Weltreise

Happy days

12.11. – 15.12.2019

Die Entscheidung ist gefallen: wir fahren über eSwatini nach Mosambique. Dort möchten wir Matthias besuchen (der junge Motorradfahrer aus dem Baselbiet, den wir zum ersten Mal in der Elfenbeinküste getroffen haben). Er weilt seit fast einem halben Jahr in Ponta do Ouro, hat dort Tauchen gelernt und geniesst sein kleines Paradies in vollen Zügen. Ponta liegt zwar nur wenige Kilometer von unserem momentanen Aufenthaltsort Kosi Bay entfernet, wir nehmen aber den Umweg über das kleine Königreich trotzdem unter die Räder.

Das Wetter war schon in den letzten Tagen etwas launisch und es regnet stark, als wir die Palm Tree Lodge verlassen. Im Wissen, dass wir in Mozambique keine grosse Auswahl an Fleisch (ausser Chicken), Wurst und Käse erwarten können, füllen wir unseren Kühlschrank und unsere Kühlbox mit solch begehrlichen Sachen auf.

Die Landschaft entlang der südlichen Grenze zu eSwatini ist abwechslungsreich. Mal fahren wir durch dichten Wald, dann über einen Bergpass und entlang eines grossen Stausees, durch quirlige Dörfer und Kleinstädte, dann wieder durch die Steppe oder Ackerbauland. Schon kurz nach der Mittagszeit erreichen wir die kleine Grenzortschaft Golela. Genügend Zeit also, nicht nur nach eSwatini einzureisen und zur angepeilten Übernachtungsmöglichkeit zu gelangen, sondern auch genügend Zeit, die V.A.T., die Mehrwertsteuer, für die neuen Reifen und die Ersatzteile von MAN Kapstadt und Durban zurückzufordern. Haben wir uns so gedacht …

Schnell sind die Pässe ausgestempelt, aber am Zoll von Südafrika wird uns gesagt, dass wir die Steuer in eSwatini zurückfordern müssen??? Glauben wir zwar nicht, aber in Afrika läuft der Hase manchmal in eine unerwartete Richtung … nach wenigen Minuten stehen wir vor dem Zollschalter auf der eSwatini-Seite und versuchen zu erfahren, wie wir unser Geld von Südafrika zurückfordern können. Die freundliche Dame möchte sich die Pneus und Ersatzteile kurz anschauen und als sie merkt, dass alles montiert respektive verbaut ist und nicht als Neuware mitgeführt wird, teilt sie uns mit, dass wir die Steuer erstens nur für mitgeführte, ungebrauchte Waren einfordern können, zweitens diese Waren eSwatini nicht wieder verlassen dürfen und drittens sie nicht zuständig sind – wir führen alles ja aus Südafrika aus und haben die Steuer dort bezahlt, also sind die zuständig!

Wir lassen MANni stehen und gehen zu Fuss zurück zum Südafrikanischen Zoll, wo wir unser Anliegen nochmals erläutern. Wo ist die Ware? – Am LKW montiert und der steht auf der anderen Seite der Grenze … Nun wird herumtelefoniert und wir erhalten die Auskunft, dass wir einen Exportschein benötigen, unsere Quittungen nicht genügen. Aber kein Problem – ein Büro für solche Angelegenheiten befindet sich praktischerweise gleich vor dem Grenzposten und gegen eine kleine Gebühr können uns die Papiere dort ausgestellt werden. Ein junger Mann wird abkommandiert und begleitet uns zu besagtem Büro, welches sich in einem unscheinbaren Container neben der Strasse befindet. Aber auch hier kann uns nicht geholfen werden da die Teile und Reifen nicht dauerhaft nach eSwatini eingeführt, sondern das Land schon bald wieder verlassen werden … Unser junge Begleiter gibt noch nicht auf und bringt uns direkt zum Warenzoll, wo wir unser Anliegen nochmals erklären … aber auch hier nur unwissendes Kopfschütteln. Schon bald stehen wir also wieder im Zollbüro und nach weiteren Telefonaten wird uns mitgeteilt, dass wir die V.A.T. hier an diesem Grenzposten nicht zurückfordern können, da es hier kein entsprechendes Büro gibt und wir es an einer grösseren Grenze versuchen müssen …??? Etwas genervt gebe ich der Dame die Nummer von unserem netten Reifenhändler in Durban, denn der kennt sich mit der Ausfuhr von Waren aus. Leider nützt auch das nichts und nach zwei ergebnislos verlaufenen Stunden steigen wir etwas frustriert in unseren MANni ein und hoffen darauf, dass uns Dave wie besprochen bei unserer Rückkehr nach Südafrika im Januar weiter helfen kann … this is Afrika live !

