Weltreise

Zwischen Tradition und Moderne

13.11. – 06.12.2018

Bis am Mittwochmorgen bleiben wir am schönen Sandstrand bei Kabrousse im SĂŒden von Senegal. Es ist perfekt hier – aber wie es so ist, es zieht uns weiter. Wir haben uns entschieden, die Grenze nach Guinea auf der Hauptstrecke bei Sambailo zu ĂŒberqueren, welches weit im Osten des Landes liegt. Und so verbringen wir einen langen Fahrtag auf der Strasse, wieder mit unzĂ€hligen Checkpoints, welche uns nicht unwesentlich aufhalten. Erst am spĂ€ten Nachmittag erreichen wir unser Ziel, ein Campement in VĂ©lingara, wo wir uns problemlos im Hof hinstellen können. Aber trotz der MĂŒdigkeit ist es schwierig, einzuschlafen – es wird einfach nicht kĂŒhler â˜č!

Da wir hier im Senegal unterdessen wissen, wo wir was einkaufen können, erledigen wir das noch, bevor wir in ein neues, unbekanntes Land aufbrechen. Den Senegalesischen Grenzposten erreichen wir kurz nach 13 Uhr – eine dĂŒmmere Zeit hĂ€tten wir uns nicht aussuchen können, denn bis um 15 Uhr geht hier gar nichts mehr – Mittagszeit!!! Und so verbringen wir die heissen Stunden in der prallen Sonne wartend. Das einzig nĂŒtzliche, was wir erledigen können, ist Geld wechseln – Guinea hat seine eigene WĂ€hrung, den Guinea Franc.

Irgendwann kommt endlich Bewegung in die Sache. Sobald sich die TĂŒr der Polizei öffnet, beginnt das Rennen und DrĂ€ngeln, jeder will der Erste sein – warum wir dann in den Genuss dieses Privilegs kommen und an allen anderen Wartenden vorbeigewinkt werden, erstaunt nicht nur uns und wir ernten den einen oder anderen nicht eben freundlichen Blick 
 Schnell sind die PĂ€sse abgestempelt (nicht ohne vom Beamten gefragt zu werden, ob wir das Visum fĂŒr Guinea im Pass haben 😊) und auch das Carnet, fĂŒr welches der Zoll (Douane) zustĂ€ndig ist, ist schnell und routiniert ausgefĂŒllt.

Das ganze Prozedere gestaltet sich in Guinea dann etwas komplizierter, jedoch ebenfalls zĂŒgig und routiniert. Im ersten Dorf PĂ€sse einstempeln (Polizei), im nĂ€chsten grösseren Dorf das Carnet einstempeln (obwohl sich die Beamten an der Grenze auf unsere Nachfrage nicht einig sind, ob das dort, in Sambailo oder gar erst in KoundĂąra der Fall ist), hier nochmals zur Polizei, um die Passdaten in ein Buch eintragen zu lassen – wellcome to Guinea 😊.

Und dann begehen wir unsere erste Straftat in Afrika – wir ĂŒbersehen in KoundĂąra den Posten des Zolls, welcher unser Carnet und den Aufbau kontrollieren will 
 ein Beamter wird mit dem Auto (notabene ohne Nummernschild!) hinter uns hergeschickt und signalisiert nach einem Überholmanöver mitten in Ort, dass wir umkehren und ihm folgen mĂŒssen 
 hoffentlich hat das keine unangenehmen Folgen! Das Ganze wird aber afrikanisch locker behandelt und schon nach kurzer Zeit sind wir durch den Ort hindurch und richten uns etwas abseits der Strasse fĂŒr eine ungestörte Nacht ein 


Auch das Guineische Verkehrsministerium liebt «schlafende Polizisten», hier in Form von jeweils mehreren schmalen, hohen Bumps, welche sich vor, in und nach den Dörfern quer ĂŒber die Fahrbahn legen 
 wenn ich es mir genau ĂŒberlege, wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, tĂ€glich unzĂ€hlige Todesopfer in den Ortschaften zu verhindern 
 Apropos Todesopfer – wir fragen uns schon bald, wie viele jungen MĂ€nner jedes Jahr hier tödlich verunfallen, nur weil sie keinen Platz mehr in den alten, maroden, eh schon ĂŒberbelegten Peugeot-Kombis finden und es sich auf dem meterhoch aufgetĂŒrmten GepĂ€ck auf dem DachtrĂ€ger bequem machen! Oder sich auf dem Dach eines LKW hinsetzen und locker die Unebenheiten der Strasse ausbalancieren 
 wie man sich denken kann, wird deswegen nicht etwa langsamer oder vorsichtiger gefahren 


Unsere Freude ĂŒber die meist gute Teerstrasse ist nicht von Dauer –  am Nachmittag geht diese ĂŒber in eine wirklich ĂŒble, ausgewaschene, rote Piste, welche sich durch das dichte GrĂŒn des Urwalds in die Höhe schlĂ€ngelt und uns nur noch sehr langsam vorwĂ€rtskommen lĂ€sst. Und so was nennt sich Hauptverbindungsstrasse đŸ˜Č! Es wird spĂ€ter und spĂ€ter – und kein Platz im Dickicht neben der Piste weit und breit, um sich fĂŒr die Nacht hinzustellen! Endlich – ein kleiner unebener Fleck, wo wir keine zwanzig Meter neben der Piste stehen bleiben und von allen Vorbeifahrenden hupend und winkend gegrĂŒsst werden 😊. Und es gibt wirklich Fahrer, welche mit ihren schweren und langen Sattelschleppern oder Dreiachser in tiefster Dunkelheit hier durchpoltern 😉
 Wenn wir gewusst hĂ€tten, dass uns wenige Kilometer weiter ein herrlicher Asphaltbelag hĂ€tte dahinschweben lassen 
 macht er dann aber auch am nĂ€chsten Morgen 😉.

