Weltreise

MANni ist wieder gesund und bald geht es weiter!

13.02. – 31.03.2018

Seit Ende Februar steht MANni nun wieder bei uns in der Schweiz und wartet darauf, mit uns die weite Welt endlich weiter zu entdecken! Wenigstens in dieser Hinsicht hat sich ActionMobil kulant gezeigt: die Arbeiten, auch die zusätzlichen, sind innerhalb von vier Wochen erledigt worden, ohne dass wir nochmals zur Kasse gebeten wurden. Und somit möchten und können wir (endlich) offen über ein in der Szene und bei vielen Konstrukteuren nicht unbekanntes, aber in den meisten Fällen verschwiegenes Problem bei Expeditions-LKW berichten: die falsche oder zu schwache Konstruktion des Zwischen- oder Hilfsrahmens resp. dessen Beanspruchung und die daraus resultierende Anfälligkeit auf Schäden.

Wie schon geschrieben, haben wir im letzten Dezember mit einigen Besitzern von ähnlichen Mobilen Kontakt aufgenommen und von ihnen bestätigt bekommen, dass unser Problem nicht unbekannt ist. Fast alle der Angefragten sind mit ihrem ActionMobil in Afrika oder Südamerika unterwegs gewesen, haben ihr Fahrzeug also artgerecht bewegt. Und bei allen sind am Zwischenrahmen Risse aufgetreten, grösstenteils bei den Schweissnähten, zum Teil auch an den massiven Metallträgern. Ausserdem ist bei vielen das relativ schwache Sicherungsblech sowie die unterdimensionierte Schraube der zentralen Achse abgebrochen resp. abgeschert worden und die Achse hat sich durch die Bewegungen beim Fahren langsam aber sicher aus der ursprünglichen Lage verabschiedet. Das bewirkt, dass der Koffer auf der einen Seite direkt auf den Hilfsrahmen zu liegen kommt und Gefahr besteht, dass sich die ganze Konstruktion verselbstständigt. Dazu ist es nach unseren Informationen zwar noch nie gekommen, da jeder eine regelmässige Sichtkontrolle seines Gefährts durchführt, aber im schlimmsten Fall …

Das Mittellager hat sich verselbsständigt

Lange Rede, kurzer Sinn: Anfangs Dezember hat Armin bei einer dieser Sichtkontrollen bemerkt, dass das Sicherungsblech der Zentralachse sich verabschiedet hat und die Achse nun ca. 10 cm vorsteht. Ausserdem hat er bei einer nachfolgenden genauen Kontrolle des Zwischenrahmens rundum zum Teil massive Risse bei den Schweissnähten entdeckt. Für uns ist schnell klar: hier handelt es sich sicher nicht um einen Einzelfall, auch wenn man im Netz und auf Reiseblogs nur sehr selten etwas in der Richtung lesen kann.

Risse beim hintern Lager

Risse am Querträger

Links hinten

Zwischenrahmenhalterung

Auch hier …

Weiter sind uns auch schnell einig, was dieser Schaden für unsere Reise bedeutet: Abbruch, Rückreise und Neuplanung! Denn mit einem nur behelfsmässig geflickten und/oder verstärkten Rahmen, mit der Wahrscheinlichkeit weiterer Schäden und der Schwierigkeit, diese wo auch immer so gut wie möglich reparieren lassen zu müssen, macht es uns keinen Spass, um die Welt zu fahren. Diesen zusätzlichen Kick brauchen wir definitiv nicht!

Die nächsten beiden Tage hat Armin damit verbracht, die Zentralachse wieder an ihren ursprünglichen Ort zu zwingen und diese richtig zu sichern. Nicht so einfach, wie es tönt: da sich die Achse herausgearbeitet hat, liegt der Koffer nun auf der rechten Seite direkt auf dem Zwischenrahmen auf. Das heisst, der Koffer muss erst mal angehoben werden, damit die Achse wieder an Ort und Stelle gebracht werden kann! Also muss das Ganze mit den beiden Wagenhebern angehoben werden – und natürlich ist einer davon kaputt! Auch das noch – aber Overlander und Reisende helfen sich untereinander aus – ein hier auf dem Campingplatz angetroffener CAT-Fahrer borgt uns seinen Wagenheber. In den nächsten Stunden schlägt Armin mit dem Bleihammer unermüdlich auf die Achse ein, bis diese sich wieder in ihrer ursprünglichen Lage befindet – so wie ich es schätze, hat das halb Marokko mitbekommen 😉. Auf jeden Fall aber ein weitere LKW-Wohnmobilfahrer auf dem Campingplatz, welcher durch das Hämmern auf das Problem aufmerksam wird und seine Hilfe anbietet. Armin lehnt dankend ab und hämmert weiter. Und endlich ist es geschafft, die Welle ist wieder an ihrem angestammten Platz!