Die nächsten beiden Tage fahren wir durch das kleine und landschaftlich abwechslungsreiche Königreich eSwatini. In den fruchtbaren Ebenen entlang der Berge zu Mosambique wird Zuckerrohr angebaut und in staatlichen Fabriken verarbeitet. In Richtung Nordwesten wird es hügeliger, hier fahren wir durch riesige Eukalyptus- und Pinienplantagen. In Manzini, im Tal der Könige, besuchen wir das eSwatini National Museum, wo wir viel über das Land, die Menschen und die Kultur erfahren. Wir haben gelesen, dass diese Gegend touristisch gut erschlossen ist, erwartet haben wir jedoch keine Luxushotels, protzige Casinos, Einkaufsmeilen und riesige Golfplätze …

Kleiner Einschub: wer weiss, warum das Land von Swaziland zu eSwatini umgetauft wurde? Wie auch wir immer wieder bemerkt haben, wenn wir nach unserer Heimat gefragt werden, wird Switzerland oft mit Swaziland verwechselt respektive die Menschen kennen nur Swaziland und das tönt ähnlich wie Switzerland. Deshalb hat der König seinem Land beim 50-jährigen Unabhängigkeitsjubiläum seinen ursprünglichen Namen zurückgegeben: eSwatini. Verwechslung mit einem anderen Land ab sofort ausgeschlossen .

Die Hauptstadt Mbabane liegt inmitten einer wunderschönen, bergigen Landschaft auf ca. 1500 Meter. Auf der erstaunlich gut ausgebauten Transitstrasse lassen wir die Stadt jedoch schnell hinter uns und wenden uns unserem nächsten Ziel zu – der einzigen Glasbläserei im südlichen Afrika! Hier wird in Handarbeit alles Mögliche aus Glas hergestellt – natürlich Trinkgläser, daneben aber auch Glasschalen, Serviettenringe, Dekantierflaschen, Vasen und Tiere. In der grossen Halle können wir von der hoch oben angebrachten Zuschauerterrasse zusehen, wie die Arbeiter das Glas im Ofen erhitzen und dann verarbeiten. Ganz fasziniert schauen wir zu, wie zum Beispiel vor unseren Augen ein Glaszebra nach dem anderen das Licht der Welt erblickt respektive seine Mähne und den letzten «Schliff» erhält …

Der Nordwestliche Teil des Landes ist hügelig und für seine schönen Wandergebiete bekannt. Da das Wetter leider immer noch sehr launisch ist, wenden wir uns nach Osten und besuchen am Donnerstag noch das kleine, liebevoll gestaltete und informative Sugarcane Museum, wo dem interessierten Besucher die Verarbeitung von Zuckerrohr und die Produkte erklärt wird.

Nach dem Wildcamp von letzter Nacht stellen wir uns heute auf das Camp des Mbuluzi Nature Reserve, welches sich mitten im Busch befindet … ein echtes Bushcamp also . Leider kommt uns aber kein einziges der hier lebenden Tiere besuchen … stimmt so nicht ganz, Vögel zwitschern in den Bäumen, Grillen, Zikaden und Frösche veranstalten ein Konzert und am Morgen entdeckt Armin eine junge Speikobra, welche sich auf das Brett unter einem unserer Räder und zwischen das Profil vor dem Gewitterregen und den kühlen Nachttemperaturen geflüchtet hat – zu ihrem Glück ist sie nicht plattgefahren worden und zu Armins Glück ist sie so früh am Morgen noch nicht auf «Betriebstemperatur» …

Nach so viel Kultur zieht es uns wieder ans Meer – Ponta do Ouro und Matthias, wir sind auf dem Weg . eSwatini lässt uns problemlos ausreisen, das Carnet wird wieder einmal ausgestempelt (wie verlassen die Südafrikanische Zollunion, innerhalb welcher das Carnet an der Grenze nicht gestempelt werden muss) – Mozambique lässt uns jedoch nicht so problemlos hinein, wie wir es gerne gehabt hätten. Zum ersten Mal auf unserer Afrikareise müssen wir eine Buchung vorweisen – ohne die kriegen wir kein Visum . Hier hilft uns Matthias – kurz nach unserem Anruf mailt er uns eine Buchung für Unterkunft und Tauchkurs in Ponta und wir erhalten unser 30 Tage-Visum in den Pass geklebt …

Am frühen Abend erreichen wir Ponta, wo wir uns auf dem leeren Campingplatz, nur wenige zehn Meter vom Stand entfernt, niederlassen. Und obwohl noch nicht allzu viele Südafrikaner hier sind (die kommen dann erst Mitte Dezember), herrscht schon ausgelassene Partystimmung … Wochenendbesucher aus Maputo und anwesende Tauchlehrer und -gäste können auch ordentlich Stimmung machen. Besonders in der Bar oberhalb einer der Tauchschulen, wo am Freitagabend jeweils Livemusik gespielt wird, geht es laut, ausgelassen und gedrängt zu und her …