In LabĂ© versorgen wir uns mit Internet – dank dem Englisch sprechenden VerkĂ€ufer im kleinen Laden an der Durchfahrtsstrasse ist auch das schnell erledigt und Armin ist wieder glĂŒcklich 😉.

Hier im Herzen von Guinea soll es einige sehenswerte WasserfĂ€lle geben – einen davon möchten wir heute ansteuern. Auf passabler und breiter Piste geht es durch Dörfer, Felder und WĂ€lder immer weiter in den Dschungel. Nach einer Abzweigung wird es eng und die Spuren der tiefhĂ€ngenden Äste gesellen sich zu denen, welche schon an MANni’s Seiten vorhanden sind 
 bis es dann kurz vor dem Wasserfall wirklich nicht mehr weiter geht â˜č. Daran haben weder die BĂ€ume noch die Piste Schuld – sondern ein kleinerer Bach, welcher in der Regenzeit die BrĂŒcke demoliert hat und wir nicht riskieren möchten, diese komplett unpassierbar zurĂŒckzulassen 
 denn ein PW kommt hier noch durch und es wird an der Reparatur gearbeitet. Ein Wendemanöver auf kleinstem Raum spĂ€ter zwĂ€ngen wir uns wieder zurĂŒck auf die breitere Piste, wo wir uns in Folge der fortgeschrittenen Zeit einfach auf eine Lichtung neben diese stellen. Und auch hier scheint es niemanden zu stören – wir werden von den vielen vorbeifahrenden Motorradtaxis und deren Mitfahrer freundlich gegrĂŒsst 


Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, geben wir noch lange nicht auf – der nĂ€chste Wasserfall wartet! Hier ist es nicht der Zustand einer BrĂŒcke, welcher uns unser Ziel nicht erreichen lĂ€sst, sondern etwas unfreundliche und unverschĂ€mte Burschen (MilitĂ€r?), welche uns fĂŒr die Zufahrt 50’000 GFr. (ca. 10 CHF, fĂŒr uns nicht viel, aber in diesen LĂ€ndern ist das eine hohe Summe!) und fĂŒrs Übernachten ZusĂ€tzliches abknöpfen wollen! Ich kann den «Preis» fĂŒr die Durchfahrt wohl innerhalb weniger Minuten und erstaunlich einfach auf 20’000 GFr. drĂŒcken, beim «Preis» fĂŒr die Übernachtung ist jedoch kein Verhandeln möglich – wir wenden und lassen damit die unsympathischen Burschen sowie das ungute GefĂŒhl, welches in uns hochgekrochen ist, dort zurĂŒck 


3. Versuch bei den nahegelegenen Kambadaga-FĂ€llen. Die eh schon schmale und zum Teil nasse Piste fĂŒhrt kurz vor dem Ziel steil und tief ausgewaschen durch hohes Gras zum Fluss herunter – wir begutachten das lieber mal zu Fuss. Machbar ist es und unten könnten wir uns halb auf der lehmigen Piste, halb im hohen Gras hinstellen – fĂŒr eine Nacht 
 Schon bald taucht ein jĂŒngerer Mann auf und will 100’000 GFr. (đŸ˜Č!) und noch extra fĂŒr die Nacht, das sei der «offizielle» Preis (wir hatten gelesen, dass es etwas kosten soll, aber das?) 
 wir bieten ihm 20’000 inkl. Übernachtung. Die will er nicht, ist zu wenig, er muss schon mehr dem Chief abliefern und wir sind doch BrĂŒder und Schwestern und jeder muss leben können 
 auch hier, nicht mit uns und so sind wir schnell wieder startbereit. Der Mann merkt, dass ihm hier Geld davonfĂ€hrt und rennt hinter uns her 
 wir können fĂŒr die gebotenen 20’000 bleiben. Und damit er nicht ganz leer ausgeht, kriegt er eine Flasche Wasser, eine Dose Bier und Zigaretten von uns geschenkt, nur um nach einiger Zeit leicht lallend nach mehr zu verlangen 


Uns ist bewusst, dass wir in den Augen dieser Menschen unerhört reich sind und uns alles leisten können, wo sie zum Teil wirklich nichts haben – wir sind aber der Meinung, dass es weder den hier lebenden Menschen noch fĂŒr die Zukunft dieser LĂ€nder etwas bringt, wenn der reiche EuropĂ€er sein Geld mit offenen HĂ€nden wahllos jedem, der etwas davon will, verteilt. Denn genau dieses Verhalten fĂŒhrt schlussendlich dazu, dass keine Relation mehr zwischen «Dienstleistung» und Preis besteht 
 wollen wir das wirklich? Ausserdem lernt man und frau auch hier schnell 


Diese Nacht kĂŒhlt es etwas ab – der steile und ausgewaschene RĂŒckweg steckt aber im Hinterkopf und so sind wir schon vor dem FrĂŒhstĂŒck startbereit – meine beiden MĂ€nner (😉) meistern die schwierige Auffahrt problemlos und schon bald können wir nach einem kurzen Fussmarsch durch den Busch die Kambadaga-FĂ€lle von Weitem und in ihrer ganzen Pracht geniessen 😊.