Das nächste Problem bleibt aber nicht lange aus – die Schraube, mit welchem das Sicherungsblech am Zwischenrahmen angeschraubt war, hat es doch glatt abgeschert und muss deshalb herausgebohrt werden, um die Achse neu zu sichern. Also die Akkubohrmaschine ausgepackt, Bohrer einspannen – uns schon nach kurzer Zeit ist nicht nur einer, sondern gleich zwei Bohrer stumpf oder abgebrochen! Hier hilft nur noch ein Betonbohrer, welcher zu Hause den Weg in den Werkzeugkasten gefunden hat. Warum eine dermassen harte Schraube verwendet wurde, wissen die Götter! Aber auch diese Herausforderung wird vom Bordmechaniker erfolgreich und unter nicht immer jugendfreien Ausdrücken an die Adresse der Verursacher der Misère gemeistert. Somit können wir erst einmal sorglos mit MANni nach Europa zurückreisen, wo der rissige Zwischenrahmen durch einen neuen, anders konstruierten Rahmen ersetzt werden muss.

Nach der provisorischen Reparatur – so würde das ewig halten …

Über die Rückreise, das Problem mit den abgefahrenen Reifen und über den Ärger, welcher das Ganze für uns gebracht hat, habe ich schon im letzten Beitrag geschrieben. Was uns aber so auf die Palme gebracht hat ist nicht der Schaden an und für sich, sondern das Abstreiten und Verleugnen der bekannten Problematik und das Abschieben der Verantwortung. Es kann doch nicht sein, dass ein Hersteller seine Fahrzeuge mit dem Prädikat «hochgeländetauglich» und als Synonym für eine ganze Produktepalette bewirbt und sich dann hinter Lügen und Beschuldigungen des Geschädigten versteckt, wenn eine nachweisliche Fehlkonstruktion eines von einem Zulieferer bezogenen, tragenden Teils kaputtgeht! Dazu kommt, dass dieser Zwischenrahmen schon seit Jahren nicht mehr verbaut wird, da die Unzulänglichkeit bekannt ist, was sogar vor Gericht bestätigt wurde!!! Für uns absolut unbegreiflich – wer sich also mit dem Gedanken beschäftigt, sich bei der Firma ActionMobil ein Fahrzeug aufbauen zu lassen, soll sich bewusst sein, dass die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung nicht einfach sein werden und hier der gute Schein trügerisch ist!

Da fehlt doch was?

MANni kriegt seinen neuen Zwischenrahmen

Nebenbei: mit der Qualität und der Robustheit des MAN und des ActionMobil-Aufbaus  sind wir bis jetzt absolut zufrieden, hier können wir nicht meckern. Und wir freuen uns schon darauf, bald wieder mit MANni unterwegs zu sein!

Und somit möchte ich das Thema «Ärger mit dem Hersteller» beenden und mich einem erfreulicheren Thema zuwenden: der Neuplanung und Wiederaufnahme unserer Weltreise!

Unterdessen sind wir seit langen 3 ½ Monaten und einem schneereichen Winter hier. MANni ist wieder fit, der Mückenvorhang für die Türe beinahe fertig und das Problem mit der unzulänglichen Ablagefläche in der Küche auf pragmatische Weise gelöst: ein in den Eingang passender und auch als Aussenkochtisch zu verwendender Campingtisch wurde gefunden und somit hat Armin Zeit, sich weiteren Konstruktionen und Vorbereitungen zu widmen 😉. Dazu gehört auch, die ausgeladenen Rako-Kisten neu zu bepacken, auszupacken, umzupacken … es geht wieder von vorne los 😉! Und wieder fragen wir uns, wo das alles seinen Platz finden soll …

