Weltreise

Unterwegs in Marokko, 24. Okt. – 4. Nov. 2016

Wie die Zeit doch vergeht … und schrumpft! Vor genau acht Wochen sind wir in Aeugst abgefahren und seit knapp sechs Wochen sind wir in Marokko unterwegs. Uns verbleiben also noch zwei Wochen, dann sind die zu Beginn fast unendlich erschienenen zehn Wochen unserer Testreise verflogen und der Alltag wird uns wieder in Beschlag nehmen. Aber was soll diese Jammerei, wir sollten uns vielmehr darüber freuen, dass wir das Glück haben, so viele Wochen unterwegs sein zu können ☺! Nun aber zu unseren Erlebnissen der letzten zwölf Tage.

Nachdem wir die zwei Tage bei Nigel am Startplatz Nid d’Aigle an der Atlantikküste verbracht haben, brechen wir wieder auf. Von nun an geht es nur noch nordwärts. In der nahen Stadt Tiznit wagen wir es und kaufen uns für 50 Dirham 5 GB Internetguthaben in der Hoffnung, dass wir dieses Mal, wenn wir es selber in die Hand nehmen, auch wirklich das haben, was wir möchten. Wir laden das Guthaben per SMS auf meine Marokko-SIM-Karte und siehe da, wir haben wieder Internetzugang, so dass wir nicht mehr auf’s WLAN von Campingplätzen angewiesen sind, nur noch auf ein gutes Netz! Das Ganze hat natürlich seine Vorgeschichte: in Fes haben wir eine SIM-Karte für mein Handy inkl. 100 Dirham Guthaben für Telefonie und Internet gekauft. Die Verkäuferin hat auf mehrmaliges Nachfragen versichert, dass wir dafür 2 Stunden nach Europa und unlimitiert in Marokko telefonieren können sowie für 30 MB Internet haben! Sie hat alles auf meinem Handy installiert, da wir Marokkoneulinge es so wollten, ist einfacher. Installiert hat sie alles richtig, aber die 100 Dirham reichten gerade mal für 10 Minuten in die Schweiz telefonieren, aber Telefonie in Marokko und/oder Internet – nada!

Wir machen in Taroudannt halt. Diese kleinere Stadt soll eine Art Klein-Marrakesh sein und somit hoffen wir, uns hier schon mal auf die Grossstadt vorbereiten zu können. Wir machen uns trotz fortgeschrittener Stunde auf den Weg in die Stadt. Leider wissen wir schon bald nicht mehr, wo wir sind und wie wir die gesuchte Medina finden sollen. Und plötzlich steht der junge Marrokaner neben uns, welcher uns schon beim Parkplatz angesprochen hat und bietet uns seine Dienste an, natürlich unentgeldlich! Er führt uns durch seine Stadt, erklärt hier etwas, zeigt dort auf etwas und führt uns ziemlich direkt zu einer Kooperative für Arganöl und -produkte! Überall das selbe Spiel, wir sollten es ja mittlerweile wissen! Alles wird erklärt (haben wir schon in Fes gehört) und jedes Produkt wird angepriesen. Leider habe ich kein Interesse, aber wir sind ja morgen auch noch da …

Am nächsten Morgen steht resp. sitzt unser selbsternannte Führer auf einer Bank gegenüber und, kaum sind wir ausgestiegen, möchte er uns wieder in die Stadt führen, dieses Mal zu seiner Familie. Wir möchten aber eine Kutschenfahrt um die Stadtmauer machen und nachdem der Preis ausgehandelt ist, steigen wir in die Kutsche ein – unser “Führer” nimmt wie selbstverständlich auch Platz! Um es kurz zu machen: wir sind ziemlich schnell per Kutsche in der Medina gelandet, wo wir in ein Geschäft mit marokkanischem Handwerk geführt werden. Die üblichen Erklärungen, das übliche Präsentieren der Teppiche, die übliche Einladung zum Tee … Hier sehen wir aber seit Fes zum ersten Mal wieder aus Algavenseide gewobene Tücher. Ein solches möchten wir kaufen, damit wir in Zukunft am Strand unsere Badetücher und Kleider nicht direkt in den Sand legen müssen. Ich beginne zu handeln, aber schlussendlich bezahlen wir doch zu viel! Was solls, es hat Spass gemacht und aller Anfang ist schwer. Übung macht bekanntlich den Meister!

Nach diesem kurzen Besuch von “Klein-Marrakesh (ich bin ja gespannt, wie es in “Gross-Marrakesh sein wird!) geht es weiter durch die stetig wechselnde Szenerie der marokkanischen Landschaft. Wir sind nun wieder im Hohen Atlas unterwegs und es geht hoch hinauf: der Tizi-n’Test-Pass ist immerhin knapp 2100 m hoch! Leider zeigt sich das Wetter an diesem Tag von der regnerischen Seite, so dass wir die sicher imposante Aussicht nur bedingt geniessen können.

Pass Tizi n’Test

Bald sind wir in Marrakesh: was für die Einen der blanke Horror sein muss, ist für die Anderen ein Highlight! Wir gehören definitiv zur zweiten Sorte. Wir haben diese quirrlige Stadt mit dem berühmten Platz Jamaa el Fna und den überdachten Souks in vollen Zügen genossen. Selten haben wir uns so gut amüsiert und schon lange nicht mehr so viel gelacht, wie an unserem ersten Abend dort in der wohltuenden Gesellschft unserer österreichischen Bekannten, welche wir in Zagora kennen gelernt haben! Auch unsere ausgedehnten Bummel durch die Souks, verbunden mit dem Kauf diverser Souveniers und Geschenken, das Verhandeln der Preise (ich werde schon ganz gut darin, wir haben hier nach dem obligatorischen Feilschen immer realistische und faire Preise bezahlt, so weit wir dies beurteilen können) hat uns beiden richtig Spass gemacht und wir sind uns einig, ein weiterer Marrakesh-Besuch ist für uns im nächstes Jahr ein absolutes MUSS! Trotz der vielen, für uns mittlerweile ungewohnten Touristen!