Nach all diesen Abenteuern sehnen wir uns nach einer Pause – na ja, wir sind ja auch nicht mehr die JĂŒngsten und das feuchtheisse Klima geht an die Substanz 
 und wir finden tatsĂ€chlich schon bald einen Platz etwas abseits der Strasse und eines Dorfs, wo wir uns auf eine Wiese neben einen Pinienwald hinstellen und nur am Abend von der Dorfjugend belagert werden 
 «Bonsoir, bonsoir, est’que vous avez des cadeaux pour nous?»

Am nĂ€chsten Morgen werden wir von zwei geduldig auf ihren MotorrĂ€dern wartenden MilitĂ€rs aufgeklĂ€rt, dass wir uns bei der PrĂ€fektur hĂ€tten melden mĂŒssen 
 ja, wenn wir nur wĂŒssten, wo sich diese befindet 


Wir haben noch lange 10 Tage Zeit, bis unser Visum fĂŒr die ElfenbeinkĂŒste ab dem 1. Dezember gĂŒltig ist, mĂŒssen keine weiteren Visa in Conakry holen, sind nicht erpicht darauf, unnötiges Geld fĂŒr fragwĂŒrdige «Eintrittspreise» fĂŒr was auch immer auszugeben und steuern deshalb MANni in Richtung Westen – ansonsten sind wir schon in drei bis vier Tagen an der Grenze. Die Landschaft, welche bis jetzt grösstenteils hĂŒgeliges, grĂŒnes Dschungelgebiet gewesen ist, Ă€ndert sich in Richtung Westen und wird bergiger. Auch die Art der HĂ€user Ă€ndert sich: es kommen hier weniger der bis jetzt vorherrschenden gemauerten, zum Teil gefliesten und viereckigen Bauten vor, RundhĂŒtten werden hĂ€ufiger.

Wir nĂ€hern uns dem jungen Niger, wo das Land wieder flacher und fruchtbar wird. Bei der Landestelle einer PirogenfĂ€hre nennt i-Overlander einen schönen und ruhigen Stellplatz – schön ist es hier wirklich, aber die heimkehrende Jugend vom Dorf am anderen Ufer ist zeitweise doch sehr aufdringlich 
 nur ein junger Mann beginnt sehr interesseiert auf Englisch mit uns zu plaudern 😊.

Die Dörfer, welche wir zuerst auf einer von Schlaglöchern ĂŒbersĂ€ten Asphaltstrasse, dann auf einer staubigen Piste durchfahren, bestehen aus vielen «Familiendörfern», einzelnen aus Lehm und Holz gebauten RundhĂŒtten, welche von einem Zaun aus DornenĂ€sten umgeben sind. Uns fallen die vielen alten Traktoren auf, welche in verschiedenen ZustĂ€nden des Zerfalls herumstehen – auch hier wurden die Maschinen gebraucht, bis sie den Geist aufgegeben haben und bereichern nun das Dorfbild, dienen als Ersatzteillager oder den Kindern als KlettergerĂŒst.

Das Hinterland von Guinea ist sehr wasserreich, die Piste fĂŒhrt immer wieder an Sumpfgebieten entlang, wo oft Reis angebaut wird. Auf den kleinen Teichen schwimmen Seerosen mit grossen, weissen BlĂŒten und in den BĂ€chen wird die WĂ€sche auf dem Waschbrett gerubbelt – oft sehen wir junge MĂ€nner oder Knaben diese Arbeit verrichten! Allgemein stimmt das gĂ€ngige Bild von Afrika fĂŒr uns nur bedingt mit dem Erlebten ĂŒberein. So sehen wir nicht nur die Frauen ihre Ware auf dem Kopf oder ihr Kleinkind auf dem RĂŒcken mit sich herumtragen –  auch die MĂ€nner und Knaben laufen mit SchĂŒsseln, HolzbĂŒndeln oder grossen SĂ€cken mit Mais oder Mehl auf dem Kopf herum und der eine oder andere Junge trĂ€gt sein jĂŒngeres Geschwisterchen auf dem RĂŒcken bei sich. Zugegeben, die Bewegungen der Frauen und MĂ€dchen sind eleganter und sexyer, manchmal in unseren Augen schon fast aufreizend in den figurbetonten, bunten Kleidern – aber sie geben definitiv das schönere Bild ab als ihre MĂ€nner, VĂ€ter und BrĂŒder 😉.

Und trotzdem in diesem Land ĂŒber 90% der Bevölkerung muslimischen Glaubens sind, sehen wir viele Frauen ohne Kopftuch und auch sonst wird hier ein sehr liberaler Umgang mit dem Glauben gelebt. Unter den bunten Farben der Kleider stechen uns jedoch besonders diejenigen in die Augen, welche von Kopf bis Fuss, inkl. HĂ€nde, in Schwarz daherwandeln und der Schlitz fĂŒr die Augen kaum ausreicht, um hindurchzuschielen 


Auffallend ist, dass die Menschen beim NĂ€herkommen eines Fahrzeugs neben die Piste treten oder sogar im Busch verschwinden 
 na ja, die Schaukelei vom MANni muss fĂŒr sie furchterregend und höchst beĂ€ngstigend aussehen 😉 