Schon bevor wir nach Mozambique gekommen sind haben wir geplant, eine gewisse Zeit hier zu verbringen. Am Samstag entscheiden wir uns kurzfristig, die gesamten 30 Tage in Ponta zu bleiben und endlich wieder einmal Ferien zu machen . Ausspannen, relaxen, lesen, baden, lange Strandspaziergänge, schnorcheln … Langeweile kann hier kaum aufkommen. Und obwohl die Tauchschule, bei der Matthias untergekommen ist, nur wenige Schritte neben unserem MANni ihre Basis hat, denke ich keine Sekunde daran, dass mein alter Traum «Scuba-Tauchen» irgendwann in Erfüllung gehen könnte … denn Armin wollte das nie machen und wer uns kennt weiss, dass wir entweder etwas miteinander machen oder dann eben keiner von beiden …

Somit falle ich am Sonntag fast aus allen Wolken, als Armin verkündet, dass er sich eigentlich schon lange entschieden hat, hier in Ponta mit mir tauchen zu lernen und mir so eine Freude zu machen ! Vorgezogene Weihnachten für mich !!!

Schon am nächsten Nachmittag begeben wir uns mit Martin, dem aufgestellten und überaus liebenswerten Tauchinstruktor zu unserer ersten Poolsession, wo wir lernen, wie wir uns in den engen Neoprenanzug zwängen, welcher Luftschlauch für was gut ist und wie alles bedient wird, wie wir aus dem Mundstück atmen müssen, wie die Tarierweste mit der Sauerstoffflasche und den verschiedenen Luftschläuchen anzuziehen ist, wie wir unter Wasser eingedrungenes Wasser aus der Tauchmaske entfernen können, die wichtigsten Handzeichen usw. … Nicht nur ich bin erstaunt, wie wohl sich Armin unter Wasser fühlt und somit steht dem ersten Ozeantauchgang nur noch eine Nacht im Wege … Nach einer kürzeren Bootsfahrt zu einem der im flacheren Wasser liegenden Riffe rollen wir gemeinsam mit Martin rückwärts über die Gummibootwand ins Wasser, geben uns gegenseitig das o.k.-Zeichen und lassen die Luft aus unserem BCD (Tarierweste) … wir werden bei diesem ersten Tauchgang von der Unterwasserwelt wahrhaftig verwöhnt – neben den unzähligen verschiedenen bunten Fischen sehen wir noch einen grossen Rochen und eine ausgewachsene Loggerhead Turtle (Unechte Karettschildkröte) schwimmt so nah unter uns hindurch, dass Armin sogar ihren Panzer berühren kann … auch die Korallen, Seesterne und Schwämme in diesem Paradies sind vielfältig und begeistern mit ihren Strukturen, Formen und Farben … Überwältigt von dieser faszinierenden, magischen und uns bisher nur aus Dokumentarfilmen bekannten Welt tauchen wir nach fast einer Stunde (!) überglücklich wieder auf und lassen uns vom Skipper Tito zurück an den Strand fahren …

Schon am nächsten Tag geht es mit Martin wieder in den Pool, wo wir an unserer Haltung unter Wasser arbeiten und noch mehr Skills lernen und üben (Kompetenzen wie Maske aus- und anziehen, geflutete Maske ausblasen, dem Tauchpartner bei Luftknappheit helfen etc.). Da der Wind recht stark und das Meer recht unruhig ist, lassen wir uns Zeit mit dem nächsten Unterwasserabenteuer und unternehmen lange Strandspaziergänge, machen es uns im Schatten unserer Sonnensegel gemütlich und lesen oder lernen Tauchtheorie – denn wer das Tauchbrevet erhalten will, muss nicht nur die erforderlichen Skills unter Wasser beherrschen, sondern auch eine Theorieprüfung ablegen … nach wenigen Tagen haben wir diese zweite Hürde geschafft und innerhalb der nächsten wenigen Tauchgängen auch den Rest . Und so sind wir beide seit dem 5. Dezember 2019 brevetierte Taucher bis 20 Meter Tiefe (Open Water 20) !