Eingang zu den Souks von Marrakesh

In den Souks von Marrakesh

Geht es noch billiger? …

Jamaa el Fna by night

Als wir nach 2 Nächten auf einem bewachten Parkplatz im Zentrum von Marrakesh diese faszinierende Königsstadt verlassen, ist unser blaues Fass wieder gut gefüllt auf dem Dach von MANni montiert. Da es in die Berge geht, die Sonne vom Himmel scheint und die Strassen wieder holprig und kurvenreich zu werden versprechen, ein idealer Waschtag! Die Landschaft, welche wir nördlich von Marrakesh durchfahren, erinnert uns immer mehr an die Landschaften in Andalusien. Es gibt grosse Oliven- und Mandelplantagen, es ist hügelig und trocken. Unser Weg führt uns immer weiter in den Hohen Atlas und die Strassen schütteln die Wäsche auf dem Dach so richtig durch, besser kann es eine “richtige” Waschmaschine auch nicht! Und heute finden wir im Verlauf des Nachmittages den ultimativen Übernachtungsplatz: auf einer kleinen, wegen niedrigen Wasserstand mit trockenen Rädern erreichbaren Insel in einem im Licht des Nachmittgages tiefblau leuchtenden Stausee, umgeben von Bergen, welche sich in allen möglichen Farben präsentieren, im Schatten unter Pinien, eine Feuerstelle vor der Haustüre … und der warme Wind übernimmt die Rolle des Tumblers! Herz, was willst du mehr!

Wunderschöner Stausee mit ultimativem Stellplatz

Wäsche trocknen

Von hier aus unternehmen wir eine Rundfahrt, welche uns z.T. über Pisten für die nächsten beiden Tage in die eindrücklichen und sehr schöne Bergwelt rund um die “Cathedrale des Roches” entführt, bevor wir uns eine zweite Nacht in diesem Paradies gönnen. Ein wirklich lohnenswerter Ausflug! Und wir sehen doch tatsächlich – Schneeberge! Auf dieser Rundfahrt haben wir ein unvergessliches Erlebnis: in Tilougguite, einem kleinen Nest, wird der regionale und wöchentliche Souk abgehalten. Diese Märkte sind immer sehr farbenfroh und es wimmelt nur so von Menschen. Da die Strasse, so wie es den Anschein macht, genau mitten durch den Markt führt, endlich eine gute Gelegenheit, das Gewusel unauffällig mit der Gopro-Kamera zu filmen! Leider biegt die Strasse kurz nach Beginn des Marktes nach rechts ab, das Filmen hat sich aber dennoch gelohnt: die Autos und Kleinbusse sind links und rechts am Rand des Weges parkiert und es wird immer enger, bis der Durchgang zu eng für MANni erscheint! Und keiner der Chauffeure in Sicht! Ich sehe schon eine lange Wartezeit auf uns zukommen, aber Armin meint, dass es reichen sollte und versucht, MANni zwischen dem Pickup und dem Kleinbus hindurch zu zwängen … Resultat dieses Manövers: auf beiden Seiten ca. 3 cm Luft zwischen Blech/Kuhfänger und SpiegelBlech, ein etwas eingedrückter rechter vorderer Kotflügel am Pickup, welcher dem Druck von MANni’s eingeschlagenem Rad nicht standgehalten hat (was hier aber keinen zu stören scheint), viele z.T. widersprüchliche Handzeichen der vielen hilfreichen Männer – aber wir sind durch!

Im Hohen Atlas

Am letzte Oktoberwochenende werden in Europa die Uhren um eine Stunde zurückgestellt – hier in Marokko ebenfalls. Was bedeutet, dass es nun schon um 18:00 Uhr dunkel ist!!! In Spanien dann eine Stunde später, in Portugal wieder so wie hier … was die Reiserei doch kompliziert ist!

Die letzten Tag sind wir immer unterwegs gewesen. Jeden Tag einige Stunden fahren, dann rechtzeitig einen Platz für die Nacht suchen und, unterdessen ziemlich problemlos und z.T. sehr schön gelegen, auch finden, kochen, essen, Tschau Sepp spielen und schlafen gehen. Dies da wir geplant haben, am Samstag, 5.11.das Schiff nach Algeciras zu nehmen. Wir geniessen nun ganz bewusst die herrlichen, bunten Landschaften, bald werden wir uns von diesem faszinierendem Land verabschieden (müssen). Wir freuen uns aber darauf, nächstes Jahr in der glücklichen Lage zu sein, dass Marokko auf unserer Route auf dem Weg nach Südafrika liegt und wir es nochmals besuchen können. Vieles haben wir gesehen und erlebt, vieles gibt es noch zu entdecken oder nochmals zu besuchen. Wir freuen uns!

Bunte Landschaft

Nun freuen wir uns aber zuerst einmal auf Spanien und vor Allem auf Portugal. Und dann natürlich auf das Wiedersehen mit unseren beiden kleinen Schätzen zu Hause: Joel und Elina. Übrigens: Joel wird am huete, am 4.11. zwei Jahre alt, HAPPY BIRTHDAY!

Unsere Erlebnisse auf unserer Heimreise werde ich erst nach unserer Rückkehr im letzten Blog dieser Testreise festhalten. So lange muss sich der geschätzte Leser noch gedulden müssen!

Bis dann

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