Wir schaukeln unseren PistenhĂŒpfer weiter ĂŒber unebene und ausgewaschene Pisten und durch kleine Dörfer, wo die Menschen manchmal doch eher auf absurde Weise in von Europa gespendeten Second- oder Thirdhand-Kleidern stecken. So fĂ€llt mir besonders eine Frau auf, welche bei mindestens 35° C ihr kleines Baby in einen dieser bei uns angesagten PlĂŒschoveralls in Tiermustern inkl. Kapuze mit Ohren, welche fĂŒr unsere MitteleuropĂ€ischen Winter ausgelegt sind, gesteckt hat – eine kleine, wahrscheinlich ĂŒberhitzte Giraffe in Guinea! Oder der junge Mann, der ein T-Shirt, das offensichtlich fĂŒr ein weibliches Geschöpf hergestellt wurde, zur ausrangierten Jeans trĂ€gt. Und auch die alte Frau, welche immer noch, wie seit eh und je, in ihrem alten Stofffetzen gehĂŒllt herumlĂ€uft – ich bin mir dann nicht sicher, ob fĂŒr diese Menschen der «Fortschritt», welcher mit der Kolonialisierung Einzug gehalten hat, wirklich ein Segen oder nicht eher ein Fluch ist und sie nicht mit ihren althergebrachten Traditionen und der dem Klima und den Ressourcen angepassten Kleidung glĂŒcklicher und zufriedenen wĂ€ren. Nur so als Gedankenanstoss 


Die reiche Wegwerfgesellschaft «spendet» und verschifft seine nicht mehr gebrauchten oder zu viel gekauften KonsumgĂŒter (hierzu zĂ€hle ich auch Fahrzeuge und ElektronikgerĂ€te!) nach Afrika, wo die Bevölkerung sicher dringenden Bedarf an einigen Artikeln hat, andere aber einfach nicht hierhin passen. Was auch auffĂ€llt ist, dass auch in den abgelegensten Dörfern SatellitenschĂŒsseln, Solarpanel und Handy zum normalen Bild gehören – hier oft aus China importiert, wo die Ware den QualitĂ€tskriterien nicht genĂŒgt und als Ausschussware in den Containern fĂŒr Afrika landet!

Solche Bilder und Überlegungen geben mir zu denken oder machen mich einfach nur traurig! Mir schwirrt noch viel mehr zu verschiedenen Themen durch den Kopf. Dies aber niederzuschreiben, sprengt den Rahmen – denn wer das alles nicht selber gesehen und erlebt hat, kann es auch nicht nachvollziehen 
  lassen wir es drum bei diesen Gedanken bleiben.

Ich möchte hier nicht alles, was aus den IndustrielĂ€ndern kommt, schlechtmachen. Was sicher gut und wichtig ist, sind die ĂŒberall vorhandenen Wasserbrunnen mit Handpumpe, welche die Dörfer den Entwicklungsorganisationen zu verdanken haben. Hier kann sich die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgen – obwohl ich gerade daran denke, dass die PirogenfahrgĂ€ste am Niger das Flusswasser ungefiltert getrunken haben – na dann mal Prost 😉!

Wir nĂ€hern uns mit Riesenschritten der Grenze zur ElfenbeinkĂŒste und haben immer noch (zu) viel Zeit, bis unser Visum seine GĂŒltigkeit erlangt (selber schuld, wir haben ja dieses Datum gewĂ€hlt) 
 Unser letztes Ziel hier in Guinea heisst Bossou, wo es laut ReisefĂŒhrer einer der letzten Gebiete primĂ€ren Regenwaldes in Westafrika geben soll. Dort lebt, dank eines Jagdtabus, noch eine kleine Gruppe wilder Schimpansen. Der Weg dorthin hĂ€lt dann eine kleine Herausforderung fĂŒr uns bereit: in Lola, einer grösseren Ortschaft, ist ausgerechnet heute grosser Markttag. So ist die Strasse durchs Dorf gesperrt und auf der Piste, welcher uns als Umfahrung angezeigt wird, ist ein Verkehrschaos und es geht hier weder vor noch zurĂŒck. Zum GlĂŒck können wir wenden und suchen uns unsere eigene Umfahrung – eine zum Teil schmale, ausgewaschene und mit tiefhĂ€ngenden DrĂ€hten ĂŒberspannte Piste, welche sich zwischen den WohnhĂ€usern hindurchschlĂ€ngelt – die Anwohner haben GlĂŒck, dass wir keines hinuntergerissen haben!

Die Piste nach Bossou und weiter zur Grenze nach Liberia gibt uns einen guten Eindruck, wie es in der Regenzeit hier aussehen kann – die tief eingegrabenen Fahrspuren sind als stumme Zeugen zurĂŒckgeblieben. In Bossou angekommen, können wir uns beim «Institut de Recherche Environnementalde Bossou» hinstellen – kostenpflichtig zwar, aber wir werden hier weniger von der Dorfjugend belĂ€stigt, welche immer wieder Touristen zu Gesicht bekommt, auch wenn nicht mehr viele den Weg hierhin finden werden. Wir arrangieren fĂŒr Dienstag eine FĂŒhrung zu den Schimpansen, ein teurer Spass, welcher mit 500’000 GFr. pro Person zu Buche schlĂ€gt (ca. 100 CHF, p.P.!). Wir hoffen, fĂŒr dieses Geld denn auch wirklich den einen oder anderen Affen zu sehen 😊.