Bis jetzt hat uns Petrus mit viel Sonnenschein und Hitze verwöhnt – nun scheint er eher in einer depressiven Phase zu stecken. Es vergeht fast kein Tag ohne Regen, an manchen Tagen regnet es sogar mehrheitlich, es ist ungemütlich und alles ist feucht… ganz zu schweigen von den fast als eisig zu bezeichnenden Temperaturen von 22-25 Grad ! Und wer nun meint, selber schuld, es ist ja auch Regenzeit in Ostafrika, hat ja recht – Regenzeit heisst jedoch normalerweise ein oder zwei plötzliche und auch heftige Regenfälle pro Tag, aber trotzdem mehrheitlich Sonnenschein und Wärme …

Eine unerwartete Begegnung, welche vielen Reisenden immer wieder passiert, ist folgende: wir haben in Lesotho einen jungen Mann aus Lausanne kennen gelernt, welcher damals mit dem Mountainbike unterwegs war. Wir hätten nie gedacht, ihn wiederzusehen … aber eines schönen Tages in Ponta ist er in der Tauchschule und möchte ebenfalls tauchen lernen – unterdessen reist er als Backpacker mit den öffentlichen Verkehrsmitteln umher …» if you´re travelling you allways meet twice!» heisst es ja oft .

Bis zu unserer Abreise am 14. Dezember folgen noch einige unvergessliche Tauchgänge zu verschiedenen Riffen bei Ponta und wir geniessen jeden davon in vollen Zügen, auch wenn wir im nassen Neopren an manchen Tagen froh sind, wieder an Land zu sein und uns unter der heissen Dusche aufwärmen zu können (wie Martin jeweils meint: «get nice and toasty again») … oder wenn wir froh darüber sind, trotz den hohen Wellen und dem wilden Ritt übers Meer nicht seekrank geworden zu sein …

Mittlerweile war ich 14 Mal unterwasser unterwegs und habe knapp 13 Stunden lang diese Traumwelt geniessen können. Armin hat einen Tauchgang weniger und somit auch ca. 1 Stunde weniger dort verbracht … gesehen haben wir sooooo viel, dass wir an dieser Stelle keine Aufzählung machen, sondern unsere Bilder erzählen lassen möchten …

Und es kommt, wie es immer kommt mit Ferien: vergeht die Zeit während der ersten Hälfte eher langsam, fliegt der Rest nur so davon … und schon heisst es Abschied nehmen von diesem kleinen Paradies und all den lieben Menschen, welche wir kennen lernen durften . Wenn ich es recht überlege, ist es auch Zeit, weiterzuziehen – waren bis jetzt nur an den Wochenenden viele Leute auf dem Campingplatz, beim Tauchen und am Strand, wird es ab morgen, dem 15. Dezember, eng in Ponta – die Weihnachtsferien der Südafrikaner haben begonnen …

Da wir erst im nächsten Jahr nochmals für 90 Tage nach Südafrika einreisen können, haben wir geplant, nur für zwei Nächte Mozambique zu verlassen (hoffentlich wird uns das gewährt) und am Montag nochmals ein Visum für 30 Tage zu holen, damit wir dieses schöne Land noch etwas weiter in Richtung Norden erkunden können. Aber eben, Planung ist gut, es kommt aber oft anders als man denkt… Schnell sind wir an der kleinen Grenzstation zwischen Ponta und Kosi Bay aus Mozambique ausgereist und fast so schnell sind wir in Südafrika eingereist – mit weiteren 90 Tagen Aufenthaltsbewilligung im Pass!!! Somit werden aus den zwei Nächten in der Palm Tree Lodge drei Nächte – wir müssen uns den neuen Gegebenheiten anpassen und umdenken respektive -planen … Mozambique doch jetzt nochmals besuchen und nur ca. zwei Monate Südafrika bereisen oder in Südafrika bleiben und Mozambique später oder gar nicht weiter erkunden? Die Entscheidung ist nicht einfach …

Wer sich noch an den Anfang dieses Beitrags erinnern kann, hat wahrscheinlich gemerkt, dass wir uns jetzt, am Ende dieses Berichts, wieder in der selben Lodge befinden und auch dieser Erguss, so wie der Letzte, hier in die Tasten gehauen wird . Somit haben wir in den letzten fünf Wochen eine richtige Rundreise gemacht, der Kreis hat sich geschlossen … wenn auch mit nur wenigen Destinationen …

Auch das Jahr 2019 wird bald abgeschlossen und Vergangenheit sein, für uns hatte dieses jedoch unzählige Destinationen – wenn wir zurückdenken, wo wir vor einem Jahr waren (in Ghana am Voltasee) und was wir alles in dieser Zeit erleben und sehen durften, wie viele nette Leute wir kennengelernt haben, kommt es uns vor, als wenn das alles gar nicht in einem einzigen Jahr Platz haben kann …

Und so bleibt uns für 2019 nur noch folgendes zu sagen:

Merry X-mas and a Happy New Year

Geniesst den Winter und hebed eu Sorg!

Goodby, rafiki yetu! Kwaheri kwa sasa …

 

Gesamtstrecke: 845.44 km
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