Da wir zum Zeitpunkt des letzten Blogbeitrags immer noch der Ansicht waren, dass für uns nur die seit langem geplante Westroute nach Südafrika in Frage kommt, wir also mit unserem Österreichischen Freund Peter im Herbst in die Mauretanische Wüste fahren werden, wurde der Gedanke an die Mitnahme eines zusätzlichen Reifens wieder aktuell. Denn ins unendliche Niemandsland mit nur einem Reserverad zu fahren, grenzt hart an Dummheit – wir hoffen nicht, davon betroffen zu sein 😉! Einen Zusatzreifen auf dem Kabinendach sieht man bei Expeditionsmobilen ziemlich häufig – würde für uns heissen, dass ein zusätzlicher Träger mit Abstützungen direkt an der Kabine und ein weiterer Flaschenzug konstruiert werden müssten – zeitaufwändig, umständlich, teuer und ausserdem noch ein zusätzliches Gewicht auf der Kabine, was wiederum nicht unproblematisch ist … kommt also nicht in Frage. Aber die Idee vom letzten Jahr, eine Karkasse am Kuhfänger zu befestigen, ist realistisch und inzwischen auch in Bearbeitung. MANni wir also schon bald ein neues «Gesicht» erhalten … was mich wiederum dazu veranlasst, über eine schon seit längerem überlegte Namensänderung nachzudenken … wie wäre es beispielsweise mit «Dodo», heisst «Ungetüm» in der afrikanischen Sprache Haussa oder «Gida gida», «rollendes Zuhause», ebenfalls auf Haussa? Oder «Nashorn» auf Suaheli, «Vifaru», wäre doch auch noch schön und passend …

Da wir hinter den Sitzen in der Kabine einige nicht allzu oft gebrauchte Sachen in Kisten sowie die wärmeren Kleider verstaut haben, haben wir uns schon letztes Jahr überlegt, stärkere Federbeine zu montieren. Dann sind im Herbst auch noch die Lagerbuchsen kaputtgegangen, und somit ist der Fall klar. Da wir seit unserer ersten Marokkoreise guten Kontakt zu einer erstklassigen Quelle für solches Material haben, kriegen wir nun extra starke Federbeine und stärkere Lagerungen für die Kabine 😊! Vielen Dank! Somit könnte man nun zynisch anmerken, dass unser ActionMobil bis zum Restart mit all den Modifikationen und Verstärkungen wirklich zu einem hochgeländetauglichen Expeditionsmobil mutiert sein wird 😉!

Aber zurück zur geplanten Wiederaufnahme der Reise und zum letzten Blogbeitrag: noch vor wenigen Wochen war also klar, dass wir erst im Herbst nach Süden durchstarten und den Sommer in Südosteuropa «überbrücken» werden. Aber wenn wir schon nach Südosten fahren – warum nicht gleich weiter in diese Richtung bis nach Griechenland fahren, von dort aus nach Ägypten verschiffen und die Ostroute nach Südafrika nehmen? Oder gleich weiter nördlich über die Türkei, Georgien, Armenien oder Aserbaidschan, den Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman nach Saudi-Arabien und von dort nach dem Sudan verschiffen?  Was für uns noch vor wenigen Monaten keine Option war, wird nun je länger je mehr zur Gewissheit: wir möchten nicht bis zum Herbst warten (auch wenn dies bedeutet, dass wir das Abenteuer «Wüste Mauretanien» schweren Herzens streichen müssen), sondern dass wir uns darauf einstellen und nötige Informationen zusammensammeln, um im Mai direkt auf die grosse Reise durchzustarten! Die Idee, über den Nahen und Mittleren Osten zu fahren wird immer realistischer – wie man lesen kann, soll Saudi-Arabien ab April 2018 wieder Visa an Touristen ausstellen. Und die Verschiffung über das Rote Meer nach dem Sudan sollte kein grosses Problem darstellen. Fazit: wenn sich alles weiterhin so positiv entwickelt, könnte es sein, dass wir uns tief in Islamisches Gebiet vorwagen und ich schon in wenigen Monaten mit Kopftuch und mehr als sittlich bekleidet auf Fotos zu sehen sein werde 😉!

Aber auch wenn es nicht so weit nach Osten geht, wird uns die Arbeit weiterhin nicht ausgehen – denn es sind wohl nicht so viele Visa nötig wie auf der Westseite des Kontinents, aber einfacher zu beschaffen werden auch diese nicht unbedingt sein! Wir werden einzig eventuell schneller dort sein, wo die Idee dieser Reise ihren Ursprung hat. Wir freuen uns auf diese Herausforderung, welche schon mit der Verschiffung von MANni und unserem Transfer nach Afrika seinen Anfang nehmen wird! Denn so, wie berichtet wird, ist in östlichen Gefilden schon das mit nicht wenigen Schwierigkeiten und nicht planbaren Verschiebungen von Abfahrtszeiten von Schiffen verbunden!