FrĂŒh am Morgen folgen wir unserem FĂŒhrer auf schmalen Pfaden in den Regenwald – und sind schon nach kurzer Zeit völlig durchgeschwitzt. Sobald sich die Sonne zeigt, steigen das Thermometer und der Hygrometer gefĂŒhlt explosionsartig an, was natĂŒrlich so nicht stimmt, denn hier in den Tropen ist es immer schwĂŒlheiss und jede Bewegung drĂŒckt das Wasser aus den Poren! Nach einigen steilen Stellen, wo ich mich an den BĂ€umen und Wurzeln festhalten muss, um nicht abzurutschen, werden wir angehalten, still zu sein und zu warten 
 die Spannung steigt 
 Fehlalarm â˜č. Aber ein zweiter Guide, welcher an einer anderen Stelle nach den Viechern sucht, meldet, wo er welche gesehen hat 
 wieder den Steilhang, dieses Mal aber querwaldein, hinunter und 
 im Dickicht vor uns sehen wir den RĂŒcken eines grösseren Schimpansen, welcher aber sogleich wieder verschwindet â˜č. Es geht weiter und plötzlich sehe ich im Augenwinkel eine Bewegung – ein Schimpanse ĂŒberholt mich links, keine fĂŒnf Meter entfernt! Und dann entdecken wir sie – zwar nur zwei der sieben noch lebenden Schimpansen, aber es ist trotzdem ein Erlebnis, sie hier in Freiheit zu sehen 😊! Wir können die Beiden fĂŒr lĂ€ngere Zeit beobachten, wĂ€hrend der eine Guide fĂŒr das Forschungszentrum seine Beobachtungen zu den Tieren in sein Notizheft schreibt. Nach 2 Âœ Stunden kommen wir schmutzig und nass, aber tief beeindruckt ob des Erlebten wieder zum MANni zurĂŒck – zum GlĂŒck können wir die hier vorhandene KĂŒbeldusche benutzen!

28. November – wir sind uns einig, dass wir nicht lĂ€nger hierbleiben möchten, uns zieht es weiter 
 wir haben gelesen, dass ein Paar schon einen Tag, bevor ihr Visum gĂŒltig war, ohne Probleme in die ElfenbeinkĂŒste eingereist ist 
 aber drei Tage vorher? Wir entscheiden uns, es zu versuchen, obwohl wir nicht wissen, was wir machen sollen, wenn wir zwar aus Guinea ausgereist sind, aber nicht ins nĂ€chste Land einreisen können 


Um es kurz zu machen: entweder schauen sich die Beamten das Datum nicht an (obwohl unser Visum sowohl an der Grenze wie auch spĂ€ter auf dem Polizeikommissariat mit dem Handy abfotografiert wird!) oder es ist ihnen egal, ab wann ein Visum seine GĂŒltigkeit hat – wir reisen ohne Problem oder Diskussion in die ElfenbeinkĂŒste ein 😊! Somit haben wir ein Kuriosum im Pass – einen Eireisestempel mit einem Datum drei Tage vor GĂŒltigkeit des entsprechenden Visums! Und hier, an einem Grenzposten mitten im Urwald an einer schlechten Piste hat es einen Arzt, welcher die obligatorische Gelbfieberimpfung auch wirklich kontrolliert und uns die Temperatur an der Stirn misst! So mit einem GerĂ€t, das wie ein Bolzenschussapparat aussieht – zum GlĂŒck knallt es nicht 😉! Auch das gibt es in Afrika!

Schon im SĂŒden von Guinea sind die Chinesen daran, diese Hauptverbindungspiste neu zu bauen – hier auf der Seite der ElfenbeinkĂŒste sind sie ebenfalls am Werk. Dies hat zur Folge, dass MANni fĂŒr einige Kilometer ĂŒber eine wunderschöne, breite Piste schweben kann, um sich dann wieder durch Schlammlöcher und Auswaschungen auf der alten, schmalen Piste quĂ€len zu mĂŒssen 
 schnell kommen wir so nicht voran! Aber bis nach Man, wo wir uns zum ersten Mal bei einem Hotel hinstellen möchten, wo dies möglich ist, ohne ein Zimmer zu nehmen, sollte das Tageslicht noch ausreichen 


Wir haben die Rechnung ohne die Polizei gemacht – schon an der Grenze werden wir aufgefordert, uns in DananĂ©, der ersten grösseren Ortschaft, auf dem Kommissariat zu melden – warum, erklĂ€rt uns keiner, es ist einfach so, Punkt! Na ja, wird wohl nicht unbedingt nötig sein, warum ist ja auch nicht klar 
 zu unserem Pech gibt es aber kein Entrinnen, zu viele werden es schon so gemacht haben! Eingangs Ort ist bei einem Kontrollposten eine Kette ĂŒber die Strasse gespannt und wir mĂŒssen unsere PĂ€sse vorweisen. Diese wandern umgehend in die Tasche eines Beamten đŸ˜Č und wir werden aufgefordert, diesem aufs Kommissariat zu folgen! Uns bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als dieser Aufforderung zu folgen und wir verbringen somit die nĂ€chste Stunde zuerst vor dem BĂŒro wartend, dann im BĂŒro gegenĂŒber einem jĂŒngeren Officer sitzend. Dieser tippt all unsere Daten (und noch viel mehr, da er immer wieder Fragen hat) in sein Handy und fotografiert das Visum nochmals – in ein Buch einschreiben geht wesentlich schneller 😉! Dann will er unser Fahrzeug sehen und macht von allen Seiten ein Foto – fĂŒr was das alles gut sein soll, ist uns ein RĂ€tsel. Auf jeden Fall bleiben wir hier zu lange hĂ€ngen und erreichen Man an diesem Tag nicht mehr. Somit brauchen wir einen freien Stellplatz fĂŒr die Nacht – nicht einfach, wenn sich Dorf an Dorf entlang der rege befahrenen Hauptstrasse reiht und es immer Dunkler wird 
 schlussendlich stellen wir uns einfach an den Rand des Sportplatzes bei einer Schule hin, direkt bei einem Dorf und es scheint niemanden zu stören 😊.

