrien allgegenwärtigen Massentourismus.

Nur – weiter entlang der Küste wird in dieser Hinsicht wenig Hoffnung sein! Deshalb geht es hinter Rijeka erst einmal in die Berge, wo der schon an der Südspitze von Istrien spürbare Wind, der kalte Borawind aus Nordosten, uns dazu zwingt, anstatt an einem wunderbaren Aussichtsplatz zu stehen, an einen windgeschützten Grillplatz zu dislozieren.

Für heute bleiben wir mal im Hinterland und schlagen den Weg zu einem der absoluten Highlights und MUSS einer jeden Kroatienreise ein – wir möchten den weltberühmten Plitwitzer-See, welche neben anderen Gebieten hier in Kroatien sogar in den Winnetou-Filmen zu Ehre gekommen sind und unterdessen zum UNESCO-Weltnaturerbe zählen, unsere Aufwartung machen. Unterwegs, z.T. nahe der Grenze zu Bosnien-Herzegovina, fahren wir zwar auf grösseren Strassen, diese gestalten sich jedoch streckenweise als wahre Flickenteppiche. Was uns auf weiten Strecken auch noch auffällt: rund um viele Häuser sind die Gärten perfekt gepflegt, auch wenn diese selber in einem eher schlechten Zustand sind. Andere wiederum sind verlassen und am zerfallen. Weiter sehen einige eher wie Bauruinen aus – und in dem einen oder anderen sehen wir Einschusslöcher … Es ist schon ein beklemmendes Gefühl, sich in einem ehemaligen Kriegsgebiet zu bewegen, wo neben den noch sichtbaren Spuren der Kämpfe und den zahlreichen kleinen Kriegs-Grabfeldern neben der Strasse die offensichtliche Abwanderung der (jungen) Bevölkerung noch stärker ist, als sonst wo auf dem Land!
Bis wir an den Seen ankommen hat der Wind merklich nachgelassen – stattdessen beginnt es zu regnen. Und der konsultierte Wetterbericht zeigt in den nächsten Tagen keine wesentliche Besserung der Lage. Lediglich an der Küste ist es trocken – dort bläst aber nach wie vor eine starke Bora. Nur in der Gegend von Zadar sind die Winde laut Radar weniger stark, bevor das Wetterphänomen Bora Mitte Woche vorbei sein soll … schnell ist somit der Entscheid gefallen und ein weiteres MUSS bei einem Besuch eines Landes muss auf unsere Bewunderung verzichten ?… Dass wir richtig entschieden haben, merken wir deutlich, als wir an einem der Eingangstore des Nationalparks vorbeifahren – trotz des nassen Wetters stehen unzählige Autos, Wohnmobile und Touristenbusse auf den Parkplätzen und es wimmelt von regenmantel-, pelerinen- und regenschirmbewaffneten Wesen! Wie mag das hier wohl bei schönem Wetter und an Wochenenden aussehen? Wir sind uns zur Abwechslung mal einig: da sowohl das deutsche auswärtige Amt sowie unser EDA ausdrücklich davor warnen, sich bei Auslandreisen in grossen Menschenmassen aufzuhalten, beherzigen wir selbstverständlich – wenn auch ungern – diesen weisen Rat ?!
Wir schaffen es am Freitag (schon wieder eine Woche vorbei!) bis dicht an die Küste, wo wir uns auf einer Höhe von ca. 400 M.ü.M. mit Sicht auf die Insel Pag wie auf einem Balkon in den Windschatten eines Felsvorsprungs stellen – direkt neben einen Gleitschirmstartplatz. Leider haben wir dabei nicht bedacht, dass es auf knapp vier Metern Höhe windiger sein dürfte als am Boden und stellen MANni nicht in die hinterste Ecke, wo der Boden zwar nicht so eben, die Felsen jedoch höher sind … mit dem Resultat, dass wir nicht wie erwartet und gehofft sanft in den Schlaf gewiegt, sondern die ganze Nacht hindurch immer wieder recht heftig aus dem Schlaf gerüttelt werden ?!

Wider Erwarten hat es am Samstag auf der berüchtigten Küstenstrasse nur wenig Verkehr und der Wind nimmt, je weiter wir nach Süden kommen, merklich ab (die konsultierte Wetterprognose scheint wirklich zu stimmen ?!) – schon am frühen Nachmittag stehen wir beim Städtchen Nin wenige Meter hinter dem langen Sandstrand auf einem lauschigen kleinen Campingplatz in guter Gesellschaft von überwiegend aus dem deutschen Sprachraum stammenden Urlaubern …

Goodby, rafiki yetu! Kwaheri kwa sasa …

Gesamtstrecke: 1356.79 km
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