Ich möchte hier noch auf den oben erwähnten Ursprungsort unserer Reise zurückkommen (alle, welche die Geschichte schon kennen, können getrost diesen Abschnitt überspringen): wie den meisten wahrscheinlich bekannt ist, hatte ich einen Grossonkel, Carl, welcher 1913/14 längere Zeit im damaligen Deutsch-Ostafrika, vor allem im Gebiet um den Kilimandscharo, verbracht hat, um zu malen. Am 13. Februar 1914 hat er zusammen mit einem Deutschen Freund und Gefährten als erster Schweizer den Kibo erfolgreich bezwungen. In dieser Zeit hat er fleissig Briefe an seine Eltern geschrieben, in welchen er sehr bildlich und mit einer guten Portion Humor seine Erlebnisse schildert. Diese Briefe kamen nach dem Tod meiner Eltern 2008 in meinen Besitz und nach deren Lektüre war für mich klar, dass ich versuchen wollte, genau 100 Jahre nach Onkel Carl dem Kibo auf den Schädel zu treten (seine Worte 😉). Gesagt – (fast) getan – am 13. Februar 2014 erreichte ich zusammen mit Armin, einer meiner Nichten und Freunden den Kraterrand des schlafenden Vulkanriesen – ein unvergessliches Erlebnis! Verschiedene Safaris und ein Badeaufenthalt von wenigen Tagen auf Sansibar (von wo aus der Grossonkel nach Ausbruch des 1. Weltkrieges einen Englischen Dampfer zurück nach Europa nahm, was wiederum ungeahnte Folgen hatte… das ist aber wieder eine andere Geschichte) liessen den Wunsch in mir aufkommen, das Gebiet um den Kilimandscharo auf den Spuren Onkel Carls weiter zu entdecken. Ich glaube, das vielgenannte Afrika-Virus hat mich – und auch Armin – damals befallen 😉. Von der Idee «herunterfliegen und Reise mit einem Gefährt mit Chauffeur, welcher uns herumfährt» über «herunterfliegen, mieten eines Geländefahrzeugs und selber fahren» bis zu «geländetaugliches Expeditionsmobil kaufen und von Europa aus auf dem Landweg nach Tansania fahren» waren es nur wenige Tage bis Wochen – denn, wie heisst es so schön: «Lieber verrückt das Leben geniessen als normal langweilen»! Und somit war für uns schon bald klar: so bald als möglich starten wir auf eine Weltreise, beginnend mit Afrika. Und irgendwie und irgendwann muss unser Weg nach Tansania führen, um das aus den Briefen bekannte Gebiet zu erkunden – ich bin gespannt, wie sich alles verändert hat, so wie sich auch die Eroberung des Kibos stark verändert hat. (Der Bericht unserer Besteigung 2014 ist bei unseren früheren Reisen zu finden. Und vielleicht werden auch die vielgenannten Briefe mal auf unserer Homepage auftauchen …)

Die Ungeduld wird laufend grösser – ich merke immer stärker, dass mich momentan nicht mehr viel hier in der Schweiz zurückhält – ich möchte wieder los! Und ich glaube, auch bei Armin ist es so! Bestärkt wir alles noch dadurch, dass Freunde von uns Mitte April mit ihrem IVECO nach Hamburg aufbrechen, von wo aus sie nach Kanada verschiffen und Nordamerika bereisen werden! Und wie wenn das alles nicht genug wäre –  diese Aufbruchstimmung, das Gefühl, an einem anderen Ort, an der Wärme sein zu wollen, wird noch durch meine momentane Aussicht aus dem Fenster hier in Ernen potenziert – typisches Osterwetter lässt grüssen – es hat über Nacht tatsächlich nochmals über 40 cm Neuschnee gegeben!!! Petrus hat sich da einen nicht eben lustigen, verfrühten 1. Aprilscherz einfallen lassen – wir schreiben ja erst den 31. März! Bei all den Wetterkapriolen der letzten Jahre müsste sich der alte Herr wirklich mal überlegen, ob er sich nicht pensionieren lassen sollte 😉! Für uns heisst es aber, wie im Februar: anstatt sich mit sportlichen und vergnüglichen Aktivitäten fit zu halten, schippen wir wieder einmal Schnee – dieses Mal schweren, nassen Frühlingsschnee – frohe Ostern allerseits!!!

Kein Aprilscherz, sondern bitterer Ernst von Petrus!

Goodby, rafiki yetu! Kwaheri kwa sasa …

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