In Man beziehen wir Quartier im Hof des Hotels «Les Cascades», wo wir kostenlos stehen dĂŒrfen. Im Gegenzug essen wir an den drei Tagen im Restaurant zu Abend. Die sehr nette Patronne lĂ€sst uns sogar unsere Batterien aufladen, welche uns seit einigen Tagen etwas Sorgen machen. Sobald viel Strom fliesst, so beim Gebrauch der Kaffeemaschine oder der Induktionskochplatte, kommt es zu einer Notabschaltung, da die Spannung zusammenfĂ€llt. Armin befĂŒrchtet, dass eine der vier Batterien hinĂŒber ist und wir versuchen mĂŒssen, irgendwo neue zu besorgen 
 da es sich um spezielle Solarbatterien handelt, kein eben einfaches Unterfangen, aber dank Internet auch nicht unmöglich! Das Aufladen ĂŒber Nacht funktioniert irgendwie nicht, wie es sollte – irgendwas stimmt hier wirklich nicht. Armin testet, was passiert, wenn der Hauptschalter gedreht wird – nichts, der Strom fliesst wie gehabt! Kann es sein, dass es nur an diesem einen Schalter liegt? Probieren geht ĂŒber Studieren und schon nach kurzer Zeit ist der Schalter ĂŒberbrĂŒckt – und alles scheint zu funktionieren, wie es sollte 😊 (und funktioniert immer noch, es war wirklich der Schalter!). GlĂŒck gehabt.

Hier in Man ruhen wir uns etwas aus, denn wir merken beide, dass uns das Klima und die Anspannungen der letzten Wochen an die Substanz gegangen sind – wir sind beide etwas dĂŒnnhĂ€utig geworden (im wahrsten Sinne des Wortes: tauche ich meine HĂ€nde in Wasser, kriege ich innert kĂŒrzester Zeit Waschweiberfinger und so weiche Fersen hatte ich schon lange nicht mehr 😉). In den drei Tagen hier unternehmen wir nur einen halbtĂ€gigen, gefĂŒhrten Ausflug, welcher uns zu einem nahen Wasserfall, in ein traditionelles Dorf, zu einem heiligen Wald und seinen darin lebenden Makaken und zur Kathedrale von Man fĂŒhrt, wo wir die Stadt von oben sehen können. Danach bummeln wir gemĂŒtlich zum Hotel zurĂŒck und kaufen unterwegs noch eine schöne Ananas fĂŒr ca. 2 CHF. Ansonsten ist, abgesehen von der Reparatur und WĂ€sche waschen, nicht viel los bei uns.

Wir sind nicht diejenigen, welche in jedem Land jede SehenswĂŒrdigkeit und jedes Touristen-Highlight besuchen mĂŒssen. Wir merken je lĂ€nger, je mehr, dass der Weg unser Ziel ist. Und somit heisst unser nĂ€chstes kurzfristiges Ziel – Abidjan. Uns ist damit auch klar, dass uns zwei lĂ€ngere Fahrtage bevorstehen. Die wegen des schlechten Strassenzustands ermĂŒdende Fahrerei fĂŒhrt uns durch abwechslungsreiche Landschaften. Von hĂŒgelig bis bergig, von Wald zu Sumpf, durch Urwald und Kulturgebiet windet sich die löchrige Strasse in Richtung Meer, quer durch das Land. Unterwegs fallen uns einige Unterschiede zu Guinea auf – so liegt in den Ortschaften mehr MĂŒll herum und allgemein wirkt alles staubiger und schmutziger. Und anders als in Guinea sehen wir weniger RundhĂŒtten, die meisten HĂ€user sind rechteckige, einstöckige Bachsteinbauten. In Guinea wird auf saubere und schöne Kleidung meistenorts viel Wert gelegt – hier laufen viele Menschen in vor Dreck starrenden, zerrissenen Kleidern herum, was ich nicht alles der Armut anlasten möchte. Oft habe ich den Eindruck, dass es ihnen einfach keine Rolle spielt, da ja alles eh bald wieder schmutzig wird 


Am Nachmittag, irgendwo nach Daloa, ĂŒberholt uns ein Motorrad hupend (was alle hier machen) und staunend sehen wir – ein BL-Nummernschild 😊! NatĂŒrlich halten wir am Strassenrand an und plaudern kurz miteinander. Ein junger Mann, welcher seit sieben Monaten unterwegs ist in Richtung SĂŒdafrika. Er möchte schon am Abend Abidjan erreichen und so verabschieden wir uns schon bald wieder, denn es wird in diesen Breitengraden kurz nach 6 Uhr Dunkel. Und in der Nacht fahren ist nicht eben ungefĂ€hrlich 
 Wir schlĂ€ngeln uns noch bis nach Yamoussoukro um die unzĂ€hligen Schlaglöcher (die Hauptstadt und der Regierungssitz der ElfenbeinkĂŒste) und stellen uns in den Hof eines Hotels unter Französischer Leitung (ein weiterer Tipp von i-Overlander), wo wir schon bald eine gute Pizza geniessen 😊.

Nach einer weiteren windstillen, schwĂŒlheissen Nacht, in der wir das Bett nassschwitzen, dĂŒrfen wir uns noch in einem der Hotelzimmer duschen – vielen Dank 😊. Was jeweils zwar keine AbkĂŒhlung bringt, aber uns doch ein GefĂŒhl von Sauberkeit vermittelt 
 bis wir wieder bachnass in unseren Kleidern kleben 


Die KuriositĂ€t dieser Stadt mĂŒssen wir uns, trotzdem wir Kulturbanausen sind, doch noch von aussen ansehen – die Kathedrale von Yamoussoukro. Dieses Monstrum hat sich der PrĂ€sident nach dem Vorbild des Peterdoms in Rom erbauen lassen und so steht es nun, nicht ganz fertiggebaut aussehend, etwas verloren hier in der Landschaft. Was an diesem Tag das Ganze noch unwirklicher oder geisterhafter erscheinen lĂ€sst ist das Wetter – die riesige Kuppel verschwimmt im Nebel!

Schon bald, nachdem wir die Stadt verlassen haben, beginnt die in keiner Karte schon ab hier verzeichnete «Autobahn», welche wir eher als richtungsgetrennte, vierspurige Schnellstrasse bezeichnen wĂŒrden. Wobei die Gemeinsamkeiten hier schon fertig sind 
 denn wer wĂŒrde bei uns auf die Idee kommen, auf der Schnellstrasse seine Ware feilzubieten, am Strassenrand ohne Ausweichstelle eine Werkstatt aufzubauen, sich hĂ€uslich niederzulassen oder auf der Ausfahrt seinen Verkaufsstand aufzustellen? Gar nicht zu reden von den Fahrrad- oder Motorradfahrern, welche uns auf dem Pannenstreifen entgegen kommen 


Abidjan – der Regierungssitz dieses mit BodenschĂ€tzen gesegneten Landes. Unsere Mission hier heisst: Visumbeschaffung! Genauer die Visa fĂŒr Ghana, Togo und das momentan schwer erhĂ€ltliche fĂŒr Kamerun. Dort versuchen wir als erstes unser GlĂŒck – und werden am Schalte an der Aussenmauer (ĂŒber welchen ĂŒbrigens die ganzen Botschaftsangelegenheiten abgewickelt werden, wir haben die Botschaft nie betreten!) darĂŒber belehrt, dass es fĂŒr Kamerun kein Touristenvisum gibt, nur ein «normales» oder ein »geschĂ€ftliches» und wir, da weder Einladungsschreiben noch Kontaktadressen und auch keine Hotelreservierung oder Flugticket vorhanden sind, neben den obligaten Kopien des Passes und Passfotos – eine Reiseversicherung nachweisen mĂŒssen! So einfach soll das sein? Wir verstehen die Welt kurzfristig nicht mehr ganz, denn wie wir wissen, haben schon einige Bittsteller in letzter Zeit hier (und auch anderswo) kein Visum fĂŒr dieses Land erhalten. Da wir die gewĂŒnschte Kopie der Versicherung erst noch ausdrucken mĂŒssen, versuchen wir unser GlĂŒck bei der Botschaft von Ghana – der Tag ist noch jung. Und hier erhalten wir trotz der fehlenden Hotelreservierung, dafĂŒr mit einem kurzen Schreiben ĂŒber die GrĂŒnde fĂŒr unser Begehren, das Visum innerhalb von 2 Âœ Stunden 😊.

Da es unterdessen doch schon Nachmittag ist, machen wir uns auf die Suche nach einem Stellplatz – wie wĂ€re es auf dem grossen, bewachten Parkplatz des Sofitel Hotel Ivoire?  Der Wachmann lĂ€sst uns hineinfahren und auf unsere Nachfrage, ob wir hier stehen können meint er, dass er das entscheiden kann und wir bis zu einer Woche hier stehen können – so einfach haben wir uns die Platzsuche nicht vorgestellt 😊! Leider stellt sich am nĂ€chsten Tag, nach unserem Besuch beim Konsulat von Togo heraus, dass es doch nicht der Wachmann, sondern die Sicherheitsleute des Hotels sind, welche hier die Entscheidungsmacht inne haben 
 wir mĂŒssen gehen und so geht die Suche wirklich los! Da es sich in Abidjan (wie in allen grossen StĂ€dten) nicht empfiehlt, sich einfach irgendwo an den Strassenrand zu stellen, suchen wir einen bewachten Parkplatz, wo es uns erlaubt wird, die Nacht ĂŒber zu stehen 
 grosse Hotels – schwierig, da oft keine (grossen) ParkplĂ€tze vorhanden sind oder nur auf schriftliche (!) Anfrage das Stehen erlaubt wird. Golfplatz Fehlanzeige, Parkplatz beim PrĂ€sidentenpalast unmöglich (wurde uns von einem Wachmann angegeben) – schlussendlich landen wir vor dem Kulturzentrum, wo ich mit unserer Bitte zum Direktor gefĂŒhrt werde, welcher uns gnĂ€digerweise die Erlaubnis gibt 
 ziemlich laut und heiss, aber gut bewacht.

Das Visum fĂŒr Togo haben wir gestern nicht erhalten, da der Beamte, der das unterschreibt, erst heute Morgen da ist 
 aber kurz nach 10 Uhr haben wir unsere PĂ€sse mit dem Visum wieder – auf geht es zur Botschaft von Kamerun! Hier fĂŒllen wir erst einmal das Antragsformular aus, geben das gesamte Dossier ab (wir haben auch hier ein Schreiben beigelegt, in dem wir begrĂŒnden, warum wir das Visum ohne Hotelreservierung und/oder Kontaktadressen möchten und auch eine Notfall-Kontaktadresse in der Schweiz angegeben) und 
 werden eher unfreundlich nach einer Reservierung oder einem Kontakt in Kamerun gefragt … und ĂŒberhaupt, es gibt keine Touristenvisa und es sind nicht alle benötigten Unterlagen da … Entschuldigung, aber Sie selber haben uns gestern angegeben, dass wir lediglich eine Passkopie, zwei Fotos und eine Kopie der Reiseversicherung bringen mĂŒssen, ist alles da 
 die Papiere werden zur Seite gelegt und wir dĂŒrfen zurĂŒcktreten und 
 warten. Der Schalter schliesst um 11:30 Uhr, es sind einige Leute hier am Warten 
 unsere Hoffnung schmilzt an der heissen Sonne genauso schnell, wie uns das Wasser am Körper herunterrinnt 
 Um 12 Uhr werden wir an den Schalter gerufen und uns wird mit einem versteckten Schmunzeln (aha, er kann doch freundlich sein) eröffnet, dass wir das Visum erhalten, wieviel wir denn bezahlen (das Visum innerhalb von 72 Stunden kostet 50’000 CFA, das Expressvisum innerhalb von 24/48 Stunden 65’000 CFA, dreimal dĂŒrft ihr raten, wie lange wir warten möchten 
), ich drĂŒcke ihm die abgezĂ€hlte Summe in die Hand und er frĂ€gt, bis wann wir das Visum abholen möchten. Wenn möglich in einem Tag, oder zwei 
? Heute Nachmittag um 15:30 Uhr könnt ihr eure PĂ€sse wieder abholen, bekommen wir zu unserem grenzenlosen Erstaunen zu hören! Das klappt dann auch und unsere PĂ€sse werden uns mit einem offenen Grinsen ausgehĂ€ndigt 😊. Wir haben an diesem Tag zwei Visa erhalten, super 😊😊!

Übrigens: wĂ€hrend der Wartezeit auf das Kamerunvisum beamen wir uns mal kurz nach Europa und Amerika – wir gehen in einem Carrefour Supermarkt einkaufen und essen etwas im Burger King 😉.

Nun hĂ€lt uns nichts mehr in dieser Stadt und wir verlassen diese in Richtung Meer, wo die langen SandstrĂ€nde von Palmen gesĂ€umt sind und die Wellen mit den Grillen und Zikaden um die erste Stimme beim nĂ€chtlichen Konzert wetteifern 
 Dort dĂŒrfen wir uns bei einer Auberge hinstellen und geniessen am Strand unter freiem Himmel ein ausgezeichnetes Abendessen. Wir sind reif fĂŒr ein paar Tage Urlaub 


Dieser muss jedoch noch ein wenig warten, denn erst einmal braucht es im WĂ€schekorb wieder Platz und der Dusche, wo dieser steht, wĂŒrde ein frischerer Duft auch nicht schaden 😉 
 Wir möchten versuchen, ob wir die WĂ€sche in einem Hotel waschen lassen können, auch wenn wir dafĂŒr ein Zimmer nehmen mĂŒssen 


Also quĂ€len wir uns von der westlichen von Abidjan gelegenen KĂŒste zur östlichen Seite der Stadt und versuchen, die gewĂŒnschte Dienstleistung in einem der zahlreichen Tipps von i-Overlander zu finden 
 wir sind erstaunt, dass niemand die schlechte, schmale Piste in den Kommentaren erwĂ€hnt und bei einigen der Hotels angegeben ist, dass auch grosse Fahrzeuge dort Platz haben sollen – dieses Mal sind wir eher enttĂ€uscht von der Aussagekraft des Apps. In einem der Hotels fragen wir an, leider keine WĂ€sche möglich, aber die nette junge Frau gibt mir ganz in der NĂ€he einen «Waschsalon» an, der Waschmaschinen hat 
 wir werden fĂŒndig und ich kann vier (!) volle SĂ€cke mit SchmutzwĂ€sche abgeben und diese am nĂ€chsten Nachmittag wieder abholen. Und dies zu einem moderaten Preis von 8000 CFA (ca. 15 CHF). Somit brauchen wir nur noch ein Hotelbett, da unsere BettwĂ€sche ebenfalls dringend eine andere NĂ€sse als unser Schweiss vertragen hat 


Wir quartieren uns in einem der vielen Lodges hier in der Gegend ein und gönnen uns damit zwei NĂ€chte in einem klimatisierten Zimmer, gutes FrĂŒhstĂŒck, Dusche und grosses Swimmingpool inbegriffen 
 😉.

Zum Schluss noch Folgendes: in den meisten der uns bekannten Blogs und auch in ReisefĂŒhrern steht geschrieben, dass sowohl in Guinea wie auch in der ElfenbeinkĂŒste immer wieder von den Beamten bei den Strassenkontrollen ein Schmiergeld oder eine ungerechtfertigte Busse fĂŒr was auch immer verlangt wird. Wir möchten her deutlich festhalten, dass wir IMMER freundlich behandelt wurden, nur einmal nach Geld gefragt wurde (der Beamte hat sich nach meinem nein sogar dafĂŒr entschuldigt) und nie eine Busse bezahlen mussten. Auch wurden uns bei keiner Kontrolle die Papiere eingezogen und erst nach Zahlung einer gewissen Summe oder nach dem Gang aufs Kommissariat zurĂŒckgegeben, wie man manchmal auch lesen kann. In Guinea waren wir sogar erstaunt, dass bei den meisten Checkpoints die vorhandenen Nagelbretter einfach weggezogen wurden und wir ohne Kontrolle weiterfahren durften. Auch haben wir uns in beiden LĂ€ndern absolut sicher gefĂŒhlt und wurden wenig von Bettlern oder aufdringlichen Leuten belĂ€stigt.

Und dann noch dies, bevor ich es ganz vergesse:

Wir wĂŒnschen allen schöne und ruhige Weihnachtstage, «en guete Rutsch» ins 2019 sowie gute Gesundheit, GlĂŒck, Zufriedenheit und viele bereichernde Erlebnisse und Begegnungen im neuen Jahr!

 

Goodby, rafiki yetu! Kwaheri kwa sasa 


volle Distanz: 2979.96